„Ich kann mich nicht erinnern, dass es so etwas schon mal gab”, sagt Oliver Cesinger, „Kapo” bei den Neustädter Ficht'n Lupfern. Als er und seine Mitstreiter am Samstag in den Stadtwald kamen, um ihre Kirchweihfichte zu holen, fanden sie diese in etwa ein Meter große, zersägte Stücke vor.
Die unbekannten Täter hatten die Teile aufgestapelt und mit roter Farbe „Kirchweih 2026 „aufgesprüht. „Wir haben das Ganze so vorgefunden, wie es jetzt auf dem Marktplatz zu sehen ist”, erzählen Cesinger und Adrian Göß unserer Redaktion.
So richtig sauer sind die beiden und die anderen Ficht'n Lupfer nicht auf die „Übertäter”, fragen sich jedoch, woher diese wussten, an welcher Stelle die Fichte von Mitarbeitern der Stadt gefällt worden war. „Das Gebiet ist ganz schön groß. Durch Zufall stößt man eigentlich nicht darauf.”
Nachdem es mit dem ersten Baum nicht klappte, wurde vor Ort nicht lang gefackelt: Ein Ersatzbaum wurde rasch ausgewählt, von der Senkrechten in die Waagerechte befördert und aus dem Wald transportiert.
Mit roten und weißen Bändern bestückt, machten sich rund 25 Ficht'n Lupfer dann abends mit ihrem rund 21 Meter großen Prachtstück auf den Weg zum Marktplatz, um ihn dort vor einer großen Zuschauermenge mit vereinten Kräften in die Höhe zu stemmen. Dort steht er nun und ragt, schon von weitem sichtbar, über die Dächer der Innenstadt.
In unmittelbarer Nähe ist der zersägte Vorgängerbaum aufgestapelt, gut sichtbar für alle. Adrian Göß und Oliver Zeilinger wundern sich nach wie vor, weshalb die Unbekannten den zersägten Baum einfach im Wald liegengelassen haben und ihn nicht mitnahmen, um ihn, wie bei vielen gestohlenen Maibäumen üblich, etwa gegen ein 50-Liter-Fass Bier auslösen zu lassen.
Noch ist offen, ob die Baumzersäger gefunden werden. Wer weiß: „Wir haben unsere Spione schon angesetzt”, verkündet Adrian Göß grinsend.” Die gute Stimmung ließen sich die Ficht'n Lupfer auf jeden Fall nicht vermiesen.