Wie einst Pheidippides: Dinkelsbühlerin läuft Spartathlon in Sandalen | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 30.09.2025 14:32

Wie einst Pheidippides: Dinkelsbühlerin läuft Spartathlon in Sandalen

Am Ziel: Purity Jenninger umarmt den Fuß von Leonidas. (Foto: privat)
Am Ziel: Purity Jenninger umarmt den Fuß von Leonidas. (Foto: privat)
Am Ziel: Purity Jenninger umarmt den Fuß von Leonidas. (Foto: privat)

Emotionale Szenen spielen sich beim Spartathlon unter dem Denkmal von König Leonidas in Sparta ab. Wer es bei diesem Ultralauf ins Ziel geschafft hat, berührt rituell den Fuß der mächtigen Statue und bekommt einen Lorbeerkranz aufs Haupt gesetzt. Den hat sich auch die Dinkelsbühlerin Purity Jenninger abgeholt, zum zweiten Mal.

Als Ultraläuferin ist die 42-Jährige lange Strecken gewöhnt. Sie läuft nicht schnell, aber enorm ausdauernd. 100-Kilometer-Läufe und 100-Meilen-Läufe hat sie im Dutzend bewältigt. Der Spartathlon jedoch gilt selbst in der Ultra-Szene noch einmal als spezielle Herausforderung: 246 Kilometer am Stück, ohne Schlaf, ohne Pause, von Athen nach Sparta.

Der Bote wollte Hilfe im Krieg

Der griechische Bote Pheidippides soll die Strecke während der Perserkriege zurückgelegt haben, um bei den Spartanern Hilfe für eine Schlacht zu organisieren. Er lief morgens los und kam am nächsten Tag gegen Abend an. So ist es auch 500 Jahre später noch, deshalb das Zeitlimit: 36 Stunden.

Was die Wahl des Schuhwerks betraf, war Jenninger dem Boten Pheidippides wohl von allen rund 400 Teilnehmenden am nächsten. Sie lief die Strecke in Sandalen. Der Rest ihres Outfits hatte mit Pheidippides dann nicht mehr so viel zu tun. Jenninger lief auch in Griechenland wieder in einer Tracht ihres Heimatlandes Kenia. Mit den bunten Gewändern und dem aufwendigen Schmuck fiel sie auf unter all den Funktionsshirt- und Sportschuhträgern.

Geschafft: Purity Jenninger nach knapp 36 Stunden im Ziel, als erste Läuferin aus Kenia. (Foto: Ralf Simon)
Geschafft: Purity Jenninger nach knapp 36 Stunden im Ziel, als erste Läuferin aus Kenia. (Foto: Ralf Simon)

Ultraläuferin aus Dinkelsbühl meistert Spartathlon

246 Kilometer von Athen nach Sparta in 36 Stunden: Purity Jenninger ließ sich weder von einem Hundebiss, noch von Hunger, Durst oder Müdigkeit aufhalten.

Jenninger hat den Spartathlon 2023 schon einmal bewältigt, in 35:49 Stunden. Damals war es knapp mit dem Zeitlimit, sie litt, an der Strapaze, an Straßenhunden und den unbarmherzigen Vorgaben der insgesamt 75 Checkpoints. Auch diesmal reizte sie das Zeitlimit fast aus, war erneut erst nach 35:49 Stunden im Ziel, allerdings wesentlich entspannter als beim ersten Mal.

Die Zeit spielt keine Rolle

„Bei der 200-Kilometer-Marke wusste ich, dass ich es sicher ins Ziel schaffe und habe mir auf den restlichen Kilometern dann relativ viel Zeit gelassen”, so Jenninger. Dass sie durch das Schaulaufen eine bessere Zeit verspielte, kann sie locker verschmerzen: „Jeder, der beim Spartathlon ins Ziel kommt, ist ein Gewinner, egal in welcher Zeit”.

Die schnellste Frau war Andreas Mórocza aus Ungarn, die 25:09 Stunden unterwegs war. Gesamtsieger wurde der Tscheche Radek Brunner in 21:24 Stunden. Der Streckenrekord liegt bei unter 20 Stunden.

Dauerregen und Kälte

Das Outfit von Jenninger sorgte zwar wie gewünscht für mächtig Aufmerksamkeit, praktisch war es nicht. Starker Regen begleitete die Läufer über viele Stunden hinweg, in der Nacht wurde es kalt, teilweise wehte heftiger Gegenwind. Jenninger behalf sich unter anderem mit wasserdichten Socken.

Show oder Sport? Egal. In diesem Aufzug und vor allem mit diesem Schuhwerk ist Purity Jenninger Aufmerksamkeit gewiss. (Foto: Steve Jenninger)
Show oder Sport? Egal. In diesem Aufzug und vor allem mit diesem Schuhwerk ist Purity Jenninger Aufmerksamkeit gewiss. (Foto: Steve Jenninger)

Warum eine Dinkelsbühler Ultraläuferin jetzt in Sandalen rennt

Urlauber laufen damit vom Frühstücksbüffet zum Strand, Purity Jenninger durch ganz Deutschland. Sportschuhe? Werden überschätzt.

Dennoch konnte sie den Lauf, der zwar meist über Straßen führt, teilweise aber auch über raues Gelände mit etlichen Höhenmetern, über weite Strecken genießen. „Ich war besser vorbereitet als beim ersten Mal und musste nicht so mit den Zeitlimits kämpfen.” Ein bisschen Schweiß blieb aber übrig, um den Fuß von Leonidas damit zu polieren. Etliche Zehen des Königs sind schon ganz blank.


Alexander Keck
Alexander Keck
Der noch in Vor-Internetzeiten der FLZ zugelaufene Schwarzwälder hat im Verlauf von fast drei Jahrzehnten die fränkischen Merkwürdigkeiten, die in Ohrmuscheln (Allmächd!) und auf Esstellern (Saure Zipfel!) landen schätzen gelernt. Nur die im Vergleich zu Spätzle stets zu breiigen Knödel mag der Schwabe nicht. Das Schreiben über Sport dagegen immer noch sehr - gerne auch abseits des Mainstreams.
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