Es ist noch ein weiter Weg, bis der geplante Güterbahnhof im Gewerbe- und Industriegebiet Interfranken in Betrieb gehen könnte. Aber ein paar Steine auf diesem Weg hat der Zweckverband Interfranken in den letzten Monaten aus dem Weg geräumt.
Bei der Verbandsversammlung im Rathaus in Feuchtwangen schilderte der Vorsitzende Patrick Ruh die Fortschritte. So seien bei einem Besuch von Staatssekretär Ulrich Lange aus dem Bundesverkehrsministerium Anfang des Monats „einige Detailfragen” gelöst worden.
„70 Jahre lang sind in der Region Schienenprojekte abgebaut worden. Jetzt sind wir die ersten, die wieder etwas aufbauen”, meinte Bürgermeister Oswald Czech aus Schopfloch. Sein Feuchtwangener Kollege Ruh hofft, dass der Anteil des Schienen-Güterverkehrs, der momentan noch verschwindend gering ist, auf bis zu 25 Prozent gesteigert werden kann. Einerseits sei die Tragfähigkeit der Autobahn an einer Grenze angekommen, zum anderen sei ein Transport mit dem Zug viel energieeffizienter als mit dem Lkw.
Bei mehreren Workshops im Schloss Schillingsfürst kam man mit Unternehmen aus der Region ins Gespräch, die Interesse an einem Anschluss an das Schienennetz haben. Nach den Worten von Patrick Ruh spüre man ein „wachsendes Interesse”. Dies gelte auch für den Nachbarlandkreis Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg.
Derzeit habe das Gewerbe zwischen Heilbronn und Nürnberg abgesehen von einigen Industriegleisen keine Schienenzugangsmöglichkeit. Es ist vorgesehen, dass das Güterterminal eine eigene Zufahrt bekommt. Ein wichtiges Thema, so Ruh, seien die Weichen, die vom Hauptgleis abzweigen. Mit Bahnexperten habe es einen technischen Workshop im August gegeben.
Neben dem Bahn-Bundesamt wurde die Bahn-Tochtergesellschaft DB Infrago frühzeitig eingebunden. Es habe sich gezeigt, dass die Stellwerke in Dombühl und Schnelldorf rechtzeitig digitalisiert werden können. Nun soll ein Grundstück für das Güterverkehrszentrum (GVZ) definiert werden. Dieses werde dann über eine Erbpacht dem Unternehmen zur Verfügung gestellt, das die technische Installation leistet. Der Zweckverband bleibt als Grundeigentümer, wovon man sich eine dauerhafte Mitsprachemöglichkeit verspricht.
Es seien noch viele rechtliche Fragen zu klären, sagte der Vorsitzende. Für den Bau des Gütervekehrszentrums werde voraussichtlich eine eigene Gesellschaft gegründet, an der sich der Zweckverband möglicherweise beteiligt. Das Eigentum an der Schieneninfrastruktur und der Betrieb des GVZ müssen wohl separat ausgeschrieben werden. Klärungsbedarf gibt es auch noch bei den Fördermöglichkeiten. Sie könnten bei 50 bis 80 Prozent der Kosten liegen.
Die geltenden Veränderungssperren im Bereich der aufzustellenden Bebauungspläne verlängerte die Versammlung um ein Jahr bis Februar 2027.
Das zweite Hauptthema, mit dem sich der Zweckverband momentan beschäftigt, ist der geplante Anschluss an die Autobahn A7. Der überarbeitete Vorentwurf werde derzeit von der Autobahn GmbH des Bundes geprüft. Danach könne er zur Planfeststellung eingereicht werden.
Keine Überraschungen gab es bei der Verabschiedung des Haushalts für das laufende Jahr. Er umfasst rund 1,9 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 652.000 Euro auf den Verwaltungshaushalt und 1,255 Millionen Euro auf den Vermögenshaushalt. Die Einnahmen des Verbands kommen hauptsächlich aus der Verwaltungs- und der Investitionsumlage der beteiligten Städte und Gemeinden Feuchtwangen, Schillingsfürst, Diebach, Dombühl, Schnelldorf, Schopfloch, Wettringen und Wörnitz. Daneben gibt es Pachteinnahmen aus den 147 Hektar Land, die dem Verband gehören sowie ein paar kleinere Posten.
Im Vermögenshaushalt sind Ausgaben für Grundstückskäufe (400.000 Euro), für Planungen für die Bahnanlage (100.000 Euro) und für die Autobahn-Anschlussstelle (500.000 Euro) sowie für die Tilgung von Krediten (245.000 Euro) veranschlagt. Eine Kreditaufnahme ist nicht vorgesehen, es gibt aber eine Kreditermächtigung aus dem Vorjahr über 750.000 Euro. Zum Jahreswechsel hatte der Verband Schulden in Höhe von knapp drei Millionen Euro. Ende dieses Jahres soll der Schuldenstand ungefähr 3,465 Millionen Euro betragen.