Eitelkeiten, Ehrpussligkeit, Titelsucht, Bürokratie, Großmannssucht und manchmal garstige, manchmal regelrecht liebreizende Gebrechen einer kleinstädtischen Gemeinschaft: Der Seniorenclub Rostfrei am Landestheater Dinkelsbühl hat sich für seine neue Produktion August von Kotzebues Lustspiel „Die deutschen Kleinstädter” vorgenommen.
Regisseurin Margarit Ziellenbach sagt über das Stück, das 1802 in Wien uraufgeführt wurde, dass es in seiner Zeit öfter gespielt wurde als Goethe. Und bis heute habe es nichts von seiner Aktualität verloren: „Die Gesellschaftssatire trifft den Nerv der Zeit”, meint sie. Was in Kotzebues Lustspiel der Kniefall vor Titeln und Ämtern gewesen sei, sei heute der Kniefall vor Macht und Geld.
Der Seniorenclub nimmt sich des Themas an mit den vielfältigen Mitteln des Amateurtheaters. Mit Tempo und Witz, fast schon schwarzem Humor wird das damalige Frauenbild aufs Korn genommen. „Das ist satirisch und lustig”, erklärt die Regisseurin. Was auch heißt: Spaß haben und Spaß vermitteln.
“Es ist für Amateurdarsteller- und darstellerinnen ein sehr spannender Prozess, mit einem Profi und unter professionellen Bedingungen Theaterarbeit und Theaterleben kennenzulernen”, sagt Margarit Ziellenbach zu ihrer Arbeit mit der Gruppe. Die Regisseurin und Schauspielerin bringt langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Jugend- und Seniorentheater mit. Einige Mitglieder ihres Ensembles sind seit vielen Jahren dabei.
Allerdings musste die Gruppe in diesem Jahr drei Ausfälle verkraften. „Die Neubesetzung war eine Herausforderung”, berichtet Ziellenbach. Jetzt arbeitet sie mit einer Truppe, die altersmäßig breit aufgestellt hat. Einige Mitglieder seien über 80 Jahre alt, aber auch drei Kinder spielen mit. „Es ist schön, wenn es durch alle Generationen geht”, freut sie sich.
Für die Laiendarstellerinnen und -darsteller sei es besonderes Erlebnis, mit den Ressourcen des Landestheaters arbeiten zu können. Auf der Bühne zu stehen, habe für die Mitwirkenden aber auch eine soziale Komponente: „Theaterarbeit bedeutet auch, aushalten zu müssen, an seine Grenzen zu kommen”, beschreibt sie das. Rollen zu spielen bedeute, Situationen und Personen darzustellen, „die man selbst gar nicht ist”. Diese Aufgaben zu lösen, stärke das Selbstbewusstsein, ist sie überzeugt.
Während der Proben für „Die deutschen Kleinstädter” sei die Gruppe sehr zusammengewachsen. Alle hätten während der Proben eigene Ideen eingebracht.
Margarit Ziellenbach hat ihre Inszenierung zeitgemäß angelegt. Bühnenbild und Kostüme spiegelten das 19. Jahrhundert wider. Richard Kirchner habe mit Tisch und Stühlen zur Ausstattung beigetragen.
Zum Inhalt verrät die Regisseurin: „Die Geschichte spielt in irgendeiner Kleinstadt in Deutschland“ Es gehe um zahlreiche komödiantische Verwicklungen. Drei Dinge sprächen besonders für einen launigen Theaterabend: „Es ist sehr unterhaltsam. Es hält den Leuten einen Spiegel vor. Und es regt zu Diskussionen und zum Nachdenken an.“
Auf der Bühne zu sehen sind: Luisa Hammerich, Nico Unger, Uland Spahlinger, Christa Becker-Hauf, Ruth Zinnecker-Hammerich, Henning Boes, Petra Schabka, Traude Unseld und die Kinder Maja Frank, Liselotte Fensterer und Yannik Hammer. Regieassistentin ist Ruth Klapötke.
Premiere des Stücks „Die deutschen Kleinstädter“ ist am Samstag, 28. Februar, ab 20 Uhr. Die weiteren Aufführungen sind am Sonntag, 1. März, ab 17 Uhr, am Samstag, 7. März ab 20 Uhr und am Sonntag, 15. März ab 17 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf im Theater im Spitalhof (Montag 10 bis 13 Uhr, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag 10 bis 12 Uhr, Donnerstag 15 bis 17 Uhr), unter Telefon 09851/58252727, per E-Mail an vorverkauf@dinkelsbuehl.de oder auf der Internetseite landestheater-dinkelsbuehl.de/tickets.