Über der Geflügelhaltung schwebt das ganze Jahr über das Damoklesschwert Vogelgrippe – in der Zugvögel-Saison steigt das Risiko eines erhöhten Infektionsgeschehens. In den vergangenen zwei Jahren hat es drei Betriebe im Landkreis Ansbach getroffen, trotz großer Vorsicht.
Florian Kriener kennt die Sorge der heimischen Geflügelwirtschaft um die Tierbestände besonders gut. Als Geflügelfachberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ansbach ist er in ganz Mittelfranken unterwegs im Austausch mit den Betrieben. Außerdem hat er als erfahrener Geflügelhalter praxisnahes Wissen.
In der Gemeinde Gerhardshofen im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim betreibt der studierte Landwirt mit Unterstützung der Familie einen eigenen Hof mit Ackerbau und Geflügelhaltung. Seine Hennen haben mehr Platz als von den gesetzlichen Mindeststandards vorgeschrieben und zusätzliche Wintergärten mit Außenklima.
Die Tiere werden mit hofeigenem Getreide gefüttert. Den Kot der Hennen nutzt er als Dünger für die Felder. „Ich bin jedes Jahr froh, wenn der Vogelzug im Frühjahr und Herbst rum ist”, räumt der Geflügelhalter ein und sein und das Hausgeflügel seiner Kollegen nicht infiziert wird.
Wie unberechenbar die Ausbreitung des Vogelgrippevirus trotz aller Schutz- und Hygienemaßnahmen sein kann, erläutert Florian Kriener an einem Beispiel aus Südbayern. Über das Belüftungssystem für den Hühnerstall gelangte Kot eines erkrankten Wildvogels in die Geflügelhaltung. Die Viren in den infektiösen Extrementen steckten den gesamten Tierbestand an.
Besonders gefährdet sind die Tierbestände von landwirtschaftlichen Betrieben, die Eier aus Freilandhaltung vermarkten. Der Freilandgang darf erst auf behördliche Anordnung zur Stallpflicht ausgesetzt werden.
Auch Kleinsthaltungen von Beständen im mobilen Hühnerstall als moderne Form der Freilandhaltung sind eines erhöhten Risikos des zirkulierenden Erregertyps ausgesetzt. Geflügelhalter und -berater Florian Kriener würde sich als Vorsichtsmaßnahme „so schnell wie möglich” eine Stallpflicht für Geflügel wünschen, um die Bestände vor der Vogelgrippe zu schützen und Schäden abzuwenden.
Der Verband der deutschen Geflügelwirtschaft fordert eine „bundesweite Aufstallpflicht”. Florian Kriener glaubt nicht, „dass es soweit kommt”. Um die Lücken im Infektionsgeschehen zu schließen, hält er eine solche Regelung aber „für sinnvoll”.
Eine behördliche Anordnung an übergeordneter Stelle würde nach seiner Ansicht die Entscheidung der örtlichen Veterinärämter erleichtern, „sich zu einer Stallpflicht durchzuringen”. Nicht erst als Reaktion auf einen Vogelgrippe-Fall in einem örtlichen Hausgeflügelbestand. Das Übertragungsrisiko auf andere Betriebe sei dann bereits hoch.
Diese Auffassung teilt auch die Erzeugergemeinschaft fränkischer Hühnerhalter mit regionaler Eiererzeugung, an deren Jahreshauptversammlung Florian Kriener als Fachberater teilnahm. Die rund 165 landwirtschaftliche Betriebe aus den drei fränkischen Regierungsbezirken Ober-, Mittel- und Unterfranken wirtschaften von ökologisch bis konventionell und treffen sich regelmäßig zum Austausch. Im Ausschuss sitzt mit Robert Wellhöfer aus Lehrberg der Vertreter eines traditionsreichen Familienbetriebes für Geflügelzucht.
Bundesweit häuften sich in den vergangenen Tagen die Fälle der hochansteckenden und häufig tödlich verlaufenden Infektionskrankheit. Derzeit ist die Lage im Freistaat vergleichsweise ruhig. Aber die Situation könne sich schnell ändern, hieß es.
Bayern erstellt neben den Informationen des Friedrich-Loeffler-Institus (FLI) eine eigene Risikoeinschätzung, so dass Maßnahmen regional gezielt angepasst werden können. Veterinärverwaltung und Geflügelhalter setzen derzeit auf risikoorientierte Maßnahmen durch erhöhte Wachsamkeit, damit der Erreger nicht in die Ställe gelangt.
Dazu gehört, jeden Wildvogelkontakt des Hausgeflügels zu verhindern und darauf zu achten, dass die Ställe vogeldicht sind. Futter- und Einstreulager gegen Schadtiere abzusichern und kein Oberflächenwasser zum Tränken der Tiere zu verwenden.
Privaten Geflügelhalterinnen und -haltern mit mobilen Hühnerställen rät Florian Kriener, sich auf eine Stallpflicht vorzubereiten und entsprechende Vorkehrungen als Übergangslösung zu treffen. Ein vogeldichtes Zelt sei eine Möglichkeit – oder Platz in der Maschinenhalle zu schaffen.