Rekord zum Jubiläum. Die 50. Herrieder Fotoausstellung bringt pünktlich zum runden Ereignis so viele Aussteller an die Altmühl wie noch nie. 40 Wände sind es dieses Jahr – mehr hätten nicht mehr Platz gehabt, sagt Matthias Bayer, der neue 1. Vorsitzende des Film & Fotoclubs Herrieden.
Er ist seit Mai im Amt, zusammen mit dem gleichberechtigten Zweiten Vorsitzenden Torsten Christ. „Eigentlich wäre es schon die 52. Ausstellung, aber Corona hat uns zwei Jahre gekostet.“ In den Jahren 2020 und 2021 fiel sie wegen der Pandemie aus. Dennoch hat die Ausstellung schon mehr Jahre gesehen als der Herrieder Club selbst, der erst im nächsten Jahr sein 50. Jubiläum begeht.
Der Ratssaal vermittelt nicht den Eindruck einer Überfüllung. Die Ausstellung ist eine gepflegte Schau der Kunst der Hobbyfotografen aus Herrieden und Mittelfranken und ein beliebtes Stelldichein der Szene zum Jahreswechsel.
Auf einheitliche Stellwände fällt genormtes, flächiges Licht und die Präsentation der Bilder ist hochwertig und geschmackvoll. Schwarz-Weißfotos haben Konjunktur und sogar die Analogfotografie hat noch einen Bekenner. Bei den Themen gibt es keine große Unruhe: die Hälfte der Herrieder Fotografen liefert Naturaufnahmen.
Friedrich Weigel zeigt, dass weniger mehr ist und widmet drei Schafen seine großformatige Grauwertekunst mit feiner Durchzeichnung. Torsten Christ lässt die Bienen-Ragwurz mit verträumten Aufnahmen in zartem Pastellgrün aufgehen („Ophrys“) und Nadine Maicher ehrt den Papageientaucher mit ihren Fotos („Lundi“).
Andere Themen sind untergeordnet. Hermann Waltz war in Mea Shearim und zeigt Fotos von ultraorthodoxen Juden in dem Jerusalemer Stadtteil. Reinhardt Schmidt hat für „Wassertropfen“ ebensolche in den Mittelpunkt seiner Aufnahmen gestellt mit dem Clou, dass sich in jedem Tropfen ein bestimmter Gegenstand spiegelt und aus dem Tropfen eine Art Schmuckstück macht. Jürgen Maicher setzt bei „Ups“ die Rahmen seiner Fotos mit den Abgebildeten in Beziehung. Eines der wenigen Experimente in der Ausstellung.
Bei den Gästen halten sich Architektur und Natur die Waage. Thilo Bittner vom Fotoclub der VHS Roth entlockt mit schönster Fineprint-Technik historischen Treppenhäusern einen zusätzlichen Charme und Heinrich Seiler vom Film- und Fotoclub Oettingen gewinnt der ohnehin schon verwegen gebauten neue Mainzer Synagoge noch zusätzliche Finessen ab, indem er die fein gestufte Außenhaut mit harten Schwarz-Weiß-Kontrasten betont.
Außerdem sind hochwertige Naturaufnahmen zu sehen. Stefan Kaspar vom Film-Foto-Video-Club Schwarzenbruck zeigt Tieraufnahmen, die eines teuren Großformatkalenders würdig wären, und Tatjana Schwab vom Nürnberger Photoklub nennt ihre spektakulären Makroaufnahmen von Insekten „Flügel und Beine: Die Schönheit des Unscheinbaren“.
Die Fahne der Filmer in den Reihen des Film & Fotoclub Herrieden hält Hans Christ hoch. Er zeigt während der Öffnungszeiten nonstop fünf Kurzfilme, die je eine knappe Viertelstunde dauern. Vier davon sind aus dem Herrieder Jahreslauf 2024 und ein Schmankerl entspringt seinem Archiv. Es ist die im Jahr 2015 gedrehte Dokumentation über die letzte Bäckerei Herriedens, die Bäckerei Heumann am Storchentor. Da es sich um ein bisher unveröffentlichtes Werk handelt, wird der normalerweise schon sehr gute Zuspruch der Besucher heuer vermutlich noch einmal gesteigert werden. Möglicherweise der nächste Rekord.
Fotoausstellung und Kurzfilme im Stadtschloss Herrieden, Vogteiplatz 8, bis 6. Januar, täglich von 14 bis 17 Uhr, am letzten Tag bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei, die Räume sind barrierefrei.