Von der Wiege bis zur Bahre: Der neue Vikar für Illesheim will für alle da sein | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 06.03.2026 07:00

Von der Wiege bis zur Bahre: Der neue Vikar für Illesheim will für alle da sein

Daniel Weitz freut sich auf seine Zeit als Vikar in Illesheim. (Foto: Claudia Nähr)
Daniel Weitz freut sich auf seine Zeit als Vikar in Illesheim. (Foto: Claudia Nähr)
Daniel Weitz freut sich auf seine Zeit als Vikar in Illesheim. (Foto: Claudia Nähr)

Daniel Weitz ist neuer Vikar in Illesheim. Rund zwei Jahre lang wird er sich dort zum Pfarrer ausbilden lassen. Schon jetzt fühlt er sich „sehr willkommen und wertgeschätzt”. Am Sonntag wird der 24-Jährige während eines Gottesdienstes in der Kirche in Illesheim offiziell eingeführt. Beginn ist um 14 Uhr.

Der Start hätte nicht besser laufen können. „Sehr offen und herzlich” sei man ihm in Illesheim begegnet, betont Weitz im Gespräch mit unserer Redaktion. Mitglieder der Landjugend hätten ihm beim Umzug tatkräftig zur Seite gestanden und der Kirchenvorstand habe ihn mit Brot und Salz willkommen geheißen. „Ganz traditionell.” Diese Wertschätzung hat Weitz berührt und ihm gezeigt, dass seine Entscheidung für ein Vikariat in Illesheim richtig war.

Aus Unter- nach Mittelfranken

Der 24-Jährige stammt aus Sulzdorf an der Lederhecke in Unterfranken. Studiert hat er evangelische Theologie an der Universität Leipzig sowie an der Augustana, der theologischen Hochschule der bayerischen Landeskirche in Neuendettelsau. Dass er diesen beruflichen Weg einschlagen würde, war schon ein Stück weit vorgezeichnet. Doch es hätte durchaus Alternativen gegeben.

So hatte Weitz, der als Jäger gerne in der Natur unterwegs ist, auch über ein Studium der Forstwissenschaften nachgedacht. Ins Finanzwesen zu gehen, hätte ihn ebenfalls gereizt, weil er sich damit ohnehin gerne in seiner Freizeit beschäftigt. Und Verwaltung und Recht gegenüber wäre er auch nicht abgeneigt gewesen.

Doch es sollte letztlich der Pfarrberuf werden. Weil es ihn zu dieser Arbeit mit und zum Dienst am Menschen hinzog. Den Grundstein dafür aber mögen seine Jahre im Windsbacher Knabenchor-Internat gelegt haben, mutmaßt Weitz. Und seine Mutter, die als Kirchenmusikerin arbeitet. „Da ist viel zusammengekommen.”

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Geistliche Lieder haben nachhaltig geprägt

Während seiner Zeit im Internat habe er sich intensiv mit geistlichen Liedern beschäftigt, was ihn nachhaltig geprägt habe. Außerdem sei der Direktor ebenfalls Pfarrer gewesen. „Ich habe Pfarrer schon immer als kultivierte, gebildete, faszinierende Menschen gesehen. Das waren Vorbilder.” Gereizt hat ihn an dem Beruf zudem, dass er facettenreich und komplex ist.

Die vielen Kirchenaustritte sieht der 24-Jährige durchaus als Herausforderung. Doch er ist überzeugt davon, dass es gelingen kann, Menschen wieder für den Glauben zu gewinnen. „Das Christentum ist die größte Religion der Welt – und in allen Regionen wächst es. Es müsste nur ein wenig mehr christlicher Glaube aus der Welt nach Deutschland getragen werden.”

Aktuell gebe es viele verschiedene Ansatzpunkte, um Menschen wieder für Kirche zu begeistern. „Da ist sehr viel Experiment im Feld und stößt zum Teil auf große Resonanz”, sagt Weitz und verweist auf Projekte wie „einfach heiraten”, die Vesperkirchen, sowie innovative Ansätze für Gottesdienste. So habe es bereits Harry-Potter-Gottesdienste oder Gottesdienste mit einem Fokus auf die Sängerin Taylor Swift gegeben. Der Zulauf sei enorm gewesen.

Über Chöre zurück zur Kirche

Viele finden zudem über kirchliche Angebote, wie die verschiedenen Chöre, zurück zur Kirche. Oder sie haben Spaß daran, Verantwortung zu übernehmen und sich als ehrenamtliche Prediger zu engagieren. „Unsere Gesellschaft ist sehr plural und unterschiedliche Menschen lassen sich für unterschiedliche Dinge begeistern.” Deswegen gebe es auch nicht nur einen einzigen Weg, um Gläubige zurückzugewinnen.

Kirche hat für Weitz auch in der heutigen Zeit nicht an Bedeutung verloren. Im Gegenteil. „Wir leben in einer Zeit der multiplen Krisen. Viele Menschen haben Sorgen, die junge Generation vereinsamt zunehmend. Da kann Kirche ein guter Ort sein, um sich einzubringen und Gemeinschaft zu leben.”

Kirche vermittle Hoffnung, und Glaube sei etwas, das verbinde und dazu motiviere, sich in der Gesellschaft zu engagieren. Und er könne als Wertekompass dienen. Denn in Zeiten, in denen alles relativ geworden sei, es wenig konkrete Orientierung gebe und alles erlaubt sei, aber nicht zwangsläufig auch dem Guten diene, könne der Glaube dabei helfen, sein Leben gelingend zu gestalten.

Darüber hinaus sei die Kirche in der heutigen Zeit für jeden und jede bedeutend, weil sie im Alltag der Menschen eine Rolle spiele – zum Beispiel als Träger von Kindergärten, Altenheimen und Krankenhäusern. „Die Diakonie ist einer der größten Sozialkonzerne in Deutschland, der auch einer der größten Arbeitgeber im Staat ist.”

Viel abschauen im Vikariat

Sein Vikariat will Weitz nun dafür nutzen, um sich von seinen Mentorinnen und Mentoren möglichst viel abzuschauen. Er will von ihnen lernen, „wie man ein guter Pfarrer wird” und die vielen verschiedenen kirchlichen Handlungsfelder gut bespielt. Er selbst wiederum will während seines Vikariats für die Menschen vor Ort da sein, mit ihnen ins Gespräch kommen.

„Von der Wiege bis zur Bahre” möchte er sich für die Glieder engagieren, Gottesdienste selbst gestalten, Geburtstagsbesuche übernehmen und eigene Schulstunden halten. Es soll ein Geben und Nehmen werden. Der persönliche Kontakt soll dabei stets im Mittelpunkt stehen. Schlicht und ergreifend: Das Unmittelbare, bei dem man hoffen dürfe, „dass da ein bisschen der Geist Gottes wirkt”.

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