In den Spitzenpositionen der deutschen Erst- und Zweitligisten sind Frauen weiter die Ausnahme, doch ihr Anteil steigt. Das zeigt der aktuelle Bericht der Organisation „Fußball kann mehr“ (FKM) für die Saison 2025/2026. Demnach waren von 94 Positionen in den Führungsetagen der Clubs neun an Frauen vergeben (9,6 Prozent). Im Vorjahr lag ihr Anteil bei 6 Prozent.
Für den Bericht befragte die Organisation alle 36 Vereine der 1. und 2. Liga der vorigen Saison. Als Top-Management wird die höchste hauptamtlich operative Führungsebene bezeichnet, die bei den Clubs für den Profifußball verantwortlich ist. Angelehnt ist die FKM-Erhebung an die AllBright-Berichte, in denen regelmäßig die Zusammensetzung der Vorstände und Aufsichtsräte bei Dax-Konzernen analysiert wird.
Im Top-Management besetzten die Clubs in der vergangenen Saison 18 Stellen neu, vier davon gingen an Frauen. Unter den vier Neuen ist in Tatjana Haenni von RB Leipzig auch die erste CEO der Bundesliga. 2024/2025 war in den Spitzenämtern nur eine von 19 offenen Stellen mit einer Frau besetzt worden. Stichtag des Berichts war der 1. April, weshalb die neue HSV-Sportvorständin Kathleen Krüger in der Auswertung nicht berücksichtigt wurde.
„Die männlichen Entscheidungsträger, die wir heute haben, hatten ja mehrheitlich noch nicht die Chance, zu sehen, was eine Frau bringen könnte. Sie sind vielleicht auch ein bisschen verunsichert, kennen keine, haben das noch nie erlebt, und dann tun sie sich einfach schwer, jemanden zu suchen“, sagte Haenni in einem Interview von FKM.
Immerhin sieben der 36 Clubs hatten 2025/2026 mindestens eine Frau im Top-Management. In der vorherigen Saison traf dies nur auf den FC Schalke 04, den FC St. Pauli, 1. FC Heidenheim und Werder Bremen zu. Auf weibliche Führungskräfte setzten 2025/2026 zudem auch Borussia Dortmund, Union Berlin und RB Leipzig.
„Die typische Person im Top-Management ist männlich, deutsch und etwa 50 Jahre alt“, heißt es in dem FKM-Bericht. „Im Schnitt bekleidet sie die aktuelle Führungsposition seit 5,9 Jahren und ist seit 9,2 Jahren hauptamtlich im Club tätig. Nach etwas mehr als drei Jahren steht der Schritt auf die höchste Führungsebene an - sofern es zu einer internen Besetzung kommt.“
Die Kontrollgremien der 36 Clubs, unter anderem zuständig für die Berufung des Top-Managements, sind ebenfalls vorwiegend männlich besetzt. Von 245 Positionen entfallen nur 29 (11,8 Prozent) auf weibliche Mitglieder, ein Plus von 1,5 Prozentpunkten im Vergleich zur Saison 2024/2025. Unter den insgesamt 32 Aufsichtsratsvorsitzenden sind nur zwei Frauen.
Auf der zweiten Führungsebene, den sogenannten Direct Reports, sind Frauen am häufigsten vertreten. 84 von 432 Positionen (19,44 Prozent) waren weiblich besetzt. Das betrifft etwa Direktorenposten unterhalb des Top-Managements. Nur noch fünf Clubs waren auf der Direct-Reports-Ebene ohne weibliche Führungskraft.
Katja Kraus, Co-Beiratsvorsitzende von FKM, hob als positives Beispiel den FC St. Pauli hervor. Der Zweitligist sei der einzige Club, „der auf allen drei im FKM-Jahresbericht untersuchten Ebenen die 30-Prozent-Marke erreicht“. Ex-Nationaltorhüterin Kraus war 2003 beim Hamburger SV die erste Frau, die in den Vorstand eines Fußball-Bundesligisten einzog.
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