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Veröffentlicht am 06.05.2026 00:06

Trends: So wird der kleine Balkon zum zweiten Wohnzimmer

Vor dem Einrichten sollte der eigene Wunsch an den Mini-Balkon definiert werden: Will ich eine grüne Oase, sollten die Pflanzen in Etagen platziert werden.  (Foto: Tilia/Westend61/dpa-tmn)
Vor dem Einrichten sollte der eigene Wunsch an den Mini-Balkon definiert werden: Will ich eine grüne Oase, sollten die Pflanzen in Etagen platziert werden. (Foto: Tilia/Westend61/dpa-tmn)
Vor dem Einrichten sollte der eigene Wunsch an den Mini-Balkon definiert werden: Will ich eine grüne Oase, sollten die Pflanzen in Etagen platziert werden. (Foto: Tilia/Westend61/dpa-tmn)

Der Balkon als zweites Wohnzimmer – für die Einrichtungsberaterin Angelika Hinz ist das längst kein ganz neuer Trend. Auf dem Balkon wird gelesen, gegessen, gelegen, gegärtnert, gefeiert. Und die Garten- und Balkonmöbelhersteller greifen das auf: Möbel für draußen wirken immer wohnlicher, sagt Hinz. „Gerade, wenn man an so eine Essecke denkt, dann könnte die mittlerweile auch fast im Innenraum stehen.“ 

Die Formen werden weicher, die Sitzflächen auch – und überhaupt gibt es Teppiche, Polster und Co. für draußen, die man sich gut auch Drinnen vorstellen könnte.

Doch nicht jeder Balkon ist eben ein großes Wohnzimmer, ganz im Gegenteil. Oft umfasst er nur ein paar Quadratmeter. Raum für Outdoor-Sofas, Kübelpflanzen, Sonnenschirme oder gar eine Outdoor-Küche ist dann nur begrenzt. Auch damit kann man allerdings arbeiten. „Viele beschränken sich in dieser Hinsicht ein bisschen“, sagt Anna-Lena Reith, Redakteurin beim Fachmagazin AD Architectural Digest Deutschland. „Wenig Platz zur Verfügung zu haben, heißt aber nicht, dass man den Balkon nicht gemütlich gestalten kann. Man muss nur die richtigen Kniffe kennen.“

Für sie das „erste Gebot der Stunde“: bei kleinen Balkonen in die Höhe statt in die Breite denken.

Wie das funktioniert? Etwa, indem man auf Sonnenschirme setzt, deren Halterung sich an der Balkonbrüstung befestigen lässt. Für Pflanzen bieten sich Blumenkästen an statt großer Übertöpfe. Und für einen Naschgarten lassen sich mehrstöckige Pflanzenständer nutzen, in denen etwa mediterrane Kräuter gedeihen, oder Pflanzleitern.

Joie de Vivre: Pariser Bistrostyle für den Balkon

Profitieren lässt sich außerdem von einem aktuellen luftig-leichten Trend: dem Bistro-Look für Garten- und Balkonmöbel. „Diese geflochtenen Kaffeehausstühle, die man aus den Bistros in Paris, aber auch an der Côte d'Azur kennt, sind ja recht klein, schmal und feingliedrig“, sagt Fachredakteurin Anna-Lena Reith. „Und sich eine Lieblingsecke mit so einem Stuhl, mit Kissen, mit einem Tisch anzuschaffen, spielt dem kleinen Balkon in die Hände.“

Ebenfalls praktisch für Balkone mit wenigen Quadratmetern: klappbare Stühle und Tische. Das mag an Camping erinnern, ist aber etwa mit breit-gestreiften Bezügen durchaus ein aktueller Trend. Ebenso wie Multifunktionalität. „Zum Beispiel eine schmale Bank mit integrierter Ablage oder ein Beistelltisch, der schon einen Getränkehalter in sich trägt“, sagt Reith. 

Eines ihrer Lieblingsmöbelstücke für den Balkon: der Servierwagen, „weil man da einfach alles unterbringt, was kleinteilig ist“.

Weniger ist mehr

Überhaupt Ordnung und Struktur: ohne die sieht es selten gemütlich aus – auf kleinen Balkonen schon mal gar nicht. Der Getränkekasten fällt hier schnell negativ ins Auge – und die halb vertrocknete Pflanze lässt sich kaum verbergen. Auch zu viele Gartenmöbel können den Balkon schnell ungemütlich machen, findet Angelika Hinz.

Bevor man sich an die Balkoneinrichtung macht, sollte man ihr zufolge deshalb erst mal den Raum analysieren – und die eigenen Wünsche an das zweite Wohnzimmer: Brauche ich Sonnenschutz, brauche ich Windschutz, wie ist der Schnitt, wie die Größe meines Balkons? Möchte ich dort essen, oder entspannen, einen kleinen Mini-Garten haben? „So ein Balkon funktioniert natürlich nur dann gut, wenn er auch zum eigenen Alltag passt“, sagt Hinz. „Und der größte Fehler ist, alles gleichzeitig zu wollen. Besonders kleine Balkone brauchen eine klare Hauptfunktion.“

Soll der kleine Balkon eine Augenweide werden, kann es außerdem sinnvoll sein, sich nicht nur auf eine Funktion, sondern auch auf ein wertiges Stück zu konzentrieren. Auf ein „Center Piece“, wie es Anna-Lena Reith nennt, das alle Blicke auf sich zieht.

„Es gibt Outdoor-Möbel, die spannende Formen haben oder in Materialien gestaltet sind, die nicht unbedingt der Norm entsprechen“, sagt sie. „Teilweise wirken sie fast wie Collectibles.“ Also wie kleine Sammlerstücke. „Und auch das funktioniert auf dem Minibalkon.“ 

Für Reith sind solche Stücke etwa die Ripple-Leuchten von Gervasoni. „Die wirken, als wären sie aus Papier, weil sie so geknautscht sind. Aber eigentlich sind sie statisch und robust.“ Oder Beistelltische und Hocker von Louise Roe aus Kopenhagen: „Die kommen ein bisschen klobig daher, brutalistisch, sind aber trotzdem vielseitig nutzbar.“

Den Balkon ins richtige Licht setzen 

Außerdem wichtig – nicht nur für kleine Balkone: die passende Beleuchtung. Laut Angelika Hinz kann man etwa auf Outdoor-Stehtisch- oder Bodenleuchten mit USB-Anschluss setzen. „Oder man arbeitet mit Lichterketten. Das ist auch zur dunklen Jahreszeit schön, wenn man vom Wohnraum aus auf den Balkon schaut.“

AD-Redakteurin Reith rät in jedem Fall, die Beleuchtung des Balkons von Anfang an mitzudenken. Ihr Tipp: kabellose Leuchten, die man je nach Anlass platzieren kann. „Damit kann man schön Akzente setzen und Stimmung kreieren“

So oder so: Damit auch der kleinste Balkon zum zweiten Wohnzimmer wird, muss man ihn im Endeffekt einfach so nutzen. Für die morgendliche Tasse Kaffee etwa. „Ich kann es mir aber auch beispielsweise gut zum Meditieren vorstellen“, sagt Hinz. „Um einfach draußen und in der Natur zu sein und frische Luft zu atmen.“

© dpa-infocom, dpa:260505-930-39392/1


Von dpa
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