Bunte Blätter, Atemwölkchen, Herbst! Und wieder einmal steht eine Heizsaison an - und damit für viele die Frage: Wie komme ich da möglichst günstig durch? Die Heizung einfach runterdrehen, das ist in jedem Fall nicht die einzige - und oft auch bei weitem nicht die beste - Option.
Was stattdessen häufig hilft: an ein paar Gewohnheiten im Alltag drehen und klassische Heizfehler vermeiden. Hieran können Sie leicht etwas ändern:
„Gekippte Fenster sind fatal“, sagt Klaus-Jürgen Edelhäuser von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. „Wenn über lange Zeit kalte Luft in die Wohnung strömt, steigt der Energieverbrauch. Denn die kalte Luft streicht nach unten, trifft auf das Thermostatventil. Ist es geöffnet, heizt die Heizung so lange, bis die eingestellte Temperatur erreicht ist, also dauerhaft.“
Klar: Damit wird viel Energie buchstäblich aus dem Fenster gelüftet. Machen Sie es also besser. Und zwar, indem Sie das Ventil vollständig schließen, ein paar Minuten bei weit geöffneten Fenstern stoßlüften und danach die Fenster komplett schließen. Dann das Thermostat auf die gewünschte Raumtemperatur einstellen, zum Beispiel auf Stufe 3 für 20 Grad Celsius.
Übrigens: Auch sehr ausschweifendes Lüften ist keine gute Idee. „Wer zu lange lüftet oder einfach nur vergisst, die Fenster zu schließen, tauscht nicht nur die Raumluft aus. Es kühlen auch die Außenwände ab, was Schimmel begünstigt“, so Alexander Steinfeldt, Energieexperte der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online.
Das Lüften braucht nicht viel Zeit. „Wer tagsüber zu Hause ist, sollte mehrmals täglich für wenige Minuten die Fenster öffnen, um die verbrauchte Luft auszutauschen“, so Steinfeldt. „Durchzug durch ein geöffnetes gegenüberliegendes Fenster beschleunigt diesen Prozess.“
Dieser Fehler ist weit verbreitet: Man kommt durchgefroren nach Hause und dreht erst einmal die Heizung auf die höchste Stufe. Doch es ist ein Trugschluss anzunehmen, dass der Raum schneller warm wird, je höher man das Thermostat dreht. So funktioniert die Heizung nämlich nicht.
Bei einer Zentralheizung stehen die Ziffern am Thermostat für die gewünschte Temperatur. Die Stufe 3 bedeutet in der Regel eine Raumtemperatur von 20 bis 21 Grad Celsius. „Es wird also nicht schneller warm, wenn man auf Stufe 5 dreht, sondern die Heizung heizt dann weiter, bis die Zimmertemperatur etwa 28 Grad Celsius beträgt“, so Alexander Steinfeldt.
Stehen Räume über längere Zeit leer, etwa weil die Kinder ausgezogen sind, muss dort nur wenig geheizt werden. „Wichtig ist dann aber, die Türen dieser Zimmer geschlossen zu halten, damit sich die kühle Luft nicht in der ganzen Wohnung ausbreiten kann“, so Christian Zarmstorf von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Dann würden die Heizungen in den beheizten Zimmern immer weiter heizen.“
Überhaupt: „Feuchtigkeit ist das Schlüsselwort beim Heizen und Lüften“, sagt Klaus Jürgen Edelhäuser. Bei zu feuchter Raumluft können an kühleren Oberflächen Schimmelsporen wachsen. Wer zum Beispiel seine Wäsche in der Wohnung trocknet, sollte deswegen darauf achten, dass regelmäßig die feuchte Luft rausgelüftet wird.
Die Wäsche an kalten Tagen über lange Zeit bei geöffnetem Fenster und ausgeschaltetem Thermostat zu trocknen, ist aber keine gute Idee. Die Räume kühlen zu sehr aus und brauchen danach lange, um sich wieder zu erwärmen. „Beim Wäschetrocknen verdunsten pro Waschladung mehrere Liter Wasser. Deswegen sollte die Heizung nicht heruntergedreht werden, weil warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann als kalte Luft“, so Alexander Steinfeldt. Entscheidend ist, dass während des Trocknens regelmäßig gelüftet wird. Auch hier ist ein Hygrometer hilfreich.
Ob die Heizung nachts und bei längerer Abwesenheit tagsüber abgesenkt werden sollte, das hängt von der Art der Heizung und vom Zustand des Gebäudes ab. „Bei einer Gas- oder Ölheizung macht die Nachtabsenkung meist Sinn“, so Christian Zarmstorf. „Bei Wärmepumpen und Brennwertheizungen ist sie dagegen nicht hilfreich, weil eine hohe Vorlauftemperatur notwendig ist, um die ausgekühlten Räume morgens wieder aufzuheizen.“ Und das braucht bei diesen Heizungen viel Energie.
Vollständig abschalten sollte man die Heizung laut Alexaner Steinfeldt in der Nacht ohnehin nicht: „Die Räume würden zu stark auskühlen und die Gefahr steigt, dass sich Feuchtigkeit an den Wänden absetzt und sich Schimmel bildet.“
Bevor die Heizung im Herbst das erste Mal aufgedreht wird, sollte geprüft werden, ob genug Wasser im System ist, und ob sich eventuell Luftpolster gebildet haben. Das Stichwort: Heizkörper entlüften. Und: „Auch Thermostate altern“, sagt Klaus-Jürgen Edelhäuser. „Wenn es im Raum trotz Einstellung auf Stufe 3 zu kalt bleibt oder viel zu warm wird, sollte man in Betracht ziehen, die alten Thermostate prüfen zu lassen und gegebenenfalls auszutauschen.“
Für Hausbesitzer außerdem wichtig: die Heizkurve an der Therme optimal einstellen. Eine Heizkurve bestimmt, wie warm das Heizwasser bei einer bestimmten Außentemperatur sein muss, damit es im Haus angenehm warm bleibt. „Ist zum Beispiel die Vorlauftemperatur zu hoch eingestellt, wird unnötig Energie verbraucht“, so Christian Zarmstorf.
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