Die Waffenruhe im Krieg gegen den Iran wirkt sich direkt auf die Tankstellenpreise in Westmittelfranken aus. Zum ersten Mal seit der Einführung der neuen Regel, dass die Preise an der Zapfsäule nur noch täglich einmal um 12 Uhr mittags erhöht werden dürfen, nutzten viele Tankstellen in der Region am Donnerstag diese Möglichkeit nicht.
Rund um die Osterfeiertage wurde der Treibstoffmarkt rund um Ansbach, Neustadt und Bad Windsheim auf den Kopf gestellt. Offenbar war Bad Windsheim eine der wenigen Städte, wo sich die Mineralölkonzerne wirklich einen Konkurrenzkampf lieferten. Denn dort wurden die Preisschilder zwar zur Mittagsstunde auch in abenteuerliche Höhen geschraubt.
Am Nachmittag ging es aber in Trippelschritten centweise bis zu 15 Mal abwärts. Am frühen Abend waren dann Diesel und Benzin in Bad Windsheim bis zu 20 Cent pro Liter billiger als zum Beispiel in Ansbach. Das sorgte für einen regionalen Tanktourismus in die Kurstadt und erhebliche Schlangen an den dortigen Zapfsäulen. Im Umkreis von mindestens 50 Kilometern war der Sprit nirgendwo billiger zu bekommen.
Von Tag zu Tag ließ der außergewöhnliche Effekt allerdings nach. Am Mittwochnachmittag war der Sprit je nach Treibstoffsorte in Bad Windsheim noch 9 bis 18 Cent billiger als in Ansbach. Das Internetportal clever-tanken.de ermittelte an diesem Tag einen Durchschnittspreis für Diesel in Bayern von 2,394 Euro. In Bad Windsheim war der Diesel immerhin zehn Cent billiger.
Am Donnerstag, nach der Ausrufung der Waffenruhe, kehrte auf sehr hohem Niveau Normalität auf dem Tankstellenmarkt in Westmittelfranken ein. Die Hoffnung auf eine Öffnung der Straße von Hormus für mit Erdöl beladene Schiffe führte nicht nur dazu, dass es an vielen Tankstellen in der Region zum Zapfsäulen-High-Noon erstmals keine Anhebung gab.
Auch die regionale Verteilung der Preise änderte sich zum ersten Mal seit der Einführung der neuen Regeln. Verhältnismäßig günstig tanken konnte man Diesel am Donnerstagnachmittag im Raum Feuchtwangen, am Freitagvormittag dann in Rothenburg und Dinkelsbühl. Bei Benzin kann das schon wieder anders aussehen und es handelt sich stets nur um Momentaufnahmen, denn Preissenkungen sind weiterhin jederzeit möglich. Die aktuellen Preise zu vergleichen, macht also auf jeden Fall Sinn. Und am frühen Nachmittag ist es jetzt immer eine schlechte Idee, eine Tankstelle anzusteuern.
Nur eines hat sich nicht geändert: In der Stadt Ansbach ist und bleibt der Treibstoff teuer, wenn man die Mondpreise der Konzerne an den Autobahn-Raststätten Frankenhöhe an der A6 und Ohrenbach an der A7 mal außer Acht lässt. Dort werden pro Liter etwa 50 Cent mehr verlangt als an günstigen Tankstellen. Auf eine 50-Liter-Tankfüllung macht das einen Unterschied von etwa 25 Euro aus.