Was kann man tun, um Kinder und Jugendliche vor Missbrauch zu schützen? Eine ganztägige Veranstaltung der Ansbacher Beratungsstelle Rauhreif in der historischen Schranne in Dinkelsbühl vermittelte zu diesem Thema Expertenwissen an interessierte Fachkräfte aus Stadt und Landkreis Ansbach.
Mitarbeitende in Kindertagesstätten und Schulen, der Jugendhilfe und aus dem medizinisch-psychologischen Bereich nutzten die Möglichkeit der Weiterbildung. Bei der Arbeit in der Gruppe beleuchtete der Teilnehmerkreis das, wie es in der Mitteilung heißt, „perfide System“ aus Machtmissbrauch, Täuschung und Drohungen von Täterinnen und Tätern. Prävention sei Teil der Strategie zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Schutzkonzepte könnten Einrichtungen dabei unterstützen, gezielter helfen zu können.
Der Fachtag fand im Rahmen des 30-jährigen Bestehens von Rauhreif statt. Die Zweite Vorsitzende des Vereins, Marion Binder, verwies in ihrer Rede auf die steigenden Fallzahlen in der Polizeistatistik, „welche die tatsächliche Dunkelziffer jedoch nicht abbilden“.
Barbara Kerzel-Horn, Diplom-Pädagogin und Präventions-Verantwortliche bei Rauhreif, betonte in ihrem Vortrag, wie wichtig für Kinder die Wahrnehmung der eigenen Körpergrenzen sei. Sie müssten selbst bestimmen dürfen, „was ihnen guttut und was nicht“.
Wenn Kindern Geheimnisse und Druck aufgebürdet würden, müssten sie wissen, „dass es nichts mit petzen zu tun hat, sich Hilfe zu holen“, so die Referentin. Eine Hochrechnung unter Berücksichtigung des angenommenen Dunkelfeldes ergebe, dass im Landkreis Ansbach 3055 und in der Stadt Ansbach 880 Kinder von sexualisierter Gewalt betroffen sein könnten.
In seinem Grußwort lobte der stellvertretende Landrat Stefan Horndasch die „gute Arbeit“ von Rauhreif, die der Landkreis finanziell unterstütze. Die Stadt Dinkelsbühl hatte die Veranstaltungsräume kostenlos zur Verfügung gestellt.
Als Netzwerkpartner aus Stadt und Landkreis Ansbach waren Matthias Kaller, Leiter der Erziehungsberatungsstelle, und die Sozialpädagogin Tanja Marx zu Gast. Gemeinsam könne man viel bewegen, waren sich am Ende des Tages Gäste und Gastgeber einig.