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Veröffentlicht am 17.10.2024 11:09

Streit um die Bayerische Ehrenamtskarte in Ansbach: Worum es geht

Die Bayerische Ehrenamtskarte soll für engagierte Menschen ein Dankeschön mit Mehrwert sein. Dies erklärt Bayerns Sozialministerium. In Ansbach gibt es aber einen Zwist. Die Stadt teilte mit, dass sie ab sofort neue Karten herausgebe. Die Freiwilligenagentur Sonnenzeit dagegen legt dar, dass sie weiter Ausgabestelle sei.

Sie gebe ab sofort neue Ehrenamtskarten heraus und stehe als Ansprechpartnerin für Ehrenamtliche in ihrem Gebiet bereit, hieß es von der Kommune jüngst. Darauf reagieren allerdings der Vorstand des Vereins Sonnenzeit Freiwilligenagentur & Mehrgenerationenhaus sowie die nebenberufliche Geschäftsführerin Sylvia Bogenreuther.

Vor fast 15 Jahren übernahm die Agentur die Verantwortung dafür, die Karte in der Stadt auszugeben, wie sie mitteilen. Die Stadt selbst habe „die Einführung der Karte im Jahr 2010 abgelehnt, woraufhin sich der Verein seitdem um die zahlreichen Ehrenamtlichen kümmert, mit großem Einsatz ein Netzwerk rund um die Ehrenamtskarte aufbaute und bis heute betreut und pflegt.“

Bisher rund 1800 Karten ausgegeben

Auch Ehrenamtliche hätten an der Akzeptanz und Organisation gearbeitet und bisher rund 1800 Karten ausgegeben. Trotz dieser Erfolge habe die Stadt mitgeteilt, die Koordination übernehmen zu wollen. Dies habe man „in einer Mitteilung“ ohne angemessene Rücksprache mit den Verantwortlichen und den Ehrenamtlichen verkündet.

Sylvia Bogenreuther stellt fest, „dass eine Übergabe von Unterlagen oder gar Daten der Ehrenamtlichen, die bei der Sonnenzeit gespeichert sind, nicht stattgefunden hat“. Es gebe dazu und auch allgemein zu einer Übernahme keine Vereinbarung. Die Stadt habe den Verein nur in einem Anschreiben informiert.

„Auf die Mitteilung, dass diese Belange noch mit dem Sonnenzeit-Vorstand abgestimmt werden und ein Gespräch mit Oberbürgermeister Thomas Deffner erbeten wird“, habe die Stadt nicht reagiert. Vorstand und Geschäftsführerin fragen, „weshalb die Stadt, deren klamme Haushaltslage hinlänglich bekannt ist, für diese Aufgabe nun Personal und Kosten binden möchte“.

Eine Diskussion über die Zukunft gewünscht

Sie finden es überdies „fraglich, ob die bisherige Wertschätzung den Ehrenamtlichen gegenüber gewährleistet werden kann“. Ein Wertschätzungsinstrument, das aus einem engagierten und gemeinschaftlichen Miteinander hervorgehe, sollte ihrer Ansicht nach „nicht leichtfertig von beruflichen Strukturen übernommen werden“.

Eine offene Diskussion über die Zukunft der Bayerischen Ehrenamtskarte in Ansbach wäre für sie wie ein persönliches Gespräch mit den Verantwortlichen wünschenswert. Die Freiwilligenagentur sei auch aktuell weiter Ausgabestelle.

Die Stadt erklärt nun auf Anfrage, dass der Freistaat die Karte mit den kreisfreien Städten und Landkreisen als „sichtbares Zeichen der Anerkennung von Ehrenamt eingeführt“ habe. Daher sei es Aufgabe der Kommune, sie auszugeben – was die Stadt an die Agentur übertragen habe. Dies „wurde nun zurückgenommen, weil Zweifel bestanden, ob die Sonnenzeit ihren Aufgaben in vollem Umfang gerecht werden kann.“

Mitte Juli habe die Stadt dies angekündigt, „mit der Bitte um eine einvernehmliche Rückübertragung der Aufgabe“. Darauf sei wochenlang keine Reaktion gefolgt, weshalb sich die Kommune zu der Vorgehensweise veranlasst gesehen habe.

Das Internet vermittelt an die Kommune weiter

Daher ist sie nach ihren Worten seit Oktober die einzige autorisierte Ausgabestelle der Karte in der Stadt. Entsprechende Informationen seien beim zuständigen Ministerium hinterlegt. Für die Ausgabe habe man innerhalb der Stadtverwaltung eigene Strukturen geschaffen.

Gerade mit Blick auf eine angespannte Haushaltslage verdeutlicht dies für die Stadt, wie wichtig ihr das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger sei. Es ermögliche an vielen Stellen Angebote, „die ohne nicht möglich wären“.

Mit einer reibungslosen Ausgabe der Karte wolle man es würdigen. „Damit ist die Zukunft der Ehrenamtskarte in Ansbach langfristig gesichert und bedarf somit auch keiner Diskussion.“ Wer auf der bayernweiten Internetseite nach der Stelle in der Stadt sucht, bei der man den Antrag stellt, gelangt allein auf die Internetseite der Kommune.

Informationen bietet die Internetseite ehrenamt.bayern.de.

Die Sonnenzeit ist in der Neustadt untergebracht (rechts). Die Stadt erklärt, dass sie den Auftrag an die Freiwilligenagentur, die Ehrenamtskarte in der Kommune auszugeben, zurückgenommen habe. (Foto: Oliver Herbst)
Die Sonnenzeit ist in der Neustadt untergebracht (rechts). Die Stadt erklärt, dass sie den Auftrag an die Freiwilligenagentur, die Ehrenamtskarte in der Kommune auszugeben, zurückgenommen habe. (Foto: Oliver Herbst)
Die Sonnenzeit ist in der Neustadt untergebracht (rechts). Die Stadt erklärt, dass sie den Auftrag an die Freiwilligenagentur, die Ehrenamtskarte in der Kommune auszugeben, zurückgenommen habe. (Foto: Oliver Herbst)

Oliver Herbst
Oliver Herbst
... schreibt seit seinem 16. Lebensjahr für die Fränkische Landeszeitung. In über 30 Jahren lernte er dabei viele Menschen und ihre Geschichten kennen - von Burghaslach bis Mönchsroth und von Windsbach bis Schnelldorf. Seit 2014 gehört er zum Team der Lokalredaktion Ansbach.
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