Am 16. Spieltag der 2. Bundesliga empfangen die Fußballerinnen des SV Weinberg am Sonntag um 14 Uhr den Tabellenzweiten FC Union Berlin. Zwei Welten treffen da auf dem Sportplatz in Sachsen bei Ansbach aufeinander.
Auf der einen Seite die absoluten Amateurspielerinnen des SV Weinberg, die teilweise noch Geld mitbringen müssen, um ihr Hobby ausüben zu können. Auf der anderen Seite die Kickerinnen vom Kultverein aus der deutschen Hauptstadt, die sich ihre Fußballkünste auch dementsprechend bezahlen lassen. So weit geht in der 2. Liga die Schere auf, von „Aschenputtel“ bis zu gut bezahlten Profis, die von ihrem Salär den Lebensunterhalt bestreiten können.
Ein Blick zurück in die Vorrunde: Am 3. Spieltag gab es im Kultstadion „Alte Försterei“ in Berlin-Köpenick das erste Aufeinandertreffen dieser beiden Mannschaften. 4201 Zuschauer wollten den damaligen Tabellenführer SV Weinberg sehen und bekamen auch einen guten Auftritt des SVW präsentiert. Am Ende setzte sich allerdings die individuelle Klasse des FC Union durch, dessen 2:0-Erfolg absolut verdient war.
Der Aufsteiger aus der Hauptstadt hat seinen Durchmarsch in die 1. Liga akribisch geplant. Schon im November 2022 wurde vom Präsidenten Dirk Zingler das Ziel Bundesliga ausgerufen. Seit Januar 2023 kümmert sich die Ex-Europameisterin Jennifer Zietz als hauptberufliche Sportliche Leiterin um die Belange der Fußballerinnen.
Die Mannschaft war mit Beginn der Regionalligasaison 2023/24 auf Profitum umgestellt worden und blieb vom 19. Februar 2023 bis zum 13. Oktober 2024 in allen Pflichtspielen unbesiegt. Derzeit belegt das Team von Trainerin Ailien Poese (40) den 2. Platz, einen Punkt hinter Tabellenführer 1. FC Nürnberg, der am letzten Spieltag vor zwei Wochen in der Alten Försterei eine 0:4-Klatsche bezog. In der Winterpause verstärkten sich die auswärts noch unbesiegten Berlinerinnen mit vier Neuzugängen.
Neben der 19-jährigen Nachwuchsnationalspielerin Elli Seiro vom finnischen Erstligisten FC Honka Espoo und Leonie Köster (23) vom Zweitplatzierten der Schweizer Liga, FC Basel, ergänzen auch die 20-jährige U-Nationalspielerin Tomke Schneider von Eintracht Frankfurt II sowie die ebenfalls 20-jährige Ansbacherin Nele Bauereisen von Tabellenführer 1. FC Nürnberg den Berliner Luxuskader. Dina Sophie Orschmann, im letzten Sommer von den Glasgow Rangers an die Spree gewechselt, ist mit acht Treffern die beste Torschützin der „Eisernen“.
Diese haben in ihren bisherigen sieben Auswärtspartien 17 Punkte eingespielt. Fünf Siege und zwei Unentschieden (jeweils 0:0 beim 1.FCN und in Mönchengladbach) stehen auf dem Konto. Die Mannschaft hat mit der 33-jährigen Marie-Louise Eta eine Individualtrainerin, die als Assistenztrainerin bei den Männern des FC Union schon Bundesliga- und Champions-League-Luft geschnuppert hat. Eine weitere Ausnahme im gesamten Profibereich ist die Torwarttrainerin Laura von Zadow, die 30-Jährige besitzt einen Doktortitel.
Das Trainerinnentrio des SV Weinberg, Schellenberg/Brückner/Wischgoll, kann dem Vergleich mit dem Topfavoriten der Liga entspannt entgegensehen. „Sich gut aus der Affäre ziehen“ ist die Prämisse und auf der Leistung in der 1. Halbzeit beim letzten Test gegen den Bayernligazweiten SpVgg Greuther Fürth lässt sich aufbauen.
Ellen Riess zeigte nach einjähriger Pause eine sehr ansprechende Leistung und ist wieder eine Alternative für das zuletzt lahmende Weinberger Angriffsspiel. Ebenso wie SVW-Torjägerin Lisa Wich, die ihre Beschwerden überwunden hat und für Gefahr vor dem gegnerischen Tor sorgen soll. Noch nicht so weit ist hingegen Anna Hofrichter, die sich noch ein wenig gedulden muss.
Zuversichtlich stimmt die Spielerinnen, dass sie auf dem Platz in Sachsen in dieser Saison noch ungeschlagen sind. Sollte dieser allerdings nicht bespielbar sein, wird auf dem Kunstrasen in Roßtal gespielt.