Weihenzell plant umfangreiche Kanalarbeiten – und will pfiffige Technik einsetzen | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 26.02.2026 11:21

Weihenzell plant umfangreiche Kanalarbeiten – und will pfiffige Technik einsetzen

Im östlichen Teil des Hauptorts von Weihenzell stehen Kanalsanierungen an.  (Symbolbild: Luca Paul)
Im östlichen Teil des Hauptorts von Weihenzell stehen Kanalsanierungen an. (Symbolbild: Luca Paul)
Im östlichen Teil des Hauptorts von Weihenzell stehen Kanalsanierungen an. (Symbolbild: Luca Paul)

Bei der Beantwortung der Frage, wie es mit den anstehenden Kanal-Sanierungen in Weihenzell weitergehen soll, ist der Gemeinderat einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Beschlossen wurde einstimmig, Vorhaben für insgesamt über eine Million Euro brutto auf den Weg zu bringen.

So soll zum einen eine komplette Neuverlegung des Talsammler-Kanals vorgenommen werden. Dies betrifft ein zirka 500 Meter langes Teilstück zwischen dem Sägewerk an der Kreisstraße und dem östlichen Rand des Weiher-Areals. Zum anderen werden Kanal-Renovierungen und -Reparaturen im Bereich des östlichen Kernorts vorgesehen.

Kanalnetz wurde per Kamera inspiziert

Grundlage der Entscheidungen war eine im Vorfeld durchgeführte Kamera-Befahrung des Kanalnetzes in den Bereichen, in denen der Wasserversorger Reckenberggruppe eine Neuverlegung von Trinkwasserleitungen plant, und in Abschnitten mit bekannten Problemen. Berechnet wurde außerdem die hydraulische Kapazität des gesamten Netzes.

Die Experten des beauftragten Ingenieurbüros, Christian Schmaus und Jörg Zenker, stellten zunächst ausführlich die gewonnenen Erkenntnisse vor. Demnach sind im östlichen Kernort 30 bis 40 Prozent der untersuchten Bereiche sanierungsbedürftig und entsprechen den Schadensklassen drei, vier oder fünf. Fünf bedeutet gravierende Schäden, die eine besonders große Gefahr für Gewässer und öffentliche Sicherheit darstellen.

Man habe aber immerhin nichts gefunden, das, salopp gesagt, kurz vor dem Zusammenkrachen sei, so Christian Schmaus. „Aber die Bereiche der Kategorie fünf sollten innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre in Angriff genommen werden.“

Nur eine Aufgrabung erforderlich

Positiv aus Sicht der Gemeinde sei, dass man bis auf eine Stelle ohne Aufgrabungen auskommen werde. Zum Einsatz könne stattdessen auf 600 Kanalmetern die günstigere und schneller umsetzbare Inliner- oder Schlauchlinertechnik kommen: Dabei wird ein flexibler, mit Harz getränkter Schlauch in das beschädigte Rohr eingeführt. Dieser wird dann aufgeblasen und ausgehärtet, sodass ein neues, dichtes Rohr entsteht.

„Die Technik ist mittlerweile sehr gut erprobt. Wir können daher von einer Lebensdauer von über 30 Jahren ausgehen, die Tendenz geht sogar Richtung 40 bis 50 Jahren.“ Hinzu kämen einige punktuelle Reparaturen sowie Maßnahmen an defekten Schächten.

Die Kostenprognose belaufe sich auf 270.000 Euro. 90 Prozent davon sind voraussichtlich förderfähig, die Förderquote beträgt ein Drittel. Umfangreicher stellt sich der Optimierungsbedarf im Bereich des Talsammler-Kanals dar. Hier empfiehlt das Ingenieurbüro den kompletten Neubau der Leitung mit einer Vergrößerung des Querschnitts.

Wasser fließt nicht mehr ab

Denn dort gibt es Punkte, an denen die Infrastruktur schon im Fall eines alle zwei bis drei Jahre zu erwartenden Starkregenereignisses überfordert ist. „Da kommt das Wasser dann zum Kanalschachtdeckel heraus“, erläuterte Jörg Zenker. Unschön, schließlich ist dies ein Mischwasserkanal, in den auch Haushaltsabwässer fließen.

Man habe auch dort einige schadhafte Stellen. Das zu Grunde liegende Problem sei aber ein ganz anderes. „Es besteht ein Gegengefälle, wodurch die Fließgeschwindigkeit entweder reduziert wird oder das Wasser gar nicht mehr abfließt.“ Eine kurzfristige Behebung einiger Defekte sei zwar möglich, führe aber in Zukunft weiterhin zu dauerhaftem und hohem Betriebsaufwand. „Der Kanal muss häufig gespült werden.“ In 30 Jahren würden diese zusätzlichen Ausgaben die Mehrkosten durch die Neuverlegung übertreffen.

„Wir wissen, dass wir etwas tun müssen”

Nach anderthalbstündiger Beratung und vielen Nachfragen ließ sich der Gemeinderat überzeugen, mit einer Neuverlegung des Kanals auf ungefähr 500 Metern weiter zu planen. Die Kostenschätzung liegt bei 800.000 Euro, ebenfalls bei möglicher Förderung in Höhe von einem Drittel. „Da bleibt uns wohl nichts anderes übrig. Wir wissen, dass wir etwas tun müssen“, fasste es der zweite Bürgermeister Thomas Müller zusammen.

Beschlossen wurde schließlich, die vorgestellten Maßnahmen im Bereich des östlichen Kernorts bereits in der zweiten Jahreshälfte anzugehen. Der neue Talsammler-Kanal soll 2027 folgen. Bis zum Beginn der jeweiligen Bauarbeiten müssen die Förderanträge eingereicht werden.

Ebenfalls noch durchgeführt werden soll die Kamerabefahrung der Petersdorfer Straße. Diese konnte vergangenes Jahr aufgrund technischer Probleme nicht vollständig erfolgen. Möglicherweise leiten sich auch hiervon weitere Schritte ab.

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