Kranke sollen rascher und unbürokratischer ihr Medikament bekommen. Das ist eines der Ziele des Elektronischen Rezepts. Doch immer wieder funktioniert die Technik nicht. Dies ergibt sich aus den Auskünften der Sprecher der Apotheken für die Stadt und den Landkreis Ansbach und den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.
„Auch bei uns gibt es, wie bundesweit, regelmäßige Probleme beim Abruf von E-Rezepten“, äußerte sich auf FLZ-Anfrage Dr. Bernhard Metzger, der Pressesprecher der Apotheker im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.
Mit ähnlichen Worten schilderte Dr. Metzgers für Stadt und Landkreis Ansbach zuständige Sprecherkollegin, Tanja Franz, die Situationen, in denen das E-Rezept in der Apotheke nicht aktiviert werden kann, und sie ergänzte: „Manchmal dauert es nur einige Minuten, aber manchmal geht auch längere Zeit gar nichts. Das ist sehr ärgerlich, weil man dem Patienten dann überhaupt nicht weiterhelfen kann, da man nicht sieht, was überhaupt verordnet worden ist.”
Die Folge sei oft, dass die Patientinnen und Patienten ein zweites Mal kommen müssen. Tanja Franz weiter: „Oder nochmal zum Arzt gehen müssen, da das Rezept einfach nicht abrufbereit ist.” Ein Problem sei in solchen Fällen, dass viele Arztpraxen inzwischen telefonisch sehr schwer erreichbar seien. „Ich schicke manchmal dann unseren Fahrer in die Arztpraxis“, so Franz. Dies sei weniger Aufwand als viele vergebliche Anrufversuche.
Indes hat der Hauptadressat für die Kritik einen relativ sperrigen Namen. Es ist die „Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte“. In dieser, so die Kurzbezeichnung, Gematik hat das Bundesgesundheitsministerium knapp die Mehrheit der Anteile, aber es sind auch Ärztinnen und Ärzte, Krankenhäuser, Krankenversicherungen sowie die Apotheken vertreten. Die zentrale Aufgabe der Gematik ist, die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben, zu der etwa das Elektronische Rezept gehört.
Beim E-Rezept wird mit einer Verschlüsselung das verschriebene Arzneimittel von der Arztpraxis auf einen zentralen Server hochgeladen. Die Patientinnen und Patienten können es dann in einer Apotheke ihrer Wahl mit Hilfe ihrer Krankenkassenkarte einlösen.
Laut Tanja Franz bringen inzwischen schätzungsweise 70 bis 80 Prozent der gesetzlich Versicherten E-Rezepte, so dass bei dieser Gruppe Papierrezepte immer seltener werden. Nur die privat Versicherten legen in der Regel noch Papierrezepte vor, da bei ihnen in diesem Punkt die Digitalisierung noch nicht so weit fortgeschritten sei.
Doch wie oft sind E-Rezepte in den Apotheken nicht abrufbar? Franz: „Größere Störungen, die bei der Gematik gemeldet sind, gibt es ein- bis zweimal pro Woche.“ Ihr für den Raum Neustadt zuständiger Kollege Dr. Bernhard Metzger konstatierte: „Wir verzeichnen in unseren Apotheken etwa einen größeren Gematik-Ausfall pro Woche über zwei bis vier Stunden sowie wöchentliche Teilausfälle, zum Beispiel bei einzelnen Krankenkassen wie AOK oder TK, mit Ausfallzeiten von zehn Minuten bis mehreren Stunden. Zuletzt kam es am 6. August 2025 zu einem bundesweiten Ausfall, der den Abruf unmöglich machte.”
Laut Tanja Franz sind solche Probleme bei schwereren Erkrankungen eventuell folgenreich, etwa wenn jemand mit hohem Fieber dringend sofort ein Antibiotikum oder fiebersenkende Mittel benötigt. Franz: „Wir können dann nur den Arzt anrufen, dass der das Ganze in Papierform ausdruckt.“ Und sie erläutert: „Manchmal muss ich den Patienten nochmals in die Arztpraxis schicken, weil wir telefonisch nicht durchkommen.“ Franz: „Es ist verrückt, wir haben eine Digitalisierung, aber wenn die ausfällt, haben wir mehr Stress als vorher.“
Warum ist Deutschland beim E-Rezept offenbar noch ein digitales Entwicklungsland? Dazu zuckt Franz mit den Schultern. Ihre Apothekenkollegin Lisa Schiffermüller pflichtet ihr in einer Einschätzung bei: „In anderen Ländern läuft das E-Rezept super, zum Beispiel seit Jahren in Griechenland, wie uns eine griechische Kollegin erzählt hat. Nur in Deutschland kriegen wir das nicht so richtig hin.“
Dr. Metzger konstatierte als seinen persönlichen Eindruck: „Warum wir in Deutschland kein System verwenden können wie im europäischen Ausland, das gut funktioniert und deutlich günstiger ist, hat wohl die gleichen Gründe wie bei der Maut. Wir wollen immer die eierlegende Wollmilchsau, bekommen es dann aber nicht wirklich hin.“