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Veröffentlicht am 01.02.2026 05:01

Vitamin-D-Ergänzung im Winter: Hype oder sinnvoll?

Über die Haut wird ein Großteil von Vitamin D im Körper gebildet. (Symbolbild) (Foto: Friso Gentsch/dpa)
Über die Haut wird ein Großteil von Vitamin D im Körper gebildet. (Symbolbild) (Foto: Friso Gentsch/dpa)
Über die Haut wird ein Großteil von Vitamin D im Körper gebildet. (Symbolbild) (Foto: Friso Gentsch/dpa)

In den Wintermonaten scheint die Sonne deutlich schwächer - das verringert die körpereigene Produktion von Vitamin D in der Haut. Nachhelfen kann man mit Nahrungsergänzungsmitteln, die Vitamin D enthalten. Ist das nur ein Hype - oder doch sinnvoll? Einige Antworten:

Wofür braucht man überhaupt Vitamin D? 

„Vitamin D regelt den Calcium- und den Phosphat-Stoffwechsel und fördert dadurch die Härtung des Knochens“, erklärt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Es ist aber auch an anderen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt, hat Einfluss auf die Muskelkraft und trägt auch zu einem gut funktionierendem Immunsystem bei.

Wie kommt der Körper an Vitamin D?

Im Gegensatz zu anderen Vitaminen kann der Körper Vitamin D selbst bilden. Diese Produktion erfolge durch Sonnenlichtbestrahlung der Haut, erklärt Restemeyer. Das mache rund 80 bis 90 Prozent aus. Dafür reicht es laut DGE aus, Gesicht, Hände und Arme unbedeckt je nach Hauttyp und Jahreszeit für etwa 5 bis 25 Minuten zwei- bis dreimal die Woche der Sonne auszusetzen.

Auch über einige Nahrungsmittel kann das Vitamin aufgenommen werden. „Die Vitamin-D-Zufuhr über die Ernährung mit den üblichen Lebensmitteln hat nur einen relativ geringen Anteil von 10 bis 20 Prozent“, sagt die Expertin. Jedoch gebe es nur wenige Lebensmittel, die Vitamin D in nennenswerten Mengen enthielten. Dazu gehöre etwa Fisch mit hohem Fettanteil wie Hering oder Makrele.

Für wen ist eine zusätzliche Einnahme sinnvoll?

Für einige Risikogruppen wird empfohlen, Vitamin D einzunehmen – unter anderem für Babys. „Heute gibt man den Säuglingen regelhaft Vitamin-D-Tabletten, um die Knochenerweichung zu verhindern“, erklärt Stephan Scharla von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Bislang gelte das vor allem für das erste Lebensjahr. Von Kinderärzten werde diskutiert, ob man die Empfehlung auf das Kindesalter ausweiten sollte. „Im Grunde müsste man das eigentlich bis zur Pubertät machen“, so Scharla.

Das gelte nicht unbedingt für Kinder, die auf dem Land lebten oder viel draußen seien. Aber für „Stadtkinder“ bis zum 18. Lebensjahr könnte man im Winter empfehlen, Vitamin-D-Tabletten zur Vorbeugung einzunehmen, „damit eben das Skelett der Knochen auch gut wachsen und ausreifen kann“, sagt der Endokrinologe. In den USA werde dies Jugendlichen generell empfohlen. „Vielleicht hängt das auch mit der modernen Lebensweise zusammen, dass die Jugendlichen heute auch nicht mehr so viel draußen sind, sondern mehr den Sport am Bildschirm mit den Fingern betreiben, Gaming und so weiter.“

Was ist mit anderen Gruppen?

Auch für andere Risikogruppen könne eine zusätzliche Aufnahme von Vitamin D sinnvoll sein, so Scharla. Dazu gehören in Deutschland etwa Menschen mit dunklerer Hautpigmentierung, da ihre Haut an die höhere Sonnenbestrahlung in südlichen Breiten angepasst sei. Auch bei Menschen, die ihre Haut im Freien dauerhaft bedecken – etwa wegen Hauterkrankungen oder aus religiösen Gründen – ist die körpereigene Vitamin-D-Bildung vermindert. 

Zudem werde älteren Menschen eine Vitamin-D-Supplementierung insbesondere im Winter empfohlen, da die Haut im Alter nicht mehr so gut Vitamin D bilden könne. Auch bei Menschen, die eine Knochenerkrankung wie Osteoporose haben, sei die Einnahme von Vitamin D ratsam. 

Wie viel Vitamin D braucht man?

Als Schätzwert für eine angemessene tägliche Vitamin-D-Zufuhr nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung für Menschen ab einem Jahr 20 Mikrogramm - entsprechend 800 internationalen Einheiten. Dieser Wert gilt bei fehlender körpereigener Bildung – also unter der Annahme, dass kein Vitamin D in der Haut gebildet wird. 

Es sei jedoch von Mensch zu Mensch jedoch unterschiedlich, wie viel Vitamin D der Körper bildet, heißt es vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die Bildung hängt von vielen Faktoren ab: Breitengrad, Tages- und Jahreszeit, Witterung, Kleidung, Aufenthaltsdauer im Freien sowie Hauttyp. 

Was ist im Winter?

„Im Gegensatz zu den Sommermonaten von April bis September ist in den Monaten von Oktober bis März die Sonnenbestrahlung in Deutschland nicht stark genug, um eine ausreichende Vitamin-D-Bildung zu gewährleisten“, erklärt Restemeyer. Vitamin D kann aber im Körper gespeichert werden - und diese Speicher tragen zur Versorgung im Winter bei. „In den Wintermonaten reduziert der Körper die Speicher, und die können dann ab dem Frühjahr wieder aufgefüllt werden.“

Für die gesunde Allgemeinbevölkerung gibt es keine generelle Empfehlung, im Winter zusätzlich Vitamin D in Form von Nahrungsergänzungsmitteln einzunehmen. Und: „Personen mit einem angemessenen Vitamin-D-Status haben in der Regel keinen zusätzlichen Nutzen durch die Einnahme von Vitamin D“, heißt es vom BfR. 

„Der neue Konsensus international ist, dass gesunde Erwachsene eigentlich keine Vitamin-D-Tabletten brauchen“, sagt auch Endokrinologe Scharla. Viele große Studien der letzten Jahre hätten gezeigt, dass die Einnahme solcher Tabletten nachweisbare Effekte weder auf die Knochen noch auf das Herzgefäßsystem oder auf das Krebsrisiko habe.

Wann ist ein Arztbesuch sinnvoll?

Wer den Verdacht hat, einen Vitamin-D-Mangel zu haben, kann dies bei einem Arzt oder Ärztin überprüfen lassen. „Wenn man merkt, ich bin schwach und müde und fühle mich nicht gut. Das sollte man auf jeden Fall abklären lassen“, so Scharla. „Das kann ein Vitamin-D-Mangel sein, aber es kann natürlich auch andere Ursachen haben, die anders behandelt werden müssen“.

© dpa-infocom, dpa:260201-930-625392/1


Von dpa
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