Über 1000 Beschäftigte haben gegen den geplanten Jobabbau beim Ansbacher Bosch-Werk demonstriert. Betriebsrat und IG Metall kündigten bei einer Kundgebung vor dem Werkstor im Ansbacher Stadtteil Brodswinden maximalen Widerstand gegen die Pläne an.
Wie berichtet, will der Bereichsvorstand Mobility Electronics in Reutlingen, der für das weltweite Bosch-Geschäft mit elektronischen Fahrzeug-Steuerungen verantwortlich ist, insgesamt rund 500 Arbeitsplätze abbauen – der Großteil davon soll an den deutschen Standorten Ansbach, Reutlingen, Salzgitter und Schwieberdingen entfallen.
Nach einigem Hin und Her kündigte das Management schließlich an, in Ansbach 46 Stellen einsparen zu wollen. Gewerkschaft und Betriebsrat haben immer darauf hingewiesen, dass Bosch damit gegen einen bestehenden Beschäftigungs-Sicherungsvertrag verstoßen würde.
„Ihr habt allen Grund, dass Ihr heute hier steht“, rief der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Mittelfranken, Klaus-Dieter Winnerlein, den Demonstrierenden zu. Die Abbaupläne seien ein Stilbruch, und der Arbeitgeber verabschiede sich von seiner sozialen Verantwortung. Die „Bosch-Familie“ in der über viele Jahrzehnte Entscheidungen einvernehmlich verhandelt und getroffen wurden, sei damit aufgekündigt.
„Mir geht das Herz auf“, sagte der Betriebsrats-Vorsitzende Hartmut Fleiner angesichts der großen Menge an Demonstranten. Viele Abordnungen anderer Industrie-Standorte nahmen teil. So waren Transparente von Siemens in Fürth, Jost in Wolframs-Eschenbach, Playmobil in Zirndorf oder Diehl Metering in Ansbach zu sehen. „Ich sehe, Ihr habt verstanden, um was es geht“, sagte Fleiner. Sein Stellvertreter Hans-Jürgen Fröhlich verkündete, dass an diesem Tag rund 25.000 Mitarbeiter gegen den massiven Jobabbau bei Bosch demonstrierten.
„Wo bleiben wir mit unseren Familien in diesem perfiden Spiel?“, fragte Betriebsrat Klaus Kaiser, der 37 Jahre bei Bosch beschäftigt ist. Er glaube nicht daran, dass es bei den 46 abzubauenden Stellen bleibt. Er wies darauf hin, dass die Flexibilität und der Einsatz der Beschäftigten in Ansbach dem Bosch-Konzern die Marktmacht geschaffen hätten. „Und jetzt sollen wir plötzlich eine Belastung für die Standorte in den Billiglohn-Ländern sein“, so Klaus-Dieter Winnerlein.
Einen besonders kämpferischen Redebeitrag lieferte Barbara März von der katholischen Betriebsseelsorge: „Wie kann man einem Management vertrauen, das sich nicht an bestehende Verträge hält?“, fragte sie.
Und der IG-Metall-Vertreter Jan Körper bat die Demonstranten, einen Moment ganz ruhig zu sein. „Könnt ihr dieses leise Summen hören?“, fragte er, „das ist Robert Bosch, der mit mehreren Tausend Umdrehungen in seinem Grab rotiert.“ Der Konzern verabschiede sich vom Erfolgsmodell des Firmengründers, der seine Beschäftigten immer als wichtigstes Kapital gesehen habe. Dieses Modell habe die Firma unbeschadet durch Weltkriege und Krisen gebracht. Bosch-Betriebsrat Peter Baumann kündigte weitere Aktionen an: „Das ist erst der Vorgeschmack auf das, was kommt, wenn die uns weiter nicht ernst nehmen.“