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Veröffentlicht am 18.04.2025 12:32

Was macht die Ansbacher Feuerwehr im Kriegsfall?

Es ist das Szenario, über das man eigentlich nicht nachdenken will: der Kriegsfall. Was passiert, wenn ein Nato-Partner angegriffen wird? Und was hat das mit der Feuerwehr in Ansbach zu tun? Mehr als man im ersten Moment denken mag.

Stadtbrandrat Steffen Beck beschäftigt sich seit Wochen intensiv mit dem Operationsplan Deutschland und dessen Auswirkungen auf die Einsatzkräfte in Ansbach. Der Operationsplan D ist als Folge der Corona-Pandemie und des russischen Angriffs auf die Ukraine entwickelt worden. Es geht darum, die Infrastruktur im Verteidigungsfall aufrecht zu erhalten. Hierfür müssen militärische und zivile Einrichtungen zusammenarbeiten, wobei die Bundeswehr federführend ist und die Rettungskräfte zuarbeiten.

Immer neue Bedrohungen

Eine schwelende Bedrohungslage herrscht bereits jetzt, machte Steffen Beck in der Versammlung des Stadtfeuerwehrverbandes deutlich. Er erinnerte an Drohnensichtungen im Bereich von Militäranlagen, an die Sabotage von Datenkabeln in der Ostsee oder auch an Desinformation im Zusammenhang mit der zurückliegenden Bundestagswahl.

Das bestätigte Oberbürgermeister Thomas Deffner und erzählte von abstrusen Aussagen im Umfeld der Bundestagswahl. Unter anderem gab es Personen, die der Dokumentenechtheit der Buntstifte misstraute und lieber auf den eigenen Kugelschreiber setzte.

„Die Zahl der Sonderlagen wird immer größer.“

Ganz generell ist für den OB klar: „Die Zahl der Sonderlagen wird immer größer.“ Er dankte den Feuerwehr-Leuten ausdrücklich für die kurzfristige Unterstützung bei der zusätzlichen Absicherung des Weihnachtsmarktes.

Inzwischen seien die Sperrelemente geliefert, um den Wochenmarkt gegen Amokfahrten abzusichern, berichtete der OB. Es müssten noch kleine Vorbereitungsmaßnahmen wie das Begradigen des Pflasters erledigt werden, dann könne der Markt zurück auf den Martin-Luther-Platz ziehen.

Auch verlässliche Medien sind wichtig

Die kritische Infrastruktur, die für ein geordnetes Zusammenleben sorgt, ist dabei heute umfangreicher als früher, machte der Stadtbrandrat vor seinen Kommandantenkollegen klar.

Denn neben der Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln und der Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens spielen auch die Themen Energieversorgung, Abfallentsorgung, Telekommunikation oder das Transportwesen mit hinein. Und ebenfalls ganz wichtig sind auch ein funktionierender Staat, verlässliche Medien und ein funktionierendes Finanzsystem.

Man kann sich vorstellen, wie schnell sich ein Aufstand entwickelt, wenn keiner mehr etwas bezahlen kann, weil die Banken zusammengebrochen sind. „Da werden die Menschen schnell unruhig“, sagte OB Deffner.

Die Stadt ging schon in Vorleistung

Die Stadtverwaltung arbeite daran, möglichst widerstandsfähig gegen Attacken aller Art zu sein, betonte der Oberbürgermeister. Interdisziplinäre Arbeitsgruppen kämen zu regelmäßigen Treffen zusammen, um Strategien zu entwickeln. Bei einigen Aspekten sei die Stadt bereits in Vorleistung gegangen, machte der OB deutlich und verwies auf das neue Sirenensystem, das installiert worden ist. Auch in Sachen Notwasserversorgung ist Ansbach gut aufgestellt und kann sich aus Notbrunnen bedienen. „Da haben wir vielen anderen etwas voraus.“

Die Führung des Stadtfeuerwehrverbandes hat in den vergangenen Wochen abgefragt, wie viele Feuerwehrler in irgendeiner Form in einem Bereich arbeiten, der der kritischen Infrastruktur zuzuordnen ist. Bei den bisherigen Rückmeldungen liegt Ansbach etwas unter den durchschnittlichen 30 bis 40 Prozent, doch etliche FFW-Mitglieder haben noch keine Daten durchgegeben.

Kommt es zu einem Nato-Verteidigungsfall gegen Russland, wird Deutschland der zentrale Umschlagplatz für Fahrzeuge, Ausrüstung und Truppen, machte Stadtbrandrat Beck deutlich. „Mittelfranken wird dabei eine große Rolle spielen.“

Aufgaben verändern sich

Und auch hier müssen sich die Feuerwehren im Stadtgebiet darauf einstellen, dass neue Aufgaben auf sie zukommen können. Es kann ja einen Unfall zwischen einem Panzer und einem Pkw geben. Da sind die Anforderungen natürlich anders als bei einem Unfall zwischen zwei Kleinwagen.

Auch werden die zivilen Rettungskräfte in einem solchen Szenario gebraucht, um Verwundete von der Front in Krankenhäuser zu bringen. Die Kliniken sind indes aufgefordert, sich auf ganz andere Operationen einzustellen. Amputationen kommen in Häusern wie ANregiomed derzeit zum Glück nur selten vor. Beck: „Wir wollen keine Angst machen, aber es ist erschreckend, womit man sich alles auseinandersetzen muss.“ Trotz allem könne man in Ansbach „durchaus beruhigt in die Zukunft schauen“, befand der OB.

Die Feuerwehr in Ansbach bereitet sich auf den Ernstfall vor. Im Operationsplan Deutschland ist festgelegt, welche Arbeiten die zivilen Kräfte übernehmen sollen. (Archivfoto: Jim Albright)
Die Feuerwehr in Ansbach bereitet sich auf den Ernstfall vor. Im Operationsplan Deutschland ist festgelegt, welche Arbeiten die zivilen Kräfte übernehmen sollen. (Archivfoto: Jim Albright)
Die Feuerwehr in Ansbach bereitet sich auf den Ernstfall vor. Im Operationsplan Deutschland ist festgelegt, welche Arbeiten die zivilen Kräfte übernehmen sollen. (Archivfoto: Jim Albright)
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