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Veröffentlicht am 16.06.2026 00:08

Von diesem Duo können VW-Kunden bei uns nur träumen

Dickes Ding in sanfter Fahrt: Diese gestaltet der rund 5,21 Meter lange ID.Era 9X auch dank Luftfederung höchst komfortabel. (Foto: Volkswagen AG/dpa-tmn)
Dickes Ding in sanfter Fahrt: Diese gestaltet der rund 5,21 Meter lange ID.Era 9X auch dank Luftfederung höchst komfortabel. (Foto: Volkswagen AG/dpa-tmn)
Dickes Ding in sanfter Fahrt: Diese gestaltet der rund 5,21 Meter lange ID.Era 9X auch dank Luftfederung höchst komfortabel. (Foto: Volkswagen AG/dpa-tmn)

Manchmal reichen wenige Minuten hinter dem Lenkrad, um unangenehme Fragen aufzuwerfen. Warum fährt dieser VW weiter und lädt schneller als alle anderen? Warum ist seine Technik ausgefuchster als bei Audi? Warum bietet er mehr Luxus als ein Bentley? Warum kostet er weniger als ein Skoda? Und vor allem: Warum kann unsereins ihn trotzdem nicht kaufen?

Die Antworten auf diese Fragen gibt’s derzeit leider nicht in Wolfsburg, sondern in China. Im Ringen um verlorene Marktanteile haben die Niedersachsen dort gerade den ID.Era 9X und den ID.Unyx 08 an den Start gebracht. Die beiden Autos erweitern das Bild der Marke um eine spannende Facette. Während sie bei uns mit ID.Polo und Co. gerade die Wiederentdeckung des Volks-Wagens feiern, demonstrieren sie dort - freilich mit fremder Hilfe - Hightech, Digitalisierung und Luxus auf neuem Niveau.

Boten aus einer anderen Galaxie 

Schon optisch wirken die beiden SUV wie Gäste aus einer anderen Galaxie. Der knapp fünf Meter lange ID.Unyx 08 trägt scharf gezeichnete Flächen, schmale Lichtsignaturen und eine Front wie bei einem Showcar – bis hin zum neu interpretierten Wolfsburg-Wappen als Bremsleuchte.

Noch imposanter ist der ID.Era 9X. Mit 5,21 Metern Länge überragt er sogar den früheren Touareg deutlich. Trotzdem wirkt der Koloss überraschend elegant, erinnert aus manchen Perspektiven sogar an einen Range Rover.

Digitale Welt statt Comeback der Knöpfe 

Auch innen trennen die beiden China-VW Welten von ihren europäischen Verwandten. Wo die Wolfsburger bei uns wieder Tasten entdecken und vertraute Bedienkonzepte zurückbringen, dominieren dort riesige Bildschirme, hochauflösende Grafiken und künstliche Intelligenz. Der Unyx wirkt wie ein rollendes Smartphone, der Era eher wie eine Business-Class-Lounge auf Rädern.

Kino-Liegesitze auf Rädern 

Im Unyx spannt sich eine gewaltige Displaylandschaft über das Cockpit. Die Menüs reagieren blitzschnell, ein digitaler Avatar begleitet die Insassen durch den Alltag, dazu gibt es reichlich Platz und bequeme Loungesessel.

Der Era setzt noch einen drauf. In der zweiten Reihe warten großzügige Einzelsitze mit Liegefunktion, aus dem Dach klappt ein Großbildschirm aus und zahlreiche Komfortdetails sollen lange Reisen angenehmer machen. Die Mittelkonsole kühlt bis unter null Grad oder heizt auf Knopfdruck eine Nudelsuppe, und hinter vermeintlichen Holzleisten verbergen sich Touchscreens.

Weiter fahren, schneller laden 

Doch wirklich spannend wird es unter dem Blech. Der Unyx nutzt als erster Volkswagen überhaupt eine moderne 800-Volt-Architektur. Mit bis zu 315 kW Ladeleistung fließt innerhalb von fünf Minuten genug Energie für rund 150 Kilometer Reichweite. Die Akkus speichern 82 oder 95 kWh und ermöglichen Reichweiten von bis zu 730 Kilometern nach chinesischem Messverfahren. Damit spielt der Unyx in einer Liga, die bislang eher Audi, Porsche oder chinesischen Premiumherstellern vorbehalten war.

NOA wird zum Chauffeur 

Noch beeindruckender ist allerdings die digitale Intelligenz. Das Assistenzsystem NOA („Navigation on Autopilot“) übernimmt große Teile der Fahraufgabe, hält die Spur, wechselt Fahrstreifen und navigiert erstaunlich souverän durch den Verkehr, während der Fahrer nur noch pro Forma ans Lenkrad greift. Was in Europa vielerorts noch Zukunftsmusik ist, wirkt hier bereits selbstverständlich.

Gelassen als Passagier am Lenkrad 

Das verändert auch das Fahrgefühl und am Steuer wird man vom Piloten zum Passagier. Anfangs beobachtet man die Elektronik noch skeptisch, doch mit jedem Kilometer wächst das Vertrauen. Gleichzeitig fährt sich der Unyx angenehm entspannt: Das Fahrwerk komfortabel, die Lenkung leichtgängig und die Geräuschdämmung überzeugend. Sportlichkeit steht hier nicht im Vordergrund, sondern Ruhe und Gelassenheit.

Im Era ist Größe relativ

Noch mehr Eindruck schindet der Era. Eigentlich müsste ein 5,21 Meter langes SUV mit rund 2,7 Tonnen Gewicht schwerfällig wirken. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die kameragesteuerte Zweikammer-Luftfederung scannt die Straße und glättet die Einflüsse selbst schlechter Fahrbahnen nahezu vollständig.

Statt SUV fährt sich der Era eher wie eine luxuriöse Reiselimousine und weckt Erinnerungen an den VW Phaeton. Dazu kommt die Hinterachslenkung. Sie verkleinert den Wendekreis spürbar und verleiht dem Giganten eine erstaunliche Handlichkeit. Selbst im dichten Verkehr chinesischer Millionenstädte wirkt der große Volkswagen deutlich kleiner, als seine Abmessungen vermuten lassen.

Erster VW mit Range Extender 

Auch beim Antrieb geht VW dort neue Wege. Während die Wolfsburger in Europa auf reine Elektroautos und Plug-in-Hybride setzen, installiert man in China erstmals einen Range Extender. Die Räder werden ausschließlich elektrisch angetrieben, ein 1,5-Liter-Benziner dient lediglich als Generator.

Für den Fahrer fühlt sich der 9X deshalb jederzeit wie ein Elektroauto an. Die Kraft steht spontan bereit, der Antrieb arbeitet nahezu lautlos und der Verbrenner hält sich akustisch dezent im Hintergrund. Nur, dass aus der Kombination aus 65-kWh-Akku und 59-Liter-Tank schier unglaubliche 1.651 Kilometer Reichweite werden.

Und was NOA beim Unyx kann, macht er beim Era natürlich auch – bis hin zum automatischen Einparken. Und zwar auch dann, wenn der Fahrer längst ausgestiegen ist und am Straßenimbiss bereits seine Nudelsuppe schlürft.

Preise machen Europäer neidisch

Mindestens ebenso erstaunlich wie die Technik sind allerdings die Preise. Der gemeinsam mit Xpeng entwickelte ID.Unyx 08 startet umgerechnet bei knapp 30.000 Euro. Der deutlich größere und luxuriösere ID.Era 9X, bei dem SAIC mitgeholfen hat, ist ab etwa 38.000 Euro zu haben. Verglichen mit den 40.580 Euro Einstiegspreis für einen ID.4 oder dem Tiguan für mindestens 39.175 Euro wirken solche Preise für europäische VW-Kunden beinahe surreal.

Fazit: Vorboten einer besseren Zukunft 

Zwar bleiben beide Modelle wohl dauerhaft den Chinesen vorbehalten, selbst wenn sich zumindest den Era viele VW-Manager auch für Europa wünschen würden. Dennoch lohnt sich der Blick nach Fernost. Denn vieles spricht dafür, dass zumindest Teile der Technik früher oder später auch nach Europa kommen. Um 800-Volt-Plattformen wird VW künftig kaum herum kommen, das hoch assistierte Fahren braucht nur noch den Segen aus Brüssel. Und selbst die Idee vom Range Extender erlebt derzeit eine überraschende Renaissance.

Deshalb sind der ID.Unyx 08 und der ID.Era 9X weit mehr als zwei neue China-SUV, die mit ungewöhnlich viel Auto für seltsam wenig Geld unseren Neid schüren. Sie zeigen, was Volkswagen technisch heute schon kann – und geben einen Vorgeschmack darauf, was europäische Kunden in den kommenden Jahren vielleicht ebenfalls erwarten dürfen. 

Datenblatt: VW ID.Era 9X | VW ID.Unyx 08

 

 

 

© dpa-infocom, dpa:260615-930-228503/1


Von dpa
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