Auf dem bayerischen Arbeitsmarkt ist keine Entspannung in Sicht. Die Arbeitslosenzahl im Januar sei die höchste in einem Januar seit 2010, sagte Markus Schmitz, Chef der bayerischen Arbeitsagenturen und Jobcenter, laut Mitteilung. „Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten geht leicht zurück.“ Das sei kein positives Zeichen. Die Chance, aus der Arbeitslosigkeit in eine Erwerbstätigkeit zu kommen, sei ebenfalls erneut gesunken.
Die Zahl der Arbeitslosen stieg zu Jahresbeginn: 344.777 Menschen waren ohne Arbeit, das sind 33.982 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote lag im Januar bei 4,4 Prozent, das sind 0,4 Prozentpunkte mehr als im Dezember.
Traditionell steigt im Winter die Zahl der Arbeitslosen, was vor allem daran liegt, dass im Baugewerbe oft witterungsbedingt nicht gearbeitet werden kann und viele Baustellen ruhen. Ein Blick ins Vorjahr zeigt jedoch, dass damals knapp 16.000 Menschen weniger arbeitslos waren als aktuell im Januar.
Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf (CSU) nahm die Debatte um Teilzeitarbeit wieder auf. Der Arbeitsmarkt profitiere von Teilzeit, sagte sie. Man könne damit der Arbeitslosigkeit entgegenwirken. „Flexible Teilzeitmöglichkeiten sind maßgeblich für die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen. Jede und jeder soll einer Beschäftigung nachgehen können, wie es zu ihrer oder seiner individuellen Lebensgestaltung und Verpflichtungen passt.“ Wer Teilzeit über Gebühr beschränke, „verdrängt wichtige Kräfte vom Arbeitsmarkt“.
Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) hatte mit der Forderung nach Einschränkung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit für Aufregung gesorgt, die sie nach Berichten auf dem nächsten CDU-Parteitag als Antrag einbringen will.
Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) betonte, die aktuellen Arbeitslosenzahlen verdeutlichten „die bestehenden Probleme für die bayerische Wirtschaft“. Die geopolitischen Herausforderungen setzten der exportorientierten Industrie in besonderem Maße zu, sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.
Der bayerische DGB-Chef Bernhard Stiedl sieht den bayerischen Arbeitsmarkt in der „Winterstarre“. Wer den Arbeitsmarkt nachhaltig stärken wolle, „muss auf eine kluge und vorausschauende Wirtschaftspolitik setzen. Angriffe auf die Rechte der Beschäftigten oder der Abbau des Sozialstaats schaffen keinen einzigen neuen Job“, sagte er weiter.
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