Umzug ist abgeblasen: Die Ansbacher Tourist-Info bleibt im Stadthaus | FLZ.de | Stage

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 18.03.2026 15:05

Umzug ist abgeblasen: Die Ansbacher Tourist-Info bleibt im Stadthaus

In einer leidenschaftlich geführten Sondersitzung sind im Stadtrat zwei wichtige Entscheidungen für die Zukunft des Theaters gefallen. Erstens: Der geplante Umzug der Tourist-Info vom Stadthaus ins Theater-Foyer ist abgeblasen. Zweitens: Das Borkholderhaus wird umfassend umgebaut, um die Funktionalität der Spielstätte zu erhöhen.

Selten ist der Zuhörerbereich im Sitzungssaal des Stadthauses so voll gewesen, selten hat Oberbürgermeister Thomas Deffner so oft seine Glocke bemühen müssen, um für Ruhe im Saal zu sorgen, und selten sind in einer einzigen Stadtrats-Sitzung gleich vier Anträge zur Geschäftsordnung gestellt worden.

Doch der Reihe nach. 15 Ratsmitglieder der Grünen, der Ansbacher/Freien Wähler, der ÖDP, der Offenen Linken und der SPD hatten nach Artikel 46 der Bayerischen Gemeindeordnung eine Sondersitzung eingefordert, um über ihren Antrag vom 2. Februar zu diskutieren, der es nicht auf die Tagesordnung des Stadtrates am 3. März geschafft hatte. Darin fordern die Mandatsträger, den im Juli 2025 beschlossenen Umzug der Tourist-Info abzublasen. Außerdem beantragen sie, die Sanierung des Borkholderhauses auf das technisch Notwendige zu reduzieren, um die Bespielbarkeit des seit Februar 2024 gesperrten Hauses schnell wiederherzustellen und Kosten zu sparen.

Dieser zweite Teil des Antrags rief die CSU-Fraktion auf den Plan. Auch sie beantragte, den Umzug der Tourist-Info bleiben zu lassen. Doch sie wollte am umfassenden Umbau des Hauses festhalten, um das Theater zukunftsfest zu machen. Nach dem Motto: Wenn schon sanieren, dann richtig.

Die Stimme der Genossenschaft

Gleich zu Beginn der Debatte stellte Hannes Hüttinger (BAP) den ersten Antrag zur Geschäftsordnung: Die Sitzung solle unterbrochen werden, um Nadine Maurer, der Vorstandsvorsitzenden der Theatergenossenschaft, Gelegenheit zu geben, die Haltung des Theaters wiederzugeben. Die SPD-Stadträtin, die von Debatte und Abstimmung ausgeschlossen war, erklärte: „Für uns ist entscheidend, bald wieder ins Haus zu kommen.” Gleichzeitig müsse man bedenken, das Haus in die Lage zu versetzen, auch anderen Kulturpartnern eine Spielstätte zu bieten. Der Umbau müsse „halbwegs zügig, qualitativ und nicht zu teuer” ausfallen, war Maurers Resümee.

Es folgte gleich der zweite Antrag zur Geschäftsordnung. SPD-Stadträtin Kathrin Pollack wollte sichergestellt wissen, dass über die zwei Fragen – Umzug und Umbau – getrennt debattiert und abgestimmt wird. Das, versicherte OB Deffner, werde auch ohne Abstimmung so geschehen.

Dr. Paul Kupser (Die Ansbacher/Freie Wähler), erklärte, man habe bereits ein Drittel der Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen den Umzug der Tourist-Info beisammen: „Die Bürger sind dafür, die Tourist-Info in der Innenstadt zu belassen.” OB Deffner erinnerte daran, dass man im Juli 2025 den Umzug mit 22 zu 13 Stimmen beschlossen habe. Das habe Gründe gehabt, die Kulturamts-Chefin Nadja Wilhelm noch einmal erläuterte.

„Wir müssen ein Kulturbüro entwickeln”

Die Beratungsfirma Actori habe in ihrem Gutachten den klaren Mehrwert eines Umzugs der Tourist-Info ins Theater-Foyer dargestellt, so Wilhelm. Man brauche die enge Vernetzung von Theater und Tourismus: „Wir müssen ein Kulturbüro für Ansbach entwickeln.” Andere Städte wie Fürth, Feuchtwangen oder Coburg hätten es erfolgreich vorgemacht. Angesichts zunehmender Digitalisierung werde der Sinn der Tourist-Info in der „Erlebnisgestaltung” liegen. Die Gotische Halle im Stadthaus werde dann als Veranstaltungsort und barrierefreier Sitzungssaal dienen können.

Das sei im Sommer 2025 genauso vorgetragen worden, bestätigte CSU-Fraktions-Chef Jochen Sauerhöfer – was andere Stadträte bestritten. Doch um ein teures Bürgerbegehren zu verhindern, „werden wir uns dafür entscheiden, dass die Tourist-Info nicht ins Theater kommt”, so Sauerhöfer. Hans-Jürgen Eff (Die Ansbacher) erklärte, man solle den Bevölkerungswillen respektieren. Außerdem brauche das Theater „keine Einmischungen”.

Meike Erbguth-Feldner (Grüne) wandte ein, im Actori-Gutachten stehe nichts von einem Kulturbüro. Das Theater-Foyer, ein schöner Veranstaltungsort, büße dadurch Fläche ein. Und die Gotische Halle brauche dann eine Aufsicht, weil die Mitarbeitenden der Tourist-Info ja nicht mehr vor Ort seien. Erbguth-Feldner bezweifelte außerdem, dass es Vorteile bei der Digitalisierung bringt, ins Theater umzuziehen.

„Enormer funktionaler Gewinn”

Paul Kupsers dritter Antrag zur Geschäftsordnung, die Debatte zu beenden und abzustimmen, wurde gegen fünf Stimmen beschlossen. Der Stadtrat entschied schließlich mit großer Mehrheit gegen zwei Stimmen, den Umzug der Tourist-Info abzublasen.

In der Diskussion um den Umbau des Theaters stellte Hochbauamts-Chef Dr. Frank Simons zunächst „den enormen funktionalen Gewinn” dar, den ein umfassender Umbau des Theaters bringe. Verbesserte Sichtachsen im Zuschauerraum durch die ansteigenden Sitzreihen, bessere Rettungswege und Lagerräume, die das Theater zurzeit sehr vermisst. Auf die Frage von Martin Berberich (ÖDP) nach dem zusätzlichen Zeitaufwand für einen „großen” Umbau erklärte Simons, der sei „unrelevant”. Man müsse auch bei der rein technischen Sanierung alles herausreißen und wieder einbauen.

Förderkulisse bringt die Entscheidung

Und dann packte Simons ein Argument aus, von dem bisher niemand im Rat etwas geahnt hatte. Die Regierung von Mittelfranken habe erklärt, dass man bei einer Modernisierung 75 Prozent der anrechenbaren Kosten gefördert bekomme: „Diese Chance sollten wir nicht vorbeigehen lassen.”

Nachdem Hannes Hüttinger vorgerechnet hatte, dass angesichts der Förderkulisse mit reduzierten Umbau-Maßnahmen kaum etwas einzusparen sei, stellte Paul Kupser den vierten Antrag zur Geschäftsordnung. Er bat, die Sitzung zu unterbrechen, damit sich die Fraktionen beraten könnten.

Danach zogen sowohl Paul Kupser, als auch Jochen Sauerhöfer die Anträge ihrer Gruppierungen zurück. Am Ende der Sitzung fiel SPD-Stadträtin Pollack der Titel eines Shakespeare-Stückes dazu ein: „Viel Lärm um nichts.”

Ins Foyer des Ansbacher Theaters sollte zusätzlich die Tourist-Info einziehen. Dieser Plan ist seit der Sondersitzung des Stadtrates Geschichte. (Foto: Evi Lemberger)
Ins Foyer des Ansbacher Theaters sollte zusätzlich die Tourist-Info einziehen. Dieser Plan ist seit der Sondersitzung des Stadtrates Geschichte. (Foto: Evi Lemberger)
Ins Foyer des Ansbacher Theaters sollte zusätzlich die Tourist-Info einziehen. Dieser Plan ist seit der Sondersitzung des Stadtrates Geschichte. (Foto: Evi Lemberger)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
north