Nach dem geglückten Einstieg in die Fußball-WM schallte aus den Lautsprechern im Dallas Stadion die Hymne „Football's coming home“, und die Fans der Three Lions sangen lautstark mit. Superstürmer Harry Kane hatte ihnen und seiner Mannschaft einen perfekten Start in die Titelmission beschert und einen weiteren Meilenstein seiner Karriere gesetzt.
Der Kapitän war mit einem Doppelpack der entscheidende Mann beim ereignisreichen 4:2 (2:2) im ersten Gruppenspiel gegen Kroatien. Der Auftrag aus der Heimat an die Three Lions ist klar: 60 Jahre nach dem bislang einzigen Triumph soll der zweite WM-Titel her. „Wir haben einfach das gemacht, was wir machen müssen, um ein Spiel zu gewinnen“, sagte Kane unmittelbar nach dem Spiel. „Wir sind bereit, wir sind gut eingestellt.“
Der „Man of the match“ war mit einem Foulelfmeter im zweiten Versuch (12. Minute) und mit einem wuchtigen Kopfball (42.) erfolgreich. Mit seinen WM-Toren neun und zehn zog der Profi von Bayern München mit Englands bisherigen Rekordhalter Gary Lineker gleich. Jude Bellingham (48.) und Marcus Rashford (85.) erzielten die weiteren Tore für den Turnier-Mitfavoriten. Für Kroatien konnten Martin Baturina (36.) und Petar Musa (45.+5) zwischenzeitlich zweimal ausgleichen.
Verursacht hatte den Strafstoß zu Kanes erstem Tor ausgerechnet Kroatiens Ausnahmefußballer Luka Modric. Der 40-Jährige hatte im Strafraum bei einem Klärungsversuch den heranstürmenden Noni Madueke erst übersehen und dann klar am Bein getroffen. Für den ehemaligen Weltfußballer war es ein grausamer Start in seine fünfte Weltmeisterschaft, nach nicht mal einer Stunde wurde der nahezu wirkungslose Modric ausgewechselt.
Der 32-jährige Kane bestritt sein 115. Länderspiel und zog in diesem Ranking mit David Beckham auf Rang drei gleich. Nur Peter Shilton (125) und Wayne Rooney (120) haben mehr Spiele im Three-Lions-Trikot bestritten. Das sei ein „besonderer Meilenstein“, hatte Kane vor dem Spiel gesagt, denn Beckham sei in seiner Kindheit „ein großes Idol“ gewesen.
Kane ging mit dem Selbstvertrauen von 61 Toren in 51 Pflichtspielen für die Bayern in Englands erstes WM-Spiel - doch für die 1:0-Führung vom Elfmeterpunkt brauchte er zwei Anläufe. Den ersten Schuss hatte Kroatiens Torwart Dominik Livakovic noch gehalten, sich dabei aber ganz knapp zu früh von der Linie wegbewegt. Bei der Wiederholung wählte Kane die gleiche Ecke, Livakovic sprang diesmal aber in die andere.
Im Spiel zog sich Kane wie auch auf Clubebene bei den Bayern immer wieder ins Mittelfeld zurück, um dort anspielbar zu sein und die Bälle zu verteilen. Davon profitierte auch Bellingham, dem Tuchel auf der Zehner-Position den Vorzug vor Morgan Rogers gab.
Die Kroaten zeigten sich vom frühen Rückstand aber nicht geschockt, sie waren schnell wieder um Ballkontrolle bemüht. Belohnt wurden sie dafür durch den schönen Ausgleichstreffer von Baturina. Englands Torwart Jordan Pickford war noch mit den Fingerspitzen am Ball, konnte ihn aber nicht mehr entscheidend ablenken.
Doch England konterte schnell - und wieder war Kane zur Stelle. Der Angreifer nahm bei einer Ecke von der Strafraumlinie großen Anlauf und wuchtete den Ball unhaltbar für Livakovic ins untere Eck. Doch zur Pausenführung reichte es für die Engländer nicht, weil Musa nach einem exzellent vorgetragenen Angriff für Kroatien erneut ausgleichen konnte.
Die zweite Hälfte ging erneut perfekt für England los: Nach einem langen Sprint hatte Bellingham noch die Kraft, den Ball überlegt an Livakovic vorbei ins Netz zu schieben. Nur eine Minute später hatte der Real-Profi gar das 4:2 auf den Fuß. England blieb am Drücker, die kroatische Abwehr um den in der abgelaufenen Saison an den Hamburger SV verliehenen Luka Vuskovic geriet immer mehr ins Schwimmen. Kane vergab bei einer Doppelchance (57.) einen weiteren Treffer.
Die Kroaten läuteten schließlich die Schlussoffensive ein, als Pickford einen Schuss von Marco Pasalic parieren musste. Mitten in der Drangphase der Kroaten sorgte Rashford dann für die Entscheidung zugunsten der Engländer.
England ist erst am kommenden Dienstag beim zweiten Gruppenspiel in Boston gegen Ghana wieder gefordert. Die Kroaten, die 2018 Vizeweltmeister und 2022 WM-Dritter wurden, treffen dann in Toronto auf Außenseiter Panama.
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