Uraufführung am Landestheater Dinkelsbühl: Mit Udo auf Nostalgie-Kreuzfahrt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 14.07.2025 17:15

Uraufführung am Landestheater Dinkelsbühl: Mit Udo auf Nostalgie-Kreuzfahrt

Die wahre Liebe ist das noch nicht. Aber Udo wird sie finden – eine Szene mit Jochen Schaible als Udo und Claudia Roth als Agnes. (Foto: Landestheater/Hans von Draminski)
Die wahre Liebe ist das noch nicht. Aber Udo wird sie finden – eine Szene mit Jochen Schaible als Udo und Claudia Roth als Agnes. (Foto: Landestheater/Hans von Draminski)
Die wahre Liebe ist das noch nicht. Aber Udo wird sie finden – eine Szene mit Jochen Schaible als Udo und Claudia Roth als Agnes. (Foto: Landestheater/Hans von Draminski)

Die Dinkelsbühler Freilichtsaison ist komplett. Am Sonntag gab es auf der Freilichtbühne die Uraufführung von „Udo! – Im Bademantel um die Welt”. Die Stimmung war vom ersten Takt an im grünen Bereich. Am Ende forderte das Publikum zwei Zugaben. Es bekam sie.

Die Uraufführungsproduktion ist ein doppeltes Abschiedsgeschenk, ein kleines und ein großes. Den Text geschrieben hat Felix J. Mohr, der seit zwei Jahren Dramaturg des Landestheaters ist und nun ans Theater Altenburg Gera wechselt. Das Stück inszeniert hat Peter Cahn, der am Ende der Spielzeit als Intendant in den Ruhestand geht.

Felix J. Mohrs Spielvorlage ist halb Schlager-Revue, halb Jukebox-Kammermusical. Mohr hat mundgerechte Dialoge und zweckdienliche Situationen geschrieben. Er schickt Udo aus Wassertrüdingen auf ein Kreuzfahrtschiff. Weswegen ein weißer Flügel mit Meerblick an der Reling steht und ein Schornstein lustig Rauchwölkchen in den Abendhimmel bläst. Das Bühnenbild hat Peter Cahn entworfen.

Auf der MS Albatros als Sänger

Der fränkische Udo ist zwischen 1998 und 2014, Udo Jürgens' Todesjahr, auf der MS Albatros als Udo-Jürgens-Cover-Sänger unterwegs. Vor allem will er berühmt werden. Das klappt, fordert aber seinen Preis. Udo schlittert in eine tiefe Krise. Seine Frau verlässt ihn. Der Handlungsgrundriss – Aufstieg, Fall, Läuterung und gutes Ende – folgt einem bewährtem Muster. Es reicht vollkommen, um daran die Lieder aufzufädeln.

Mohr blättert in Udo Jürgens' Werkkatalog und bringt die größten und ein paar nicht so große Hits in eine dramaturgisch effektive Reihenfolge. Songs von Udo Lindenberg, Rio Reiser, Wolfgang Petry, Michael Holm oder Marianne Rosenberg gibt es obendrein.

Peter Cahn inszeniert die Revue mit gewohnter Souveränität samt ein paar ironischen Brechungen. Die Figuren entwickeln Profil, besitzen Sympathiepotenzial und haben anrührende Momente.

Claudia Roth spielt zwei recht gegensätzliche Frauen, die superblond-karrierebewusste Showmanagerin Agnes im ABBA-Outfit (Kostüme: Elvira Freind) und die herzlich zugewandte Barkeeperin Anita. Roth zeichnet ihre beiden Figuren typgenau und übernimmt platzsparend auch die Backgroundchöre. Andreas Harwath, der musikalische Leiter, hat die Songs prima vorbereitet.

Eine charmante Reverenz an Udo Jürgens

Jochen Schaible singt und spielt seinen Udo als einen Entertainer mit eigenem Format. Das hat Klasse, weil es keine platte Udo-Jürgens-Imitation ist, sondern eine charmante Reverenz. Schaible zeigt die zwei Seiten: die strahlende und die melancholisch verschattete.

Kurzum: „Udo!” reiht sich nahtlos ein in die lange Reihe des Dinkelsbühler Evergreen-Stücke. Peter Cahn hat das Genre beharrlich gepflegt und dabei die alte Bundesrepublik aus der Perspektive von Stars und Charts vermessen. Zusammen kam das Songmaterial für kollektive Erinnerungen und Wohlfühlmomente. Das waren Folklore-Abende neuer Art, Mitklatschgarantie inklusive. „Udo!” ist das Sahnehäubchen obendrauf.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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