Auch wenn es zuletzt wieder etwas milder war. Viele Menschen nutzten in diesem Winter schon begeistert die Eiswiese im Taubertal. Ein Besuch ist immer spannend: Zu Jahresbeginn erlebte man dort Bobrennen. Schlittschuhläuferinnen und -läufer freuten sich und lernten neue Leute kennen.
Es ist ein richtiges kleines Rennen, dass sich zwei Jungen da abliefern. In einem roten und einem blauen Bob schießen sie den Hügel an der Eiswiese hinunter. Die Abfahrt ist kurz, aber als die Gefährte auf die Eisfläche treffen, kriegen sie noch einmal einen Schub. Ein Eisklotz markiert die Ziellinie – haarscharf ist der rote Bob vorne.
Die beiden Jungen steigen aus, fast wie einst Rennrodler Georg Hackl stellen sie sich danach professionell dem Interview. Die Köpfe sind rot von der Anstrengung, den Hügel sind sie heute schon bestimmt das achte Mal runter gerauscht und haben ihn zuvor jedes Mal besteigen müssen. „Es ist ein riesen Spaß hier”, sagen die beiden Zehnjährigen, „vor allem, wenn man vom Schnee auf das Eis kommt, gibt das einen richtigen Kick.” Einmal hätten sie sogar fast einen Schlittschuhläufer umgefahren, erzählen sie mit einem Grinsen. Es wirkt nicht, als ob sie es bereuen würden. Schon schnappen sie sich ihre Bobs und flitzen den Hügel wieder hinauf – das nächste Duell wartet.
So wie die beiden jungen Rothenburger nutzen an diesem Sonntagnachmittag viele andere die Eiswiese. Es ist ein Kommen und Gehen. Eltern ziehen ihre Kinder auf Schlitten hinter sich her, manche wagen sich sogar mit ihren Hunden aufs Eis.
Einer der Wintersportfans ist Florian Fell aus Neusitz. Schlittschuhlaufen gehört zu seinen Hobbys, schon als Sechsjähriger lernte er es: „Man kann beim Gleiten alles vergessen”, sagt er fast nostalgisch, „man fühlt sich wieder wie ein Kind”. Der 28-Jährige lebt mittlerweile in Würzburg. Aber wenn er in der Heimat und die Eiswiese geöffnet ist, geht er Schlittschuhlaufen. „Es ist schade, dass sie im vergangenen Jahr nicht geflutet war.” Teilweise fuhr er von Würzburg bis auf nach Frankfurt, nur zum Eislaufen.
Fell wird von Anja Greve und ihrer Tochter Lea begleitet. „Ich war seit zehn Jahren nicht mehr auf Schlittschuhen”, erklärt die Gunzenhausenerin mit einem Lachen. An der Eiswiese ist die 33-Jährige zum ersten Mal, die Location findet sie gut: „Man kann Eislaufen und Schlittenfahren – es ist super hier für Groß und Klein.” Schlittschuhlaufen bedeutet für sie Leichtigkeit, den Kopf ausschalten und wie Fell sagt sie: „Man fühlt sich ein wenig in die Kindheit zurückversetzt.” Tochter Lea wird von ihrer Mutter in einem Schneerutscher übers Eis gezogen. Die Sechsjährige lauscht ihrer Mutter gebannt: „Ich habe einfach nur Spaß”, sagt sie mit einem Grinsen.
Um eine Lösung zu finden, trafen sich Ende April 2025 die Stadtverwaltung und der Bauhof mit den Anliegenden. „Gemeinsam haben wir festgelegt, wie hoch der Mühlbach maximal aufgestaut werden kann. Wir waren uns alle einig: Die Eiswiese ist eine tolle Sache”, sagt Oberbürgermeister Dr. Markus Naser. Die Maßnahme habe sich bewährt, er habe nur Positives gehört. Darum soll es auch in den kommenden Jahren so gemacht werden, die Eiswiese also dauerhaft geöffnet sein.
Naser erklärt: „Für die Eiswiese muss mehr Wasser nachkommen als über die Drainage abfließt und es muss kalt genug sein.” Um diese Wasserversorgung zu sichern, muss der Zufluss, der Mühlbach, aufgestaut werden – einige Anliegende hatten Sorge, dass dies ihren Grund fluten könnte und so entschied man sich im vergangenen Winter dagegen, so Naser.
Dabei war es gar nicht sicher, ob die Eiswiese überhaupt geflutet wird und den Winterspaß möglich macht. Im vergangenen Jahr hatte man sich dagegen entschieden. Die Eiswiese benötigt einen dauerhaften Zufluss von Wasser.
Die Eiswiese ist eine öffentliche Fläche. Damit obliegt der Stadt eine Verkehrssicherungspflicht, wie Rechtsdirektor Michael Sommerkorn auf Nachfrage der Redaktion mitteilt. Dies entbinde die Nutzerinnen und Nutzer aber nicht von der eigenen Verantwortung, wie er erklärt: „Jeder muss auch selbst sehen, in welchem Zustand die Eiswiese ist. Die Stadt kann nicht bei jedem Vorall haftbar gemacht werden.”
Eine junge Frau und ein Mann kommen gerade an der Eiswiese an und ziehen ihre Schlittschuhe an. Wegen des Mangels an Bänken geht dies nur im Schnee. Laura Sorg macht sich aber nichts daraus. Die 30-Jährige hatte zehn Jahre im Ausland verbracht, ist aber nun in die Heimat Rothenburg zurückgekehrt: „Es muss gar nicht immer die große, weite Welt sein – hier geht auch was”, sagt sie. Für sie ist die Eiswiese der perfekte Ort zum Schlittschuhlaufen, schon als Kind war sie oft hier. „Es ist die Mischung aus Ruhe und Geschwindigkeit, was mich am Eislaufen reizt”, sagt sie, „und man lernt neue Leute kennen”. So auch ihren Kumpel und Begleiter Kuno Seebaß, der ihr die Schlittschuhe reparierte, als sie kaputtgingen.
Auch Sara Derscheid aus Weikersheim ist zum ersten Mal auf der Eiswiese. Die 39-Jährige kam mit ihrem Mann und ihren drei kleinen Kindern. Ihr erster Eindruck? „Es ist etwas hoppelig”, sagt sie. Die Tage zuvor gab es in Rothenburg Tauwetter, das am Sonntag wieder gefror. So entstand eine unebene Oberfläche. Für Derscheid ungewohnt: Sie kommt ursprünglich aus Düsseldorf. „Ich bin Großstadtkind, da waren wir nur in Hallen. Natürliche Eisflächen zum Laufen gibt es da gar nicht”, sagt sie.
Schon als Kind war sie gern auf dem Eis: „Ich habe mich dabei ein wenig wie Katarina Witt gefühlt”, lacht sie. Während sie erzählt, klopft sie an die Scheibe ihres Autos – Silas, der jüngste Spross, schläft im Kindersitz. Auch ein Vorteil, sagt Derscheid: „In einer Halle könnte man die Kinder nicht im Auto lassen.”