Beim Verein Alt-Rothenburg ist die Position des Vereinsvorsitzenden vakant. Für die bisherige Vorsitzende Karin Bierstedt, die in der Hauptversammlung aus zeitlichen Gründen ihren Rücktritt erklärt hat, wurde keine Nachfolge gefunden.
In einer geheimen, schriftlichen Abstimmung kristallisierte sich Lothar Schmidt als möglicher Kandidat heraus. Sieben Wahlberechtigte hatten ihn als Wunschkandidaten auf ihren Zettel geschrieben. Schmidt lehnte jedoch ab – eine „Vernunftentscheidung aus beruflichen Gründen“, wie er sagte, die er schweren Herzens treffe. Auch von den weiteren Personen, die auf den Wahlzetteln genannt wurden, erklärte sich niemand bereit, den Posten zu übernehmen.
„Daher stehen wir nun ohne Vorsitzenden da“, sagte Dr. Hellmuth Möhring. Er wurde als stellvertretender Vorsitzender wiedergewählt. Der bisherige Kassier Reinhard Sperber trat aus persönlichen Gründen nicht mehr zur Wahl an, und auch für Schriftführer Dr. Florian Huggenberger musste ein Nachfolger gefunden werden. Beide Ämter wurden neu besetzt: Josef Hofbauer kümmert sich zukünftig um die Finanzen, Dr. Mathias Braun übernimmt das Amt des Schriftführers. Als Stellvertreter werde er sich um geeignete Kandidaten für den Vereinsvorsitz bemühen und baldmöglichst eine neue Sitzung einberufen, kündigte Dr. Möhring an.
Oberbürgermeister Dr. Markus Naser dankte in seinem Grußwort dem bisherigen Vorstandsteam. „Sie haben den Verein im August 2021 übernommen, das war eine turbulente Zeit.“ Unter anderem sei das bislang größte Bauprojekt in der Geschichte des Vereins zu stemmen gewesen.
Gemeint ist damit die Sanierung der Judengasse 12, die in der Sitzung heftig diskutiert wurde. Denn statt der ursprünglich rund 1,35 Millionen Euro ist das Projekt mittlerweile mit rund 1,75 Millionen Euro veranschlagt, wie Reinhard Sperber in seinem Bericht darlegte. Damit habe der Verein nicht wie ursprünglich geplant rund 250.000 Euro selbst zu finanzieren, sondern 400.000 Euro mehr. Der Grund seien die gestiegenen Kosten im Bauwesen. Es sei Aufgabe des neuen Kassiers, Ideen zu entwickeln, wie sich dieses Defizit langfristig abwickeln lasse, so Sperber.
Er befürchte, dass der Verein in eine Schuldenfalle hineinlaufe, sagte Dr. Karl-Heinz Schneider. „Wie soll das finanziert werden, ohne dass der Verein altes Vermögen verschachert?“, fragte er. Die Einnahmen des Vereins aus Mitgliedsbeiträgen, Mieten und Eintrittsgeldern seien hier „Peanuts“. Er könne unter diesen Voraussetzungen den Vorstand nicht entlasten.
Die Chance, weitere Fördermittel zu erhalten, sah hingegen Josef Hofbauer. Möglicherweise blieben dann „nur zehn bis 15 Prozent der Zusatzkosten am Verein hängen“. Die Judengasse sei „ein einmaliges Projekt, da muss man Gelder auftun“. Und: „Bei allen Baumaßnahmen sind die Kosten gestiegen, das ist kein Vergehen des Vorstands.“ Sie habe bezüglich weiterer Fördergelder bereits Gespräche geführt, so Karin Bierstedt. Die Kostensteigerung von 400.000 Euro sei ein „Worst-Case-Szenario“, sagte sie. Und: „Wir können nicht in die Zukunft schauen.“
Von einer „erheblichen Finanzierungslücke, die geschlossen werden muss“, schreibt Kassenprüfer Peter Schaumann in seinem Bericht. Er schlug, genau wie sein Kollege Eduard Knoll, die Entlastung des Vorstands vor. Knoll allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Ausschuss des Vereins umfassend über die Situation informiert war.
Ob dies der Fall war, darüber herrschte Uneinigkeit. Von Anfang an habe es regelmäßige Sitzungen und Protokolle gegeben, sagte Karin Bierstedt. Der Vorstand habe „sehr viel Zeit auf dem Bau verbracht“. Man dürfe nicht vergessen, dass alles ehrenamtlich geleistet werde. Und: „Wir haben immer wieder über die Finanzierung und über Lücken im Ausschuss“ gesprochen.
„Wir haben nichts davon gewusst“, meinte hingegen Ausschussmitglied Gudrun Knoll-Schäfer. „Kostenüberschreitungen von mehr als zehn Prozent hätten gemeldet werden müssen.“ Und auch Hans-Gustaf Weltzer, als Stadtheimatpfleger geborenes Mitglied im Ausschuss, beklagte: „Über viele Maßnahmen wurden wir nicht informiert“, insbesondere vermisse er Informationen zur baulichen Ausgestaltung des Gebäudes.
Ausschussmitglied Camilla Ebert will „dem Vorstand keinen Vorwurf machen“. Zwar habe auch ihr teilweise die Transparenz gefehlt, „ich habe es aber auch versäumt, nachzufragen“. Letztendlich stimmten 24 der anwesenden Mitglieder für die Entlastung des Vorstands, Dr. Schneider wie angekündigt dagegen, sieben Personen enthielten sich. Auch die Ausschussmitglieder wurden entlastet.