Es waren hochtrabende Pläne, mit denen Günter Schuler das Jahr 2022 eingeläutet hatte. Damals hatte er die über 120 Jahre alte Dietenhöfer Bäckerei Held mitsamt ihrer Verkaufsstellen übernommen, auf Bio umgestellt und aus dem Traditionsbetrieb „Schulers Backhaus“ gemacht. Drei Jahre später ist davon nichts mehr übrig. Nun wurde das Inventar versteigert.
In der Ansbacher Straße 20 in Dietenhofen herrscht gerade reges Treiben. Dort, wo bislang die Firmenzentrale der Bio-Bäckerei ihren Sitz hatte, gehen viele Menschen ein und aus. Im Sprachgewirr ist französisch und polnisch neben dem fränkischen Idiom auszumachen. Sie alle haben eines gemeinsam: Es geht ihnen an diesem Tag vornehmlich darum, ersteigerte Waren abzuholen. Es ist der Ausverkauf eines ambitionierten Projekts.
Beinahe das komplette Inventar der Schulers Biobackhaus GmbH ist nun unter den Hammer gekommen. Im Juni diesen Jahres hatte Schuler, dessen Kerngeschäft der Betrieb mehrerer Supermärkte ist, seine Bioback-Filialen in Dietenhofen, Ansbach, Trautskirchen, Feuchtwangen, Fürth, Zirndorf und Nürnberg bis auf das Café Krokant im Herzen Ansbachs geschlossen.
Das kam zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung schon einem recht überraschenden Schritt gleich – schließlich hatte die Bio-Bäckerei-Kette erst im Sommer 2023 eine wirtschaftliche Krise nach einem Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung überstanden.
Also besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende? Diese Schlussfolgerung drängt sich auf, bleibt aber eine Spekulation, weil Firmeninhaber Gunter Schuler auf den Versuch einer telefonischen Kontaktaufnahme unserer Zeitung nicht reagierte. Auch über die Zukunft des Krokant wird in diesem Zusammenhang gerätselt. Doch auch Stadträte dringen derzeit nicht zu dem Unternehmer durch.
Bei der Versteigerung des Inventars nach der Betriebsauflösung des Bio-Bäckers durch die in Nürnberg ansässige Internet-Plattform „Restlos” wurden exakt 522 Posten angeboten. Vom Großbackofen, verschiedenen Teigknetmaschinen, einem Kuvertüre-Temperiergerät sowie mannigfaltigem Zubehör war quasi alles dabei, was so in einer Backstube zur Herstellung von Süßteilchen, Brot und Brötchen verwendet wird. Doch daneben fanden auch recht kuriose Gegenstände ihren Weg in die Auktion.
Zwei hölzerne Markgrafen-Figuren gingen zum Schleuderpreis von elf Euro weg. Ein hölzernes Deko-Schaukelpferd mit historischem Charme erlöste nach 29 Geboten den Preis von 150 Euro. Und ein in den markanten Farben Lila und Gold gehaltener Thronstuhl schaffte es bei 69 Geboten trotz etlicher Makel auf stolze 410 Euro. Warum auch diese bäckerei-fernen Produkte versteigert wurden? „Es ist zuvor vertraglich festgelegt worden, was alles in die Auktion kommt“, erklärt Restlos-Projektleiter Maximilian Eschenbacher. Ungewöhnlich sei das nicht.
Derweil stapelt eine Gruppe Arbeiter geschäftig eine ganze Palette Backbleche in den Transporter einer Bäckerei mit Nürnberger Kennzeichen, nebenan werden Dutzende Brotkörbe gestapelt und dann geschlossen en bloc verladen. Nach dem Abschluss der Internet-Auktion müssen die ersteigerten Waren nun innerhalb von drei Tagen abgeholt werden. Es wirkt ein wenig so, als hätten ausgehungerte Heuschrecken gerade ein Feld mit frischem Weizen entdeckt.
„Es gibt Projekte, da denkt man schon nach, warum es soweit gekommen ist. Bei anderen Firmen ist es dagegen relativ schnell klar, warum es dazu gekommen ist“, sagt Maximilian Eschenbacher und wirkt nachdenklich. Zumindest für einen kurzen Moment. Gefühlsduselei ist bei „15 bis 20 Auktionen pro Monat“ nicht sein Thema. Für so manchen Unternehmer aber, dessen Traum geplatzt war, ist das nach den Erfahrungen des Projektleiters des Auktionshauses doch deutlich schwerer. „Es gab schon Chefs, die konnten bei der Abholung nicht zuschauen.“
Inhaber Günter Schuler zählt offensichtlich nicht zu dieser Kategorie. Die Auktion nebst entsprechendem monetären Ertrag verlief aus seiner Sicht zufriedenstellend, darf der Projektleiter ausrichten und fügt an: „Und wir waren auch zufrieden.“ Exakt 304.593 Euro waren am Ende zusammengekommen.
Lediglich ein Lieferwagen ohne Kilometerstand, eine Kleinwaage, ein alter Einbauschrank sowie eine „vermutlich defekte“ Frosteranlage fanden keinen Abnehmer. Bei einigen wenigen Geräten, die ganz offiziell und transparent unter Vorbehalt versteigert worden waren, entspricht das Höchstgebot nicht den Vorstellungen Schulers. Entsprechend bleibt es damit in seinem Eigentum.
Den höchsten Preis erzielte eine beinahe raumgroße Teigknetmaschine: Das Gebot mit 20.400 Euro erhielt dafür den Zuschlag, zusätzlich hatte der Käufer die anfallende Mehrwertsteuer zu entrichten – sowie einen 18-prozentigen Auktions-Aufschlag, der auf das Konto des Industrieverwerters aus Nürnberg fließt. Der Ausverkauf der ehrgeizigen Pläne der Bio-Bäckerei ist am Ende auch ein ganz einträgliches Geschäft.