Vogt überrascht bei Kitzbühel-Coup von Franzoni: „Saugeil“ | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 24.01.2026 05:16, aktualisiert am 24.01.2026 14:34

Vogt überrascht bei Kitzbühel-Coup von Franzoni: „Saugeil“

Luis Vogt gelingt eine bärenstarke Fahrt in Kitzbühel. (Foto: Hans Klaus Techt/APA/dpa)
Luis Vogt gelingt eine bärenstarke Fahrt in Kitzbühel. (Foto: Hans Klaus Techt/APA/dpa)
Luis Vogt gelingt eine bärenstarke Fahrt in Kitzbühel. (Foto: Hans Klaus Techt/APA/dpa)

Shootingstar Giovanni Franzoni hatte nach seinem Sieg-Coup viele Glückstränen vergossen, Ski-Dominator Marco Odermatt haderte noch mit der knappen Niederlage. Da stürzte sich Luis Vogt die berüchtigte Abfahrt von Kitzbühel hinunter, wurde starker Achter und sorgte für einen unerwarteten Lichtblick in der bislang so trüben deutschen Speed-Saison. Für den 23-Jährigen und das DSV-Team war diese Überraschung auf der legendären Streif fast wie ein Podesterfolg. „Saugeil“, jubelte der Zwei-Meter-Hüne im Ziel.

Bei den ersten vier Zwischenzeiten lag Vogt sogar vor Sieger Franzoni - doch der Italiener war an diesem Tag im Tiroler Ski-Mekka nicht zu bezwingen. Die Entdeckung dieser Saison verwies Alpin-Dominator Odermatt um sieben Hundertstelsekunden auf Platz zwei. Sekundenlang stützte sich der Schweizer im Ziel enttäuscht und mit gesenktem Kopf auf den Stöcken ab - der beste Rennfahrer der Gegenwart muss weiter auf seinen ersten Abfahrtssieg in Kitzbühel warten. Dritter wurde Maxence Muzaton aus Frankreich (+0,39).

Shootingstar denkt an gestorbenen Kumpel und Teamkollegen

„Unglaublich. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es ist verrückt, ich zittere am ganzen Körper“ sagte Franzoni, der im Moment seines größten Erfolges an den tödlich verunglückten Ski-Weggefährten Matteo Franzoso dachte. „Ich weiß, dass er stolz auf mich wäre.“ Franzoni hatte zuletzt schon den Super-G von Wengen gewonnen und war der Schnellste in den Trainings auf der Streif.

Dann blieb er auch im Rennen cool - zum Leidwesen von Odermatt, dem in seiner schon jetzt glorreichen Karriere weiter nur noch der Abfahrtssieg in Kitzbühel fehlt. „Heute gab es nur eins, das war der Sieg. Das wusste ich, das wusste jeder“, sagte er in der ARD. „Wenn die Form so passt, man ist gesund, das Material perfekt und man schafft es nicht, dann schmerzt das schon.“

Vogt: „Merke, dass ich den Speed habe“

Für Odermatt zählte also nur Rang eins - von solchen Platzierungen waren die Deutschen zuletzt regelmäßig ganz weit weg. Noch am Freitag hatten Olympia-Fahrer Simon Jocher und Routinier Romed Baumann im Super-G mit Ausfällen maßlos enttäuscht. „Ich bin echt deprimiert, dass wir solche technischen Mängel haben“, klagte Cheftrainer Christian Schwaiger daraufhin.

Der Coach deutete aber selbst da an, dass ihn irgendetwas optimistisch stimme für die Abfahrt. Er sollte recht behalten: Vogt zeigte eine beherzte Leistung bei nicht mehr optimalen Pistenverhältnissen und mäßiger Sicht. „Die Fahrt hat sich für mich gut angefühlt. Ich merke, dass ich den Speed habe“, schilderte er nach seinem besten Ergebnis im Weltcup. Der Garmischer, der sich mit Schuhgröße 50 in Stiefel der Größe 47 oder 48 zwängt, hatte noch nie die Top 15 erreicht.

Und was wird nun mit Olympia?

Spannend wird nun, ob dieser Erfolg noch Auswirkungen auf das deutsche Olympia-Team hat: Vogt wurde eigentlich nicht für die Winterspiele nominiert, weil er in diesem Winter die deutsche Norm von einem Top-8- oder zwei Top-15-Plätzen nicht erreicht hatte.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) holte unter anderem Anton Grammel ins Aufgebot, der nur einen Rang unter den besten 15 im Weltcup vorzuweisen hat. Einen zusätzlichen Platz für das Team wird es wohl nicht geben. Muss für Vogt also Grammel oder jemand anderes daheim bleiben? Oder kommt der Kitzbühel-Erfolg zu spät für den Abfahrer aus Oberbayern?

© dpa-infocom, dpa:260124-930-589769/4


Von dpa
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