Vonn, Malinin, Raimund: Die Bilder der großen Olympia-Dramen | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 20.02.2026 06:47

Vonn, Malinin, Raimund: Die Bilder der großen Olympia-Dramen

Grüße aus Cortina: Hinter dieser malerischen Momentaufnahme steckt der Beginn des großen Dramas um Lindsey Vonn. (Archivbild) (Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa)
Grüße aus Cortina: Hinter dieser malerischen Momentaufnahme steckt der Beginn des großen Dramas um Lindsey Vonn. (Archivbild) (Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa)
Grüße aus Cortina: Hinter dieser malerischen Momentaufnahme steckt der Beginn des großen Dramas um Lindsey Vonn. (Archivbild) (Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa)

Die Bilder der großen Dramen bei diesen Olympischen Winterspielen gingen um die Welt: Der schwere Sturz von Lindsey Vonn, die verzweifelte Miene von Eislauf-Wunderkind Ilia Malinin nach seinem Kür-Debakel oder die fassungslose Lena Dürr nach ihrem Slalom-Aus am ersten Tor bewegten ein Millionenpublikum vor den Fernsehern und vor Ort in Italien. Daneben stehen die glücklichen Gewinnerinnen und Gewinner der Spiele - etwa Federica Brignone mit ihrem Doppel-Gold nach schwerer Verletzung oder Deutschlands Sensations-Olympiasieger Philipp Raimund.

Ein Überblick über die großen Geschichten dieser Spiele - und ihre Bilder.

Lindsey Vonns schwerer Sturz

Trotz einer Kreuzbandverletzung wollte Lindsey Vonn bei Olympia den krönenden Abschluss einer großen Karriere feiern - es wurde eine Tragödie: Die Sport-Welt stand still, als der US-Skistar nach einem schlimmen Sturz zu Beginn der olympischen Abfahrt vor Schmerzen schrie. Das Foto der 41-Jährigen unmittelbar vor dem Sturz ist eigentlich ein „Grüße aus Cortina“-Postkartenmotiv: Sonne, Dolomiten, Traum-Panorama. Und doch zeigt Vonns Haltung schon, dass etwas nicht stimmt. Auf der Momentaufnahme wird der Beginn einer Leidenszeit eingeleitet. Minuten später wurde Vonn in eine Klinik in Treviso geflogen, wo sie nach einer komplexen Schienbeinverletzung mehrfach operiert wurde. In dieser Zeit stirbt auch ihr Hund Leo. „In so kurzer Zeit habe ich so viel verloren“, sagte Vonn und sprach von den härtesten Tagen ihres Lebens.

Franziska Preuß' Nerven beim Schießen

Sie jagt dem Traum von der olympischen Einzelmedaille hinterher - am Ende vergeblich? Franziska Preuß scheiterte in Antholz wiederholt an ihren Nerven: über 20 Kilometer, im Verfolgungsrennen und dann auch in der Staffel. „Es wackelt nur noch“, sagte Deutschlands beste Biathletin. „Ich bin dann so angespannt und bekomme nicht mehr den Fokus auf das Wesentliche. Dann geht einfach nichts mehr.“ Eine große Karriere droht, mit einer Enttäuschung zu enden. Eine Chance, im Massenstart am Samstag, hat die 31 Jahre alte Gesamtweltcupsiegerin noch.

McGraths Flucht in den Wald

„Ich musste einfach weg von allem“, sagte Atle Lie McGrath über den Moment, der die TV-Zuschauer bewegte. Nachdem der Norweger im Olympia-Slalom in Führung liegend nach einem Fahrfehler ausgeschieden war, warf er erst in hohem Bogen seine Skistöcke weg und stapfte dann zu Fuß los in Richtung eines Waldstückes. Der 25-Jährige lief quer über die Piste, passierte die Streckenbegrenzung, ging weiter und weiter - und ließ sich schließlich in den Schnee fallen. Später erklärte er: „Wenn ich in einem Rennen nicht gut fahre, kann ich mir zumindest sagen, dass ich gesund bin, dass meine Familie gesund ist und die Menschen, die ich liebe, da sind.“ Dies sei aber dieses Mal nicht der Fall gewesen. Am Tag der Eröffnungsfeier war sein Großvater gestorben.

Dürrs Einfädler nach knapp zwei Sekunden

Mit der ersehnten Einzel-Medaille vor Augen ging Lena Dürr als Zweite nach dem ersten Durchgang in ihr letztes olympisches Rennen - und fädelte am ersten Tor ein. Ausgeschieden nach weniger als zwei Sekunden. Was sie in dem Moment gedacht habe? „Gar nichts. Da ist man einfach blank.“ Das Aus im Slalom war das dritte Olympia-Drama für Dürr. 2022 in Peking ging sie im Slalom als Führende in den zweiten Lauf, verpasste als Vierte ganz knapp eine Medaille. In Cortina stand sie sogar im Riesenslalom als Zweite vor einer Medaille - und patzte auch hier. „Es soll wahrscheinlich so sein“, sagte Dürr nach dem Slalom-Drama unter Tränen.

Der gestürzte „Vierfach-Gott“ Malinin

Der selbst ernannte Gott der Vierfachsprünge Ilia Malinin ging als haushoher Favorit in die Eiskunstlauf-Kür - und erlebte ein Debakel. Er stürzte mehrfach und schlug sich nach Ende der Kür die Hände vors Gesicht. Mit verzweifelter Miene verließ er das Eis - ein Schock-Moment vor allem in seiner Heimat USA. Das große Wunderkind holte nicht mal eine Medaille, wurde Achter. „Auf der größten Bühne der Welt können selbst diejenigen, die am stärksten wirken, innerlich noch unsichtbare Kämpfe ausfechten“, schrieb der 21 Jahre alte Team-Olympiasieger später. Es folgte eine Debatte über Druck und auch über den Online-Hass, der bei Olympia nicht nur ihm entgegenschlägt. Viele Stars unterstützten Malinin und sprachen ihr Mitgefühl aus, unter anderem auch Slalom-Olympiasiegerin Mikaela Shiffrin.

Coventrys Tränen nach Heraskewytschs Helm-Eklat

Die Stimme stockte, die Augen waren feucht, als IOC-Präsidentin Kirsty Coventry die unnachgiebige Position beim Ausschluss des Ukrainers Wladislaw Heraskewytsch von den olympischen Skeleton-Rennen zu erklären versuchte. „Leider sind wir nicht zu einer Lösung gekommen. Ich wollte ihn wirklich heute im Rennen sehen. Es war ein emotionaler Morgen“, sagte sie. Heraskewytsch war im Disput um seinen Kopfschutz mit Bildern von im Krieg gegen Russland getöteten Sportkollegen nicht auf Kompromissvorschläge des IOC eingegangen und daher ausgeschlossen worden. Der Fall schlug Wellen, der 27-Jährige zog sogar vors Sportgericht Cas. Coventrys Tränen von Cortina, sie wurden bei den Winterspielen Sinnbild der ersten Krise der IOC-Chefin.

Philipp Raimund: Ohne Weltcup-Sieg zum Gold-Sensationscoup

Er gewann nie ein Weltcup-Springen und holte dann Olympia-Gold. Skispringer Philipp Raimund jubelte im Zielraum von Predazzo jugendlich ausgelassen über seinen Sensationscoup. „Ich weiß nicht, wie ich es gemacht habe. Aber ich bin so, so stolz drauf“, sagte der 25-Jährige, den vor nicht allzu langer Zeit noch Höhenangst plagte. „Vor dem ersten Sprung war ich scheiße-nervös. Es sind alle hier.“ Nur seine Schwester, die saß im Zug. Ein Video ihres Jubels in sozialen Medien ging viral. „Ich bin super froh, dass ich es sehen konnte, wie sie im Zug komplett explodiert“, sagte Raimund. „Zum Glück gehört sie zu der Generation, die sich selbst gerne filmt.“

Ein Brasilianer holt Gold im Riesenslalom

Schon vor der Siegerehrung zeigte Lucas Pinheiro Braathen ein Tänzchen, aus den Boxen im Schneeregen von Bormio wummerten Samba-Bässe. Nach seiner Fahrt in die Olympia-Geschichtsbücher kamen dem extrovertierten Ski-Star bei der brasilianischen Hymne dann die Tränen. Gold für Braathen, Gold für Brasilien, die erste Medaille überhaupt für Südamerika bei Winterspielen. „Es ist nicht möglich zu sagen, was ich in meinem Herz fühle“, sagte der gebürtige Norweger, der seit 2024 für das Heimatland seiner Mutter antritt, im ORF. Wenige Tage vorher hatte der 25-Jährige bei der Eröffnungsfeier die Fahne Brasiliens ins San Siro getragen - mit einem Tänzchen.

Ein untrennbares Duo wird zu Deutschlands Rekord-Olympioniken

Als die Team-Staffel der deutschen Rodler zu Gold fuhr, schrieb sich ein Duo in die Rekordbücher: Tobias Wendl und Tobias Arlt krönten sich in Cortina d'Ampezzo mit dem siebten gemeinsamen Olympiasieg seit 2014 zu Deutschlands erfolgreichsten Winter-Olympioniken. „Wir genießen jetzt den Moment. Das ist der krönende Abschluss“, sagte Arlt nach seinem wohl letzten Olympia-Rennen. Die eindrucksvolle Gesamtbilanz des Duos: siebenmal Gold, einmal Bronze.

Ein italienisches Märchen: Das Doppel-Gold von Federica Brignone

Nach dem Sturz bei den italienischen Meisterschaften am 3. April 2025 war für Federica Brignone eigentlich alles verloren. Die Diagnose lautete: mehrfache Fraktur des Schienbeinplateaus und des Wadenbeinkopfes sowie ein Kreuzbandriss. Viele glaubten an ein Karriereende, aber Brignone wollte es zumindest versuchen, bei den Winterspielen im eigenen Land dabei zu sein. 315 Tage nach dem Sturz stand sie in Cortina d'Ampezzo im Zielraum - mit einer Goldmedaille um den Hals. „Nur schon hier zu sein, ist ein Wunder. Aber Olympiasiegerin? Damit hätte ich nie gerechnet“, sagte die 35-Jährige nach dem Gold im Super-G überglücklich. Wenige Tage später feierte die Kämpferin mit dem Tiger-Helm auch Gold im Riesenslalom - und Italien ein Olympia-Märchen.

© dpa-infocom, dpa:260220-930-711404/1


Von dpa
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