100 Teilnehmer bei Apothekenprotesttag in Neustadt | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 14.06.2023 17:34

100 Teilnehmer bei Apothekenprotesttag in Neustadt

90 bis 100 Apothekerinnen und Apotheker sowie ihre Mitarbeitenden trafen sich in Neustadt im Rahmen des bundesweiten Apotheken-Protesttages. . (Foto: Christa Frühwald)
90 bis 100 Apothekerinnen und Apotheker sowie ihre Mitarbeitenden trafen sich in Neustadt im Rahmen des bundesweiten Apotheken-Protesttages. . (Foto: Christa Frühwald)
90 bis 100 Apothekerinnen und Apotheker sowie ihre Mitarbeitenden trafen sich in Neustadt im Rahmen des bundesweiten Apotheken-Protesttages. . (Foto: Christa Frühwald)

„Wir müssen jetzt gegensteuern, sonst ist es zu spät“, betont der Pressesprecher der Apotheken im Landkreis, Bernhard Metzger. Die 90 bis 100 Apothekerinnen und Apotheker der Region nebst ihrer Teams, die im Rahmen des bundesweiten Protesttages gestern nach Neustadt gekommen sind, pflichten ihm lautstark und mittels Plakaten auf dem Marktplatz bei.

Bundesregierung schwäche die flächendeckende Versorgung

Sie haben die Nase gestrichen voll. Sie fordern mehr Respekt und fairen Lohn für ihre Arbeit. Die Bundesregierung schwäche, so der Tenor, die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln, statt sie zukunftsfest zu machen. Ständig gelte es, gegen dauerhafte Lieferengpässe etwa im Bereich der Antibiotika, überbordende Bürokratie und zunehmenden Personalmangel zu kämpfen.

Nicht alle können und wollen dies mitmachen. „2022 haben bundesweit 400 Apotheken geschlossen, das sind mehr als eine am Tag“, so Metzger. Günter Opel wird bald zu dieser Gruppe gehören. Am Freitag schließt er seine Apotheke in Marktbergel, weil sie zum Minusgeschäft wurde.

Honorarabsenkung als Schlag ins Gesicht

Ein Thema am Protesttag war auch die kürzlich beschlossene Honorarabsenkung für Apotheken, die man nach zehn Jahren Stillstand bei der Apothekenvergütung und angesichts der steigenden Kosten als einen Schlag ins Gesicht der Apothekenteams empfindet. „Der Staat muss uns endlich auskömmlich für die Sicherstellung der Arzneimittelversorgung bezahlen“, fordert Metzger.

Für ihn und seine Kolleginnen und Kollegen ist klar: Das Honorar muss zukünftig steigen, die Bürokratie weniger werden, dafür aber die Entscheidungskompetenz zunehmen.

Obwohl so gut wie alle Apotheken im Landkreis gestern geschlossen hatten, war die Arzneimittelversorgung gesichert. Die Neustädter Ratsapotheke hatte von 8 Uhr bis 8 Uhr Notdienst. „Um acht Uhr standen schon die Ersten vor der Türe“, sagt Apotheker Richard Dollinger. Gerade schellt es wieder an der Türglocke. Astrid Krauss eilt zur Tür und öffnet die kleine Klappe, ein junger Mann hat eine Zahn-OP hinter sich und braucht dringend ein Schmerzmittel.

Gestern längere Anfahrten erforderlich

Hinter ihm wartet schon eine Frau aus Markt Bibart, die extra nach Neustadt fuhr. Sie hat für den Protest der Apotheker Verständnis – auch wenn sie länger für ihre Tabletten unterwegs war als sonst. „Sind die Medikamente heute teuer als sonst?“, will der nächste Kunde wissen. „Nein“, entgegnet Dollinger. Der Mann ist zufrieden.

Bis 15 Uhr sind sie zu viert im Team. Danach halten Richard Dollinger und seine Mutter Elisabeth allein die Stellung. Bis 13 Uhr kamen rund 100 Kunden vorbei, danach wird es ruhiger. Kein Wunder, sagt der 35-Jährige. Viele Praxen haben Mittwochnachmittag geschlossen, zudem ist in Neustadt Kirchweih.

Es schellt schon wieder. Eine Familie braucht Medizin für ein Kleinkind. Da die Eltern kaum Deutsch können, bedient man sich der Übersetzungs-App. „Die ist eine große Hilfe“, sagt Dollinger. Ansonsten geht es mit Händen und Füßen. Auch dieses Mal hat es geklappt. Dazu der Rat, einen Arzt zu konsultieren.

Der Nächste braucht ein Medikament, das nicht vorrätig ist. „Wir haben zwei Großhandlungen, die uns vier beziehungsweise zwei Mal am Tag beliefern.“ Bei einer Tour wird auch das Medikament des letzten Kunden dabei sein. Er kann es selbst abholen. Das ist optimal. In zwei anderen Fällen wird Dollinger heute selbst das Ausfahren übernehmen.

Patienten zeigten mehr Verständnis als sonst

„Die Leute sind heute verständnisvoller als sonst“, resümiert Astrid Krauss. Und noch einen Unterschied gibt es zu normalen Tagen. „Wir laufen heute mehr“, ergänzt sie schmunzelnd. Dadurch, dass man immer zur Notklappe flitzen muss, kommt einiges an Strecke zusammen.

Ab dem nächsten Tag geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Dollinger und seine Kolleginnen und Kollegen hoffen aber, dass sich mit Blick auf ihre Forderungen endlich etwas bewegt, damit nicht noch mehr Kollegen für immer die Türe zulassen müssen.

Auch in Ansbach gab es eine Protestkundgebung.

north