Vor 80 Jahren: Als in Ballershausen die Scheunen brannten | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 18.04.2025 22:19

Vor 80 Jahren: Als in Ballershausen die Scheunen brannten

Idyllisch liegt Bellershausen westlich von Schillingsfürst. Am 18. April vor 80 Jahren erlebte die Bevölkerung schlimme Stunden. (Foto: Margit Schwandt)
Idyllisch liegt Bellershausen westlich von Schillingsfürst. Am 18. April vor 80 Jahren erlebte die Bevölkerung schlimme Stunden. (Foto: Margit Schwandt)
Idyllisch liegt Bellershausen westlich von Schillingsfürst. Am 18. April vor 80 Jahren erlebte die Bevölkerung schlimme Stunden. (Foto: Margit Schwandt)

Linden traf es am schlimmsten. Von den heftigen Kampfhandlungen am Ende des Zweiten Weltkriegs waren aber auch andere Orte in der Region betroffen, etwa Bellershausen (Landkreis Ansbach). Der Angriff, bei dem viele Scheunen im Dorf in Flammen aufgingen, jährte sich am Freitag zum 80. Mal. Schillingsfürst blieb dank des Muts einer Frau verschont.

Am 18. April 1945 bewegten sich die US-amerikanischen Verbände zügig vorwärts und trafen dabei kaum mehr auf Widerstand. Von Gebsattel aus näherten sie sich, wie aus örtlichen Quellen hervorgeht, den Ortschaften Kirnberg, Lohr, Bockenfeld, Diebach, Insingen und Faulenberg.

Neben Diebach wurden Lohr und Bellershausen durch Artilleriefeuer sehr schwer beschädigt worden, so steht es in „Rothenburg ob der Tauber – Schicksal einer deutschen Landschaft“. Josef Seybold aus Bellershausen erinnert sich noch genau an Erzählungen seiner Großeltern.

Panzer zu schwer für kleine Brücke

Die Amerikaner bewegten sich demnach von Wolfsau her auf Bellershausen zu. Die SS hatte die Brücke über den Wohnbach gesprengt. Auch hinter der Pfeffermühle habe es eine kleine Steinbrücke gegeben, die unter der Last des ersten Panzers zusammengebrochen sei. Auf der rechten Seite ortsauswärts Richtung Schillingsfürst gerieten aufgrund des Beschusses mit Phosphorbomben fast alle Scheunen in Brand.

Verschont blieb die Seyboldsche Scheune. Das war auch einem amerikanischen Soldaten zu verdanken, der, wie später erzählt wurde, immer wieder Eimer mit Wasser gefüllt und damit die Scheunenwände nass gemacht hatte.

19-Jähriger aus der Ukraine schwer verletzt

Schwer verletzt wurde bei dem Angriff auf Bellershausen ein 19-Jähriger, der aus der Ukraine verschleppt worden war und als Knecht auf einem Hof arbeitete. Er konnte kein Deutsch und versuchte, vor den Amerikanern zu fliehen. Dabei wurde er angeschossen. Man brachte ihn später nach Tauberbischofsheim in ein Krankenhaus, wo er eineinhalb Jahre behandelt wurde. Die Folgen dieser Verletzung beschäftigten ihn sein ganzes Leben. Die Schusswunde musste immer wieder versorgt werden und er hatte große Schmerzen. Bekannt ist das, weil sich der junge Ukrainer entschied, nach dem Krieg in Bellershausen zu bleiben. Er lebte und arbeitete weiter auf dem Hof und verbrachte seinen Lebensabend im Elisenstift, wo er 2005 starb.

Große Schäden durch amerikanischen Beschuss habe es in den Wäldern gegeben, sagt Josef Seybold. Man habe dort Hitlerjungen vermutet. Noch in den 1990er Jahren sei man auf Granatsplitter gestoßen. Als Bellershausen gesichert war, fuhren die Panzer die Hirtengasse hinauf und wollten in Richtung Schillingsfürst angreifen.

Bürgermeister hatte Angst

Franz Josef, Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst und seine Frau, Fürstin Aglaé, bangten um das Schloss und die Stadt. Sie wurden bei Bürgermeister August Laudenbacher vorstellig und fragten an, ob sie eine weiße Fahne an der Westseite des Schlosses hissen könnten, da sich die letzten SS-Einheiten abgesetzt hätten. Allerdings, so steht es im Heimatbuch der Stadt, wollte Laudenbacher die Verantwortung nicht übernehmen, da auf eigenmächtige Kapitulation die Todesstrafe stand.

Gabriele Remele, die die letzten Kriegstage als Schulkind miterlebt hat, berichtete, dass damals Johanna Lößlein, die eigentlich als Krankenschwester in der Schweiz arbeitete, zu Besuch in Schillingsfürst war. Diese gestandene Frau habe keine Angst vor Bestrafung gehabt und einfach gehandelt. Sie holte zwei Leinentücher, begab sich zum Schloss und hisste, unterstützt vom Kastellan Franz Fischer, zwei weiße Fahnen an der West- und Nordseite des Schlosses. Daraufhin griffen die Amerikaner Schillingsfürst nicht an.

Rothenburgs östliche Altstadt stark betroffen

Aus Dankbarkeit für die Verschonung der Stadt beauftragte Aglaé, Fürstin zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Ludwig Doerfler, eine Tafel zu malen, für den Schutz des Heiligen Florian während der sechs Kriegsjahre und besonders am 19. April 1945, als dem Schloss und der Gemeinde Schillingsfürst Unheil und Zerstörung von allen Seiten drohte.

In Rothenburg lagen hingegen zu diesem Zeitpunkt nach dem Bombenangriff knapp drei Wochen zuvor weite Teile der östlichen Altstadt in Schutt und Asche. Am 18. April 1945 war dort mit sofortiger Wirkung eine Militärregierung für die Stadt und den Landkreis errichtet worden. Als Amtssitz wurde das bisherige Kreishaus in der Herrngasse 17 bestimmt.

Der Militärregierung unterstellt

Die Stadtverwaltung Rothenburg und der Kreis wurden der Militärregierung unterstellt. Ihr erster Gouverneur war Oberleutnant Bull. Es wurden bereits vorbereitete Plakate über Waffenablieferungen, Beschränkung der Ausgehzeiten, Abschaltung der Fernsprechanlagen, Einstellung des Post- und Bahnverkehrs, Verbot der Benutzung privater Kraftwagen und die Meldung aller militärisch ausgebildeter Personen ausgehängt.

Die amerikanischen Truppen quartierten sich in den Rothenburger Schulen, im Wildbad und der Flugmodellbauschule ein, vereinzelt und nur für kurze Zeit in Privatwohnungen. Die Militärregierung legte großen Wert darauf, dass die 900 verwundeten und kranken deutschen Soldaten als ihre Kriegsgefangenen verpflegt und betreut wurden.

Zur Versorgung nach Bad Mergentheim

Untergebracht waren sie zunächst in den Reservelazaretten der Stadt, darunter das Luitpoldschulhaus, die Jakobsschule und verschiedene Hotels wie Bären, Eisenhut, Ratskeller und Markusturm. Nach wenigen Tagen wurden sie zur medizinischen Versorgung nach Bad Mergentheim gebracht.

Dramatische Stunden hatte Mitte April die Bevölkerung von Brettheim und Hausen erlebt. Die beiden Dörfer waren die einzigen im alten Rothenburger Land, die aus der Luft angegriffen wurden. Insgesamt gingen in beiden Orten etwa 150 Häuser in Flammen auf. In Brettheim kamen 17 Zivilpersonen ums Leben.


Von Margit Schwandt
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