Einmal mehr haben sich die Stadträte im Bauausschuss wegen der künftigen Nutzung des Rathaus-Komplexes die Köpfe heiß geredet. Anlass war ein neues Nutzungs-Konzept, das die Verwaltung vorgelegt hatte. Letztlich verwies der Ausschuss das Thema aber zur erneuten Beratung in die Fraktionen. Am Mittwoch wird es auf der Tagesordnung des Stadtrats stehen.
Seit dem Jahr 2004 gibt es Überlegungen, den Komplex am Martin-Luther-Platz, bestehend aus dem historischen Rathaus und dem benachbarten, ebenfalls denkmalgeschützten Schrammhaus, zu renovieren und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Doch der zweistellige Millionenbetrag, der dafür notwendig ist, hat dazu geführt, dass man sich nicht einigen konnte.
Jetzt haben Hochbauamts-Chef Dr. Frank Simons und Kulturreferentin Nadja Wilhelm ein neues Konzept erarbeitet. Man müsse auch das benachbarte Stadthaus in die Überlegungen einbeziehen, sagte Simons im Ausschuss. Und man müsse den Komplex zu einem „Wohnzimmer in der Stadt“ machen, das für eine Belebung der Innenstadt sorge, so Wilhelm. Die Idee: Ausgehend von den guten Erfahrungen, die man mit der unkonventionellen Nutzung der Ziegenwiese an der Schaitbergerstraße gemacht habe, könne man auch am Martin-Luther-Platz die stadteigenen Immobilien mit öffentlichkeitswirksamen Nutzungen zum Frequenzbringer machen.
Konkret: Die Tourist-Information soll vom Stadthaus, wo sie aus Wilhelms Sicht kaum auffindbar ist, ins Rathaus umziehen. Das Erdgeschoss des Stadthauses könne dann als Veranstaltungsfläche und sogar als barrierefreier Sitzungssaal für Stadtrats-Gremien genutzt werden.
Ins umgebaute Rathaus sollen die Kämmerei sowie die Stadtkasse zurückkehren. Die Remise im Rathaus-Innenhof soll gastronomisch genutzt werden. Den – möglichst überdachten – Innenhof will man für Veranstaltungen oder Empfänge der Stadt nutzen. Ins Erdgeschoss soll ein „Front-Office“ der Volkshochschule und der Musikschule für mehr Besucher in den historischen Gebäuden sorgen.
Fast flehentlich bat Baureferent Jochen Büschl die Ausschussmitglieder, diesem Konzept zuzustimmen. „Wir müssen bei diesem Projekt endlich mal weiterkommen“, sagte Büschl. Es sei nicht mehr möglich, die Gebäude in ihrem maroden Zustand einfach stehenzulassen: „Das zerbröselt uns sonst unter den Fingern.“ Es müsse jetzt – ergebnisoffen – wieder Leben in die ganze Sache kommen: „Schicken Sie uns auf diese Reise.“
CSU-Fraktions-Chef Jochen Sauerhöfer machte klar, dass seiner Fraktion nach wie vor die im Obergeschoss vorgesehenen Verwaltungs-Arbeitsplätz zu teuer sind: „Wir stehen an der gleichen Stelle wie im letzten Jahr. Es bleibt immer bei den zehn Millionen Euro.“ Er beantragte, das Thema in die Fraktionen zu verweisen und zu klären, ob man Fördergelder für den geplanten Umbau bekommen könne.
Frank Reisner (SPD) schlug in die gleiche Kerbe: „Diese Reise ist mir viel zu teuer.“ Denn bei den Kosten seien der Aufzug im Stadthaus und die Überdachung des Rathaus-Innenhofes noch gar nicht dabei: „Wir landen wahrscheinlich bei 15 Millionen.“
Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) sagte, man müsse jetzt klären, wo die Reise hingehen soll. Egal wie man sich entscheide, der Umbau der Gebäude werde in jedem Fall teuer. Alle Planungen, machte er deutlich, liefen deshalb unter dem Vorbehalt der zur Verfügung stehenden Finanzmittel.
Dem neuen Konzept einiges abgewinnen konnte Sabine Stein-Hoberg (Grüne): „Wir brauchen solche urbanen Stadträume.“ Uwe Schildbach (Offene Linke) fand, das Konzept habe „dem Thema einen neuen Spirit eingehaucht“. Auch weil man das Thema Aufenthalts-Qualität eben nicht nur mit dem Einzelhandel verknüpfe: „Das hat einen unheimlichen Charme.“
Bürgermeister Dr. Markus Bucka fand, man müsse sich jetzt auf die Reise machen. „Was das konkret wird, wird man sehen. Und wenn’s zu teuer wird, kann man immer noch die Bremse reinhauen.“
Gegen sechs Stimmen wurde das Thema zur Beratung in die Fraktionen verwiesen. Am Mittwoch wird es wieder auf der Tagesordnung des Stadtrates stehen. „Aber bitte als Tagesordnungspunkt 1“, sagte Bürgermeister Dr. Bucka.