Verwirrung um Filial-Schließung: Dietersheimer Poststelle bleibt doch erhalten | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 21.02.2026 09:00

Verwirrung um Filial-Schließung: Dietersheimer Poststelle bleibt doch erhalten

Die Postfiliale ist in einem Gebäude an der Ernst-Kaufmann-Straße 2 in Dietersheim untergebracht. (Foto: Nina Daebel)
Die Postfiliale ist in einem Gebäude an der Ernst-Kaufmann-Straße 2 in Dietersheim untergebracht. (Foto: Nina Daebel)
Die Postfiliale ist in einem Gebäude an der Ernst-Kaufmann-Straße 2 in Dietersheim untergebracht. (Foto: Nina Daebel)

Immer wieder werden Postfilialen geschlossen. Dieses Schicksal schien nun auch die Niederlassung an der Ernst-Kaufmann-Straße 2 in Dietersheim zu ereilen. Doch jetzt ist plötzlich alles ganz anders. Und Bürgermeister Jürgen Meyer „hocherfreut”.

Wie Meyer in der Januar-Sitzung des Gemeinderats informierte, hatte die Post AG bei der Bundesnetzagentur einen Antrag zur Schließung der Postfiliale an der Ernst-Kaufmann-Straße 2 in Dietersheim gestellt und ausführlich begründet. Der Gemeinderat hatte den Antrag daraufhin „mit Bedauern zur Kenntnis“ genommen und dies mit Schreiben vom 29. Januar dieses Jahres der Bundesnetzagentur mitgeteilt.

Viel mehr schien dem Gemeinderat und der Verwaltung auch nicht übrig zu bleiben. Die Dietersheimer Verwaltung war zwar zu einer Stellungnahme in Bezug auf eine mögliche Schließung aufgefordert worden. Aber letztlich würde ihre Meinung wohl kaum ins Gewicht fallen und Konzernentscheidungen beeinflussen, hieß es während der Sitzung. Man müsse sich wohl mit der Schließung abfinden.

Das Gegenteil ist jetzt der Fall

Doch weit gefehlt. Denn jetzt ist plötzlich alles anders und genau das Gegenteil ist der Fall, wie eine Nachfrage unserer Redaktion bei der Pressestelle der Post AG ergeben hat. „Zu einer Schließung der Filiale an der Ernst-Kaufmann-Straße 2 in Dietersheim ist uns nichts bekannt”, heißt es seitens einer Sprecherin der Post. Man ziehe sich nicht zurück und habe unlängst erst eine neue Mitarbeiterin eingestellt.

Für den Dietersheimer Geschäftsleiter Simon Friedrich kommt diese Nachricht überraschend. Schließlich hatte und hat er die Ausführungen der Bundesnetzagentur zum Antrag der Post auf Schließung der Filiale schriftlich vorliegen. Im Dezember sei das Schreiben eingegangen. Es informierte detailliert darüber, dass die Post „einen Antrag auf Zulassung einer automatisierten Station anstelle einer Universaldienstfiliale für den Standort Raiffeisenstraße 2 in Dietersheim“ eingereicht habe. Unter einer Universaldienstfiliale versteht man eine Postfiliale, die grundlegende postalische Dienstleistungen anbietet.

Das könnte Sie auch interessieren

Friedrich erklärt zudem, dass die Bundesnetzagentur dafür zuständig sei, „eine flächendeckend angemessene und ausreichende Postversorgung in ganz Deutschland” zu gewährleisten und zu garantieren. Sie könne automatisierte Stationen anstelle von Universaldienstfilialen zulassen, „wenn diese barrierefrei sind und eine Nutzung ohne eigene technische Geräte ermöglichen”.

Automatisierte Station in der Raiffeisenstraße

In Dietersheim existiert eine solche automatisierte Poststation bereits an der Raiffeisenstraße 2. Sie war im November 2025 offiziell eingeweiht und in Betrieb genommen worden. Dort kann man Pakete aufgeben und abholen, Briefmarken kaufen oder Briefe aufgeben. Es sei also letztlich nur logisch, so Friedrich, dass eine Filiale geschlossen werde, wenn eine automatisierte Station vorhanden und offiziell anerkannt sei.

Nichts anderes hätte die Begründung zur Schließung der Filiale vermuten lassen. Sie liegt Friedrich ebenfalls schriftlich vor. Demnach sei ein Fortbestand mit „erheblichen Kosten” verbunden und deswegen „wirtschaftlich nicht zumutbar”, heißt es darin. Die automatisierte Poststation an der Raiffeisenstraße sei für Dietersheim ausreichend und würde „die örtliche Nachfrage” abdecken. Zudem verweist die Post darauf, dass es „in der Nähe eine ausreichende Anzahl an weiteren Universaldienstfilialen” geben würde. Konkret genannt werden Ipsheim und Neustadt.

Bürgermeister Meyer hätte die Schließung der Filiale angesichts des wirtschaftlichen Faktors durchaus nachvollziehen können, wie er auf Nachfrage bestätigte. Die Öffnungszeiten seien ohnehin sehr eingeschränkt und die Anzahl an Kunden wohl stets überschaubar. Vor kurzem nun war ihm allerdings aufgefallen, dass sich die Öffnungszeiten ändern und die Filiale nun täglich geöffnet werden soll. Meyer hatte das schon gewundert, weil das so gar nicht zu den Schließungsplänen passen wollte. Jetzt ist er „hocherfreut”, dass die Filiale erhalten bleibt.

Maximale Verwirrung

Für Meyer und Friedrich ist diese plötzliche Wende allerdings maximal verwirrend. „Da weiß bei der Post die linke Hand offensichtlich nicht, was die rechte macht”, sagte Friedrich und verweist auf das zuletzt eingegangene Schreiben der Bundesnetzagentur, datiert vom 12. Februar. Darin wird mitgeteilt, dass die automatisierte Station an der Raiffeisenstraße 2 in Dietersheim zugelassen wird. „Nach Auffassung der Bundesnetzagentur kann eine angemessene und ausreichende Postversorgung vor Ort mit einer automatisierten Station gewährleistet werden.”

Und wie erklärt die Sprecherin der Post diesen Wandel? Sie bittet um Verständnis dafür, „dass wir uns zu vertraglichen Details nicht äußern”. Die Filiale an der Ernst-Kaufmann-Straße werde voraussichtlich ab Montag, 23. Februar, wieder täglich geöffnet sein, heißt es. Das lässt auch ein Info-Zettel an der Eingangstür vermuten. Demnach ist künftig montags bis freitags, von 16 bis 18 Uhr, geöffnet sowie samstags von 9 bis 11 Uhr.

north