Kalt ist es, als am Freitagnachmittag sieben Menschen durch den Staatswald in der oberen Feuchtlach stapfen. Bei jedem Schritt raschelt das Eichen- und Buchenlaub unter den Schuhen. Interessiert lauschen alle, was Revierleiter Marc Fleischer erzählt. Es geht nämlich um die Fällung von rund 100 Eichen in diesem Gebiet.
Eigentlich sieht der Staatswald in der oberen Feuchtlach gesund aus. Viele Buchen und Eichen – gute Voraussetzungen auch mit Blick auf die zunehmende Erderhitzung. Doch trotzdem müssen in dem rund fünf Hektar großen Gebiet viele Bäume gefällt werden. Weshalb, das erklärt Revierleiter Marc Fleischer bei einem Termin für die Öffentlichkeit. Viele Menschen sind nicht gekommen – ob das am Wetter, dem Zeitpunkt oder mangelndem Interesse liegt, weiß keiner.
Die Eichen, um die es geht, sind mit einem roten Strich markiert, erklärt Fleischer den vier Bürgerinnen und Bürgern. Sie haben einen Durchmesser zwischen 50 und 80 Zentimeter und sind wohl zwischen 150 und 200 Jahre alt, manche vielleicht noch älter.
Eigentlich gilt die Eiche als Baumart der Zukunft, führt der Revierleiter aus. Die alten Bäume können sich aber nicht mehr gut auf die schnellen Veränderungen einstellen. Die langen Trockenperioden machen den Bäumen also zu schaffen. Bessere Chancen haben dagegen die jungen Pflanzen.
Und davon stehen im Staatswald an der Dombachsiedlung sehr, sehr viele. Fachleute nennen die Bäume, die durch Samen von selbst aufgehen und wachsen, Naturverjüngung. Keine aufwendigen Pflanzaktionen und standortgerechte Arten – eigentlich optimal.
Doch damit diese kleinen Bäumchen eine Chance haben, brauchen sie Licht. Und genau davon bekommen sie im Sommer kaum etwas ab: Das dichte Blätterdach der alten Laubbäume lässt die Sonne nicht durch.
Die rund 100 Bäume weichen also, damit sich der Wald von selbst jugendlich und fit für den Klimawandelt gestaltet. Welche Bäume die Forstarbeitenden fällen, wird dabei natürlich nicht dem Zufall überlassen. Mit einer Spraydose in der Hand hat Fleischer sich den Wald ganz genau angeschaut.
Bäume, die bereits kahle Äste oder Auffälligkeiten an der Rinde vorweisen, hat er mit einem roten Strich markiert. Er zeigt den Bürgerinnen und Bürgern anhand einiger Beispiele, wie er die Bäume aussortiert hat. Einige der Eichen weisen dunkle Stellen an der Rinde auf. Das ist Schleimfluss, erklärt Fleischer – ein Zeichen, dass die Bäume einen Schaden erlitten haben. Bei anderen sammelt sich weißes Bohrmehl am Stamm. Da hat sich der Kernkäfer eingenistet, erläutert Fleischer.
Damit sich die Krankheiten und Insekten nicht weiter verbreiten, sollen die Bäume also raus aus dem Wald. Bei wieder anderen erkennt selbst ein Laie das Problem schnell: Einzelne Äste oder die ganze Krone sind abgestorben.
Die Arbeiten starten erst in der kommenden Woche (ab dem 17. November). Je nach Witterung wird es rund fünf Werktage dauern, schätzt Fleischner. Die Forstarbeitenden arbeiten unter anderem mit funkgesteuerten Fällkeilen, damit sie nicht von abbrechenden, dürren Ästen getroffen werden.
Für alle Spaziergänger und Joggerinnen sind die Wege durch den Wald zeitweise tabu. Die Forstmitarbeitenden machen mit Bannern und Absperrbändern deutlich, wann Passantinnen und Passanten Abstand halten müssen. Abends sollen die Wege für Freizeitsportelnde und Hundebesitzende – soweit möglich – wieder zugänglich gemacht werden.
In einigen Wochen wird das Holz dann abgeholt. Ein Unternehmen aus Oberbayern verarbeitet die geraden und dicken Stämme. Je nach Zustand ist es noch „sehr wertvolles Holz”, erklärt der Revierleiter. Aus dem noch nicht so sehr beschädigten Holz der Ansbacher Eichen könnte also zum Beispiel ein Schrank oder ein Schreibtisch werden.