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Veröffentlicht am 20.01.2026 10:23, aktualisiert am 20.01.2026 14:17

„Wetten, dass..“ die Kaulitz-Zwillinge das wirklich können?

Die Brüder Bill und Tom Kaulitz sollen womöglich „Wetten, dass..? übernehmen. (Archivfoto) (Foto: Annette Riedl/dpa)
Die Brüder Bill und Tom Kaulitz sollen womöglich „Wetten, dass..? übernehmen. (Archivfoto) (Foto: Annette Riedl/dpa)
Die Brüder Bill und Tom Kaulitz sollen womöglich „Wetten, dass..? übernehmen. (Archivfoto) (Foto: Annette Riedl/dpa)

Vor 20 Jahren standen Bill und Tom Kaulitz in einem Dauerregen, der gefährlich hätte werden können. Das Lied „Durch den Monsun“ (2005) machte die beiden Zwillinge mit ihrer Band Tokio Hotel zu Jugendidolen - in einem Alter, in dem ein Hype oft nicht nur beflügeln, sondern auch verbrennen kann. Die Popgeschichte ist gepflastert mit gefallenen Teenie-Stars. Es kam jedoch anders. Ganz anders.

Rund zwei Jahrzehnte später steht plötzlich eine Frage im Raum, die lange absurd geklungen hätte: Könnten die Kaulitz-Zwillinge - einst zusammen ein Oma-Schreck mit toupierten Haaren und Piercing - die Familiensendung „Wetten, dass..?“ im ZDF moderieren? 

Der stets gut informierte Branchendienst dwdl.de berichtete von entsprechenden Plänen. Vom ZDF kommt zumindest kein Dementi, sondern die Aussage, man habe „große Pläne“ mit den beiden. Alles Weitere soll noch verkündet werden. Diese Werbestrategie, das Interesse nach und nach anzufeuern, erinnert ans TV-Comeback von Stefan Raab 2024.

„Wetten, dass..?“ ist das biedermeierliche Bernsteinzimmer der deutschen TV-Unterhaltung: kostbar, sagenumwoben, vermisst und nie ganz vergessen. Es wäre ganz sicher der Höhepunkt einer der erstaunlichsten Erfolgsgeschichten der deutschen Popkultur. Aus Teenie-Stars wurden Medienprofis - gefragt, selbstironisch und erstaunlich präsent. Und womöglich Showmaster.

Häme, Hass – und Halt

Wie kam es dazu? Entscheidend dürfte ein Schritt gewesen sein, den die in Magdeburg aufgewachsenen Brüder 2010 vollzogen: Sie wanderten in die USA aus. Es war keine Flucht, sondern Emanzipation. 

Der Hype in Deutschland hatte damals nicht nur Gutes hinterlassen - nach „Durch den Monsun“ prasselte auf die Brüder nicht nur Zuneigung, sondern auch ein erstaunliches Maß an Häme und Hass ein. Über Tokio Hotel zu witzeln - über ihr Aussehen, ihr Auftreten, ihre Musik - gehörte zeitweise zum Pflichtprogramm der deutschen Humor-Industrie. Dabei waren die Band-Mitglieder nicht einmal erwachsen.

Dass das Spuren hinterlässt, ist klar. Das Wichtigste sei gewesen, dass sie sich gegenseitig gehabt hätten, sagte Bill Kaulitz 2024 einmal rückblickend über diese Zeit und seinen Bruder. „Darum sind wir, glaube ich, ganz gut da so durchgekommen.“ Es ist eine ermutigende Erzählung: Zwei Brüder trotzen dem Ungemach der Welt - und bleiben dabei fröhlich. Heute sind sie 36 Jahre alt. 

Ein Medienimperium mit Glamour

Die Geschichte – das Narrativ, wie man akademisch sagen würde – stimmt also schon einmal. Hinzu kommt nun, dass die Zwillinge mittlerweile von den USA aus eine Art Medienimperium mit angeschlossenem, bestens laufendem Boulevard-Zirkus betreiben. Tom ist mit Heidi Klum verheiratet, was natürlich fortlaufend für Gesprächsstoff sorgt. Der gemeinsame Podcast „Kaulitz Hills - Senf aus Hollywood“ ist viel gehört und viel zitiert, ihre Netflix-Serie „Kaulitz & Kaulitz“ gewann jüngst den Deutschen Fernsehpreis. 

Wer eine deutschsprachige Produktion sucht, die annähernd an die Bling-Bling-Souveränität von US-Reality-Sendungen à la „Keeping Up with the Kardashians“ herankommt - er landet geradewegs bei den Kaulitz-Brüdern.

Fernseh-Erfahrung haben die beiden mittlerweile reichlich gesammelt - zugegebenermaßen mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Einige Versuche, sie als Showmaster zu etablieren - etwa die „Die Superduper Show“ bei ProSieben - sind längst und zurecht in Vergessenheit geraten. 

Thomas Gottschalk höchstpersönlich, „Wetten, dass..?“-Urgestein, ätzte 2024 in einem Podcast, dass er es für keine gute Idee halte, den beiden „Wetten, dass..?“ zu geben: „Die haben es ja schon nicht mal geschafft, ihre eigene Sendung weiterzumachen.“ Gottschalks Einwand verwies aber auch auf ein altes Fernsehproblem: Wer zu jung wirkt, gilt schnell als nicht ernsthaft genug.

„Wetten, dass..?“ wäre jedenfalls frei. Gottschalk hat die Show 2023 abgegeben und sich mittlerweile in die Samstagabend-Show-Rente verabschiedet. Nicht wenige nahmen an, dass damit das Ende dieser Zeit des Fernsehens erreicht ist. 

Im bekanntesten Hit von Tokio Hotel heißt es aber „Ich muss durch den Monsun, hinter die Welt - ans Ende der Zeit, bis kein Regen mehr fällt.“ Vielleicht geht bald an einem Samstagabend noch einmal eine Sonne auf – diesmal ohne Dauerregen.

© dpa-infocom, dpa:260120-930-569687/4


Von dpa
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