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Veröffentlicht am 18.01.2025 18:00

Vierfache Mutter getötet: Tragischer Unfall in Ansbach gibt weiter Rätsel auf

Fast eine Woche, nachdem ein US-Soldat eine 33-Jährige mit seinem Fahrzeug tödlich erfasst hat, sind noch etliche Fragen offen. Der genaue Hergang gibt weiterhin Rätsel auf. Der Fall ist genauso tragisch wie kompliziert. Da ein Soldat der US-Armee beteiligt ist, gelten bei den Ermittlungen besondere Regeln.

Vergangenen Sonntagmorgen um kurz nach halb acht lief die 33-Jährige auf dem Gehweg neben der B14 zwischen den Ansbacher Stadtteilen Obereichenbach und Pfaffengreuth. Zur selben Zeit fuhr ein 19-jähriger US-Militärpolizist von Ansbach aus Richtung Kaserne in Katterbach. Aus unbekannten Gründen kam er nach rechts von der Fahrbahn ab, fuhr über den Grünstreifen auf den direkt dahinter liegenden Geh- und Radweg und erfasste nach etwa 100 Metern die Fußgängerin, die wenig später im Krankenhaus starb.

Die 33-Jährige wohnte in einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Petersaurach. Sie soll Medienberichten zufolge an diesem Sonntagmorgen gerade zu Fuß nach Ansbach in ihre Kirchengemeinde unterwegs gewesen sein. Dort kam sie nie an. Auch nach Hause zu ihrem Mann und ihren vier Kindern wird sie nie mehr zurückkehren.

Ein Nachbar und Freund initiierte schnell eine private Spendenaktion. Binnen weniger Tage kamen dabei 99.000 Euro zusammen. Nach Rücksprache mit der Familie wurde die Aktion am Freitag beendet.

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Was genau in den fatalen Sekunden geschehen ist, bleibt rätselhaft. Die Bundesstraße ist an dieser Stelle vierspurig ausgebaut, der Straßenverlauf ohne Kurven. Bereits am Montag hatte das Polizeipräsidium Mittelfranken erklärt, dass der Fahrer des Militärpolizeiautos nüchtern war und es keine Anzeichen für gesundheitliche Probleme gebe. Laut Angaben des Präsidiums handelte es sich anicht um eine Einsatzfahrt.

Deutsche und US-Behörden aktiv

Die Ermittlungen und Unfallaufnahme übernahm die Polizeiinspektion Ansbach in enger Abstimmung mit der Ansbacher Staatsanwaltschaft – und in Kooperation mit der amerikanischen Militärpolizei.

Da es sich bei dem 19-Jährigen allerdings um einen US-Soldaten handelt, greift in diesem Fall das Nato-Truppenstatut, beziehungsweise dessen Zusatzabkommen. In diesem ist geregelt, dass Deutschland grundsätzlich auf sein Recht verzichtet, solche Fälle vor deutschen Gerichten zu verhandeln. Prozesse mit Beteiligung amerikanischer Soldaten werden daher fast immer an einem Militärgericht in den USA verhandelt.

Ausnahmen sind Taten, auf die in den den USA die Todesstrafe stehen würde. Außerdem können die deutschen Behören in bestimmten Fällen diesen Verzicht innerhalb von 21 Tagen zurücknehmen. Das ist laut Gesetzestext auch bei Straftaten möglich, durch die der Tod eines Menschen verursacht wird.

Noch keine Auskünfte zum aktuellen Fall

Zum Stand der Ermittlungen erklärte Jonas Heinzlmeier, der Pressesprecher der Ansbacher Staatsanwaltschaft: „Derzeit können noch keine Auskünfte zu konkreten Ergebnissen gemacht werden. Die Ermittlungen dauern an, insbesondere die Rekonstruktion des Unfallgeschehens und die Überprüfung des Unfallfahrzeugs auf technische Mängel.“ Wie die Staatsanwaltschaft mit der Bestimmung der Gerichtsbarkeit im vorliegenden Fall umgehen möchte, werde derzeit noch geprüft.

Zur Kooperation zwischen US-Armee und den deutschen Behörden erklärte der Pressesprecher: „Die Zusammenarbeit funktioniert im Allgemeinen wie auch im konkreten Fall, in dem explizit Kooperationsbereitschaft zugesichert wurde, gut.“

Die Pressestelle der US-Garnison in Ansbach erklärte auf Anfrage, dass neben den deutschen Behörden auch der CID das Geschehen untersuche. Die Abkürzung CID steht für „Criminal Investigation Command“, die Strafverfolgungsbehörde der US-Armee. Auf mehrere Detailfragen zum Unfallhergang antwortete die Behörde: „Die U.S. Department of the Army Criminal Investigation Division ermittelt aktuell in Zusammenarbeit mit den zuständigen deutschen Behörden.“ Da es sich um ein laufendes Verfahren handle, „haben wir zurzeit keine weitere Auskünfte mitzuteilen“.

Diskussion über B14 ist Dauerthema

Die Sicherheitsvorkehrungen für Fußgänger und Radfahrer an der B14 im Bereich des Windmühlbergs sind in der Ansbacher Lokalpolitik seit Jahren ein Dauerbrenner. In der Vergangenheit ereigneten sich in der Gegend bereits mehrere schwere Verkehrsunfälle. Allerdings dreht sich die politische Debatte in erster Linie um das Überqueren der Bundesstraße. Der aktuelle Vorfall auf schnurgerader Strecke lässt sich damit nicht vergleichen.

Vor allem im Internet äußerten dennoch viele schnell ihr Unverständnis und forderten eine Geschwindigkeitsbegrenzung oder Leitplanken. Laut Heinrich Schmidt, dem Leiter des Staatlichen Bauamts Ansbach, handelt es sich hier aber keinesfalls um einen Unfallschwerpunkt. Der Abstand zwischen der Bundesstraße und dem Weg sei der übliche. An Stellen, an denen der Radweg näher als üblich an eine Bundesstraße herankomme – etwa an der B13 zwischen Ansbach und Brodswinden – würde man durchaus Schutzplanken errichten.

Dass die Geschehnisse vom Sonntagmorgen auch die Ansbacher Stadtpolitik zeitnah beschäftigen dürften, deutete sich bereits Anfang der Woche an. Die Fraktion der Offenen Linken (OLA) im Stadtrat hatte bereits am Montag gefordert, dass im Haupt- und Finanzausschuss kommende Woche der Stand der Ermittlungen erläutert werden müsse. Die OLA möchte unter anderem wissen, welches Fahrtraining Fahranfänger bei der US-Militärpolizei bekommen, bevor sie in einem für sie fremden Land mit Polizeiautos am Straßenverkehr teilnehmen dürfen.

An dieser Stelle wurde eine 33-Jährige aus dem Gemeindegebiet von Petersaurach am Sonntagmorgen überfahren. Der 19-Jährige Unfallverursacher war von der Straße abgekommen und über den Grünstreifen gerauscht. Nach weiteren etwa 100 Metern kam es zum Zusammenstoß. (Foto: Evi Lemberger)
An dieser Stelle wurde eine 33-Jährige aus dem Gemeindegebiet von Petersaurach am Sonntagmorgen überfahren. Der 19-Jährige Unfallverursacher war von der Straße abgekommen und über den Grünstreifen gerauscht. Nach weiteren etwa 100 Metern kam es zum Zusammenstoß. (Foto: Evi Lemberger)
An dieser Stelle wurde eine 33-Jährige aus dem Gemeindegebiet von Petersaurach am Sonntagmorgen überfahren. Der 19-Jährige Unfallverursacher war von der Straße abgekommen und über den Grünstreifen gerauscht. Nach weiteren etwa 100 Metern kam es zum Zusammenstoß. (Foto: Evi Lemberger)

Philipp Zimmermann
Philipp Zimmermann
Redakteur für Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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