Von Liebesgrüßen und Neuanfang: Aschermittwoch in Bad Windsheim und Burgbernheim | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 19.02.2026 16:00

Von Liebesgrüßen und Neuanfang: Aschermittwoch in Bad Windsheim und Burgbernheim

Georg Gerhäuser plädierte beim Aschermittwoch der Bad Windsheimer CSU für einen Neustart. (Foto: Anna Franck)
Georg Gerhäuser plädierte beim Aschermittwoch der Bad Windsheimer CSU für einen Neustart. (Foto: Anna Franck)
Georg Gerhäuser plädierte beim Aschermittwoch der Bad Windsheimer CSU für einen Neustart. (Foto: Anna Franck)

Beim politischen Aschermittwoch geht es gewöhnlich hitzig zu. An Seitenhieben wurde auch bei der Bad Windsheimer und Burgbernheimer CSU und SPD nicht gespart. Unter die Gürtellinie geriet der Schlagabtausch aber nicht.

Für Georg Gerhäuser, CSU-Fraktionsvorsitzender im Bad Windsheimer Stadtrat, ist es Zeit für einen „Neuanfang”, betonte er am Mittwoch im Schützenheim vor gut 90 Gästen. Dass mit CSU, FWG und Liste Land drei Gruppierungen einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten, den parteilosen Philipp Flierl, aufstellen, sei in der Stadt ein Novum. Geht es nach dem Trio, soll dieser bei der Kommunalwahl Amtsinhaber Jürgen Heckel ablösen. „Das hat schon schwerwiegende Gründe. Viele im Stadtrat wollen so nicht mehr weitermachen”, so Gerhäuser.

Die Außenwirkung der Stadt habe gelitten. „Bei der FLZ wird die Windsheimer Seite als erstes gelesen, weil sie besonders unterhaltsam ist.” In die Stadtratssitzungen hineinzugehen, sei mit „etwas Bauchweh” verbunden, „man weiß nicht, was auf einen zukommt”. Die „viel beschworene Transparenz” sei nicht gegeben, Sitzungsunterlagen seien oft unvollständig.

Fehler haben immer andere gemacht

Bezüglich der Fluktuation im Rathaus zitierte Gerhäuser Oliver Tissot, der in einer Faschingssitzung der Windshemia aufgetreten war: „Es wurde noch nie so viel erledigt, wie in seiner Amtszeit”, habe der Kabarettist den Bürgermeister wiedergegeben. „Das hat er ein bisschen verwechselt: Es wurde nicht viel erledigt, es wurden viele erledigt”, zitierte Gerhäuser Tissot. Nahezu alle Amtsleiter seien in dieser Legislaturperiode durchgetauscht worden. Das könne nicht nur an der heutigen Zeit liegen, fand Gerhäuser. „Der Fisch fängt meistens vom Kopf das Stinken an. Das ist leider auch bei uns in der Stadt so.”

„Mit der Wahrheit nimmt es unser Bürgermeister oft nicht ganz so ernst. Und, wenn Fehler passieren, haben sie immer andere gemacht”, fand Gerhäuser. Bei der Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten in Ickelheim hatte Heckel von einem entstehenden interkommunalen Gewerbegebiet gesprochen. Weil Gerhäuser dieses Projekt gänzlich neu war, habe er sich schlau gemacht und herausgefunden: „Das wird so wahrscheinlich nicht funktionieren, weil die Auflagen teuer sind.” Der Stadtrat sei bei dem Projekt zudem bislang nicht involviert gewesen.

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„Dieser Wahlkampf hat ein neues Maß erreicht”, fand Gerhäuser, der von „Verleumdungen” sprach. Bei einer Wahlveranstaltung sei gesagt worden, dass Unternehmer sich Vorteile aus ihrer Stadtratsarbeit zu eigen machen. „Das ist schon ein starkes Stück.” Es gebe schließlich öffentliche Ausschreibungen. Hinzu komme für Gerhäuser: „Wenn man mehr als der Hälfte der Stadträte nicht mehr die Hand gibt, weil man einen anderen Kandidaten aufstellt. Wie will man da die nächsten sechs Jahre als Bürgermeister weitermachen?”

Fassungsloses Kopfschütteln bei der SPD

Harte Seitenhiebe verteilte Philipp Flierl selbst nicht. Auch Wahlversprechen wollte er keine geben. Für einen Moment setzte er aber den „Hut des Kita-Geschäftsführers” im Dekanat Bad Windsheim auf, den Job, den er seit gut eineinhalb Jahren ausfülle. „Wenn ich in der Zeitung lese, dass eine neue Kita gebaut werden soll, die bis 20 Uhr geöffnet hat. Wenn ich höre, dass bei einem Kita-Faschingsumzug darüber gesprochen wird, dass die Kita St. Lukas erweitert und die Kita St. Matthäus neu gebaut werden soll. Wenn ich als Kita-Geschäftsführer aber weiß, dass ein paar Wochen zuvor ganz andere Aussagen getroffen wurden. Dass die Finanzierung so eines Kita-Konstrukts nicht funktioniert, weil die Fördergelder es nicht hergeben”, so Flierl. „Dann habe ich kein Verständnis dafür, wenn man mit so etwas wirbt und leere Wortversprechungen macht. Das hilft keinem weiter.”

In der Brauereigaststätte Döbler in Bad Windsheim hatten sich am Tag des politischen Schlagabtauschs die SPD-Vertreter aus drei Orten eingefunden: aus Bad Windsheim, Burgbernheim und Illesheim. Hauptredner waren Matthias Oberth, Fraktionsvorsitzender der SPD im Bad Windsheimer Stadtrat, sowie Roman Mollwitz als Vorsitzender des SPD-Ortsverbandes Burgbernheim und Stadtrat. Erstmals dabei war Jens Schönamsgruber. Er ist als Sozialdemokrat mit auf die Liste der Freien Wähler gegangen und betonte mit Nachdruck, dass es deswegen erstmals eine FWG/SPD-Liste in Illesheim gebe.

Auf derbe Sprüche, einen Schlagabtausch unter der Gürtellinie und allzu viel Spott und Häme verzichteten die Redner. Und das sogar angesichts der bevorstehenden Kommunalwahl und der Tatsache, dass der Wahlkampf in vollem Gange ist. Den Spiegel hielten die Redner ihren politischen Gegnern trotzdem vor.

Matthias Oberth ging direkt in die Vollen und sorgte für fassungsloses Kopfschütteln. Er erinnerte an die Mietkosten in Höhe von 1600 Euro, die seitens der Aischgründer Tafel monatlich an die Besitzer des ehemaligen Bonifazius-Hauses in Bad Windsheim gezahlt werden müssen, wo die Ausgabestelle der Tafel untergebracht ist. Das pikante Detail daran: Zu den Besitzern des Hauses gehört Oberth zufolge Altbürgermeister und FWG-Stadtrat Wolfgang Eckardt. Spenden, die aufwendig gesammelt werden, damit die Tafel die hohen Mietkosten stemmen könne, würden demnach anteilig immer auch in die Taschen des Altbürgermeisters fließen.

Keine Entschuldigung vom Ex-Bürgermeister

Deswegen sei es „moralisch mehr als bedenklich“, wenn die Stadt die Tafel finanziell unterstützen solle. „Da fließt Geld in Taschen von Menschen, die aus dem Leid anderer Kapital schlagen”, sagte Oberth. „Menschlich” sei das kaum, aber gerade dieses Schlagwort dominiere aktuell den Wahlkampf des Bürgermeister-Kandidaten Philipp Flierl. Was daran allerdings menschlich sein solle, wenn der frühere Bad Windsheimer CSU-Bürgermeister und Stadtrat Bernhard Kisch bei der Faschingsveranstaltung der Windshemia in der Session 2024/25 auf der Bühne stehend symbolisch gegen ein Logo der Landesgartenschau uriniere, habe sich ihm bis heute nicht erschlossen, so Oberth. Auf eine Entschuldigung habe man vergeblich gewartet.

Bezeichnend ist für Oberth, dass die CSU dem früheren geschäftsleitenden Beamten der Stadt, Jürgen Boier, zum Abschied eine Weinflasche geschenkt habe, auf der ein Etikett mit dem Schriftzug „Auszeit” geprangt habe. „Vielleicht spekuliert er darauf, nach der Wahl wieder nach Bad Windsheim zurückzukommen.” Darauf lasse durchaus die Tatsache schließen, dass Boier sein Büro im Rathaus noch immer nicht ausgeräumt habe.

Dass Bürgermeister Heckel nicht alles richtig mache, betonte Oberth ausdrücklich. Genauso wie Heckel seiner Meinung nach auch gravierende Fehler gemacht habe. Wenn CSU, Liste Land und FWG sich aber einzig deswegen zusammentun und einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten aufstellen würden, weil sie alle „von der Abneigung gegen Heckel” geleitet werden, sei das zu wenig Gemeinsamkeit. „Wenn Hass und Neid das einzig Verbindende” seien, sei das kaum ausreichend.

Zeichen für die Demokratie

Zuletzt positionierte sich Oberth noch einmal klar gegen die Feinde der Demokratie. Er zeigte auf, wie bereits in den 1930er Jahren die Demokratie mit den Mitteln der Demokratie unterwandert worden sei. Und er warnte davor, dies noch einmal zuzulassen.

Roman Mollwitz beklagte in seiner Rede, dass SPD-Anträge im Burgbernheimer Stadtrat grundsätzlich abgelehnt werden würden. Egal, wie gut diese seien. Der politische Gegner scheue auch nicht davor zurück, die SPD-Ideen später wieder aus der Schublade zu ziehen und als seine eigenen zu verkaufen.

Was Mollwitz aber richtig ärgerte, waren „die Tricks”, mit denen die CSU aktuell versuche, Wählerstimmen für sich zu gewinnen. Sie lasse kostenloses Essen und Getränke springen und hoffe wohl, den Wahlkampf so für sich positiv beeinflussen zu können. „Ich bin gespannt, ob sie das im nächsten Jahr auch noch machen”, sagte Mollwitz und betonte, lieber zehn wahrhaft Interessierte zu haben, die wegen politischer Inhalte kämen, „als 40 Freibiergesichter”.

Solidarische Liebesgrüße nach Burgbernheim

Über 70 Interessierte waren derweil zum politischen Aschermittwoch des CSU-Ortsverbands Burgbernheim erschienen. Zweiter Bürgermeister Stefan Schuster ist nicht als „Hau-drauf“ bekannt. Sachlich, argumentativ und die politischen Wettbewerber im Stadtrat gelegentlich lobend, so lässt sich seine Rede im Gasthof „Zum goldenen Hirschen“ zusammenfassen. Einen Seitenhieb auf „die Roten“, den SPD-Ortsverein, der in einen „Keller in Bad Windsheim geflüchtet ist“, konnte sich Schuster nicht verkneifen. Dabei sei er gespannt, „welche solidarischen Liebesgrüße dieses Mal ins heimische Nest abgefeuert werden“.

Zu dem dreimal im Stadtrat abgelehnten SPD-Antrag zur Schaffung eines Friedwaldes, argumentierte Schuster mit nicht vorhersehbaren hohen Kosten. Laut SPD solle ein Friedwald mit 12.000 Urnengräbern eingerichtet werden. Dann würden die Einnahmen passen und womöglich „Millionengewinne“ in Aussicht stehen. Laut Schuster entspreche diese Anzahl an Urnen etwa der Anzahl der in acht Jahren im gesamten Kreis verstorbenen Menschen. „Sanfter Tourismus sieht anders aus.“ Die CSU investiere lieber in eine lebendige Zukunft.

Trotz gelegentlich kontroverser Debatten im Burgbernheimer Stadtrat ziehe dieser an einem Strang. Deswegen, so Schuster, sei er dankbar dafür, „dass wir hier keine blaue Liste haben, die brauchen wir nicht“. „Menschenverstand“ sei gefragt, nicht „Zwiespalt und Zwist“.


Von NINA DAEBEL, ANNA FRANCK UND HANS-BERND GLANZ
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