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Veröffentlicht am 07.09.2025 10:00

Trotz Mangels an FSJ in diesem Jahr: Freilandmuseum Bad Windsheim gut besetzt

Ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Gartenbau absolvieren bei den Gärtnern im Fränkischen Freilandmuseum (von links) Michelle Wolf, Ida Heisner, Kilian Kunert und Marie Kühnl. (Foto: Christine Berger/Fränkisches Freilandmuseum)
Ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Gartenbau absolvieren bei den Gärtnern im Fränkischen Freilandmuseum (von links) Michelle Wolf, Ida Heisner, Kilian Kunert und Marie Kühnl. (Foto: Christine Berger/Fränkisches Freilandmuseum)
Ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Gartenbau absolvieren bei den Gärtnern im Fränkischen Freilandmuseum (von links) Michelle Wolf, Ida Heisner, Kilian Kunert und Marie Kühnl. (Foto: Christine Berger/Fränkisches Freilandmuseum)

Als der Bayerische Landtag 2017 die Rückkehr zum G 9, dem neunjährigen Gymnasium, beschloss, bedeutete das nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, erst ein Jahr später das Abi in der Tasche zu haben: Der Ausfall der Reifeprüfungen 2025 hatte auch Auswirkungen auf Freiwilligendienste im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.

Viele junge Erwachsene nutzen nach dem Abitur die Gelegenheit, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) oder den Bundesfreiwilligendienst (BFD) zu absolvieren. Diese Gruppe fiel nun weg. Welche Auswirkungen hat dies für die gängigen Einsatzstellen? Eine Nachfrage zeigt, dass dies nicht für alle mit Nachteilen verbunden ist.

Im Gartenbau und in der Landwirtschaft aktiv

In einer luxuriösen Lage befindet sich beispielsweise das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim. Ale vier FÖJ-Stellen konnt man dort ab dem 1. September besetzen, ebenso wie die vier zur Verfügung stehenden Stellen im Bundesfreiwilligendienst. Die jungen Leute sind im Gartenbau beziehungsweise in der Landwirtschaft aktiv. Schwierigkeiten, Interessierte zu finden, hatte man nicht, erklärt Renate Bärnthol, Teamleiterin im Bereich Ökologie. Das Freilandmuseum und der Tiergarten in Nürnberg stünden bei jungen Leuten immer hoch im Kurs. Als großes Plus wertet sie, dass man im Freilandmuseum über acht Stellen verfügt, die man besetzen kann.

Die jungen Leute kommen in der Regel direkt nach der Schule. Neben denjenigen, die die Hochschul- oder Fachhochschulreife (hier wird bei den Bewerbungsunterlagen nicht gesondert unterschieden) in der Tasche haben, sind auch Jugendliche dabei, die die Realschule abgeschlossen haben. So manche oder mancher bewirbt sich, da schon Freunde und Geschwister im Freilandmuseum aktiv und von der Arbeit begeistert waren. Man muss nicht unbedingt volljährig sein. „Bei acht Leuten kann man sich das erlauben”, stellt Renate Bärntol fest.

Allerdings sollte die Mehrheit schon über einen Führerschein verfügen, da gerade auf dem weitläufigen Areal im Bereich Landwirtschaft und Gärtnerei Fahrzeuge gesteuert werden müssen. Dass es keinen Mangel an Bewerbern gibt, ist sicherlich neben der interessanten und abwechslungsreichen Tätigkeit der Tatsache geschuldet, dass für Bufdis und FÖJ'ler, die nicht aus der hiesigen Gegend kommen, ein Quartier zur Verfügung gestellt wird. „Die Kosten dafür werden übernommen”, sagt Bärntol. So ersparen sich auswärtige junge Leute die teils aufwendige Suche nach einer bezahlbaren Bleibe.

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FSJ'ler kann man hingegen beim BRK noch dringend gebrauchen. Von den fünf Stellen, die man anbieten kann, wurde nur eine im Bereich Soziale Dienste besetzt, erklärt Ralph Engelbrecht, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes. Für den Rettungsdienst fand sich bisher noch niemand, bedauert er. Interessenten brauchen einen Führerschein, sollten mit Schichtdienst zurecht kommen und Empathie für Mitmenschen haben. Willkommen sind beim BRK auch diejenigen, die Bundesfreiwilligendienst machen möchten, die gerne als „Bufdis” bezeichneten Engagierten. Im Gegensatz zu Freiwilligendiensten wie dem FSJ gibt es hier keine Altersgrenze nach oben.

Mau sieht es im Landratsamt aus

Auf den Bufdis liegt auch beim THW der Fokus. Diese sind jedoch überwiegend im hauptamtlichen Bereich auf mittelfränkischer Ebene aktiv, sagt Ortsbeauftragter Thomas Scherzer. Dafür Interessierte zu gewinnen, sei kein Problem. Denn: Immer wieder müssten junge Leute ein Jahr überbrücken, sich neu orientieren oder noch auf einen Studienplatz warten. Zudem gebe es engagierte Ruheständler, die BFD machen möchten. „FSJ'ler haben wir beim THW weder im haupt- noch im ehrenamtlichen Bereich.”

Mau sieht es bei den zu besetzenden Stellen im Landratsamt aus. Für die Untere Naturschutzbehörde wurde kein passender Bewerber gefunden, teilt Christina Ebersberger von der Pressestelle mit. Mehr Glück hatte die Abfallwirtschaft. Dort fand sich ein FÖJ'ler. Beim Kreisjugendring sind die beiden Stellen (FÖJ und FSJ) nicht besetzt. Als Grund nennt Geschäftsführerin Johanna Schwarzer die dafür fehlenden finanziellen Mittel. Einen Interessenten hätte man immerhin gehabt.

„Wir versuchen, Leute für den Bundesfreiwilligendienst zu gewinnen”, betont der Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes, Robert Schneider. Einigen jedoch sei die Arbeit zu schwer - sie werfen nach einigen Wochen das Handtuch. Dabei gebe einem die Tätigkeit viel, unterstreicht Schneider. Einige junge Leute bewerben sich um Praktika, bevor sie etwa eine Ausbildung machen wollen, um in den Sozialbereich hineinzuschnuppern.

Dass dies so manchen animiert, danach eine Ausbildung im Pflegebereich zu machen, sagt Jana Pabst, Referentin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit beim Diakonischen Werk.. „Wir hatten in unserem Seniorenheim Neumühle in Bad Windsheim einen FSJ'ler aus Algerien. Dieser hat im Anschluss eine Ausbildung zum Pflegefachhelfer begonnen.” Im Oktober beginnt ein Neuer aus Indien das Freiwillige Jahr. In anderen Einrichtungen und Diensten der Diakonie gab es keine Freiwilligendienstler.

Auch der Caritasverband freut sich über eine FSJ-lerin

Seit Mitte 2023 gibt es FSJ'ler an den Kliniken des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, erläutert Carola Schröder aus der Leitung Personalentwicklung, auf Anfrage. Dazu bestehe eine Kooperation mit dem Internationalen Bund Nürnberg. „Da wir aber auch gleichzeitig im Bereich der Pflege, MFA, MTR oder Zentrallager Ausbildungsbetrieb sind, waren unsere zur Verfügung stehenden Plätze schon sehr begrenzt. Außer für die Pflege hat sich kein Bewerber für einen anderen Bereich interessiert.”

Aktuell seien die FSJ-Zeiten der Teilnehmenden ausgelaufen. Man habe bisher noch keine weiteren Anfragen über den IB Nürnberg zugesandt bekommen, so Schröder. Ob es sich in den Vorjahren um Realschüler oder Abiturienten handelte, wisse sie nicht, da die jungen Menschen nicht über die Kliniken angestellt seien und insofern auch keine Sozialdaten über ihren schulischen Abschluss bei ihnen vorliegen.

„Andere Mitarbeitende müssen keine Aufgaben der fehlenden FSJler substituieren, da sich unser Tätigkeitsfeld nicht von dem unterscheidet, das auch Schulpraktikanten bei uns in der Pflege absolvieren dürfen.” Hier habe man immer zahlreiche Anfragen, die von Pflegedienstleitungen ermöglicht werden.

Beim Caritasverband Scheinfeld und Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim freut man sich, eine FSJ'lerin gefunden zu haben. „Wir hatten bisher nur wenige”, stellt der geschäftsführende Vorstand Andreas Schilling fest. Selina Festauer wird ein Jahr lang im Freiwilligenzentrum tätig sein, aber auch in anderen Bereichen hospitieren, um so alle Facetten kennenzulernen. Die 18-Jährige machte in diesem Jahr ihr Fachabi und spielt mit dem Gedanken, nach dem FSH eine kaufmännische Ausbildung zu beginnen.

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