20 Spinnräder und Songs über sie in Welbhausen | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 02.08.2023 17:34

20 Spinnräder und Songs über sie in Welbhausen

Bei Sibylle und Gerhard Haager dreht sich vieles am und um das Spinnrad. Die alte Wollmachkunst gibt ihnen viel Ruhe. Gerhard Haager unterstützt seine Gattin bei der Reparatur der Geräte und mit Ersatzteil-Erfindungen, darunter das inzwischen patentierte Spinnfutteral vom Holz des Blauglockenbaumes in der Bildmitte. Aber hauptsächlich inspirieren die zahlreichen Spinnräder zum Schreiben von lustigen Liedtexten. (Foto: Anita Dlugoß)
Bei Sibylle und Gerhard Haager dreht sich vieles am und um das Spinnrad. Die alte Wollmachkunst gibt ihnen viel Ruhe. Gerhard Haager unterstützt seine Gattin bei der Reparatur der Geräte und mit Ersatzteil-Erfindungen, darunter das inzwischen patentierte Spinnfutteral vom Holz des Blauglockenbaumes in der Bildmitte. Aber hauptsächlich inspirieren die zahlreichen Spinnräder zum Schreiben von lustigen Liedtexten. (Foto: Anita Dlugoß)
Bei Sibylle und Gerhard Haager dreht sich vieles am und um das Spinnrad. Die alte Wollmachkunst gibt ihnen viel Ruhe. Gerhard Haager unterstützt seine Gattin bei der Reparatur der Geräte und mit Ersatzteil-Erfindungen, darunter das inzwischen patentierte Spinnfutteral vom Holz des Blauglockenbaumes in der Bildmitte. Aber hauptsächlich inspirieren die zahlreichen Spinnräder zum Schreiben von lustigen Liedtexten. (Foto: Anita Dlugoß)

„Da kannscht ned ernst bleiben.“ Sibylle Haager schüttelt sich vor Lachen, als ihr Mann Gerhard seine neueste Komposition zum Besten gibt. „Unser øltes Spinnrad in der Stub’n“, singt der Franke in waschechtem Oberbairisch. Mit den Buchstaben HB – für Hofbräuhaus – auf dem Trittbrett eines Spinnrades fing alles an.

Doch warum steht HB auf dem Fußpedal? „Früher haben Männer darauf Flachs gesponnen“, erklärt die aus der Gegend um Neu-Ulm stammende Schwäbin, die im März 2021 nach Welbhausen bei Uffenheim geheiratet hat. Die rührige Rentnerin brachte einiges in das Haus des gelernten Maschinenbaumeisters mit. Darunter auch ihre relativ junge Leidenschaft für Spinnräder und die „ganzen Prozesse damit“, wie sie sich auszudrücken pflegt: von der Schurwolle bis zum Kleidungsstück.

Vor etwa fünf Jahren stieß sie, noch in ihrer alten Heimat, auf eine Frau, die mit Naturfarben arbeitete. „Ich war fasziniert von dem Zusammentreffen von Scheren, Färben bis zum fertigen Pulli“, erzählt sie. Stricken und Häkeln haben ihr schon immer Spaß gemacht.

Erst Dekoration, dann Leidenschaft

Für eine Ausstellung sollte sie schließlich ein Spinnrad als Dekoration organisieren. Das gelang ihr auf einem Flohmarkt. Dieses Stück wurde später zu ihrem ersten Spinnrad. Es steht noch heute in der Stube in Welbhausen. Ein Stück aus dem 18. Jahrhundert. Sibylle Haager führt vor, wie das Spinnen geht.

Ein bisschen läuft das Ganze wie an einer Nähmaschine oder wie bei einem Auto ab: Durch das Treten des Pedals wird das Schwungrad angetrieben. Dieses ist über einen Riemen mit der Spule verbunden, die das Zentrum der Spindel – das Herzstück – bildet. Die Spindel wird durch die eingezogene Wolle, die sich um die Spule wickelt, angetrieben. Beim Einzug werden die Wollfasern zusammengedreht, und als Wolle auf die Spule gewickelt. Die Schurwolle lässt Sibylle Haager am Ende gekonnt und souverän in das Gerät einlaufen. „Es gibt mir viel Ruhe.“ Gelernt hat die ehemalige Chefsekretärin dies „durchs Zugucken“. Mittlerweile hat sie etwa 20 Spinnräder aus Scheunen und Altbeständen gesammelt, die ihr Ehemann herrichtet.

Ihre Fäden spinnt Haager nicht nur am Spinnrad zusammen, sondern sie ist auch in der Gegend gut vernetzt. An keiner Schafherde kommt sie vorbei, ohne die Wolle der Tiere näher zu begutachten. Ihr Mann, den sie am 14. Dezember 2020 kennengelernt hatte und schon am 5. März 2021 in Uffenheim geheiratet hat, trägt dies mit Humor. Inzwischen erhält sie aus der Gegend ganz unterschiedliche Rohware. Diese stammt von Jakobsschafen, Waliser Schwarznasen, Skudden, von Coburger Füchsen aus Welbhausen, Weißen Heidschnucken aus Simmershofen, Bergschafen, Bretonischen Zwergschafen aus Kaubenheim – aber auch Alpaka-Haar aus Ulsenheim, Kamelhaar aus Vorderpfeinach und sogar Hundehaar hat sie schon versponnen. „Ab fünf Zentimetern Länge kann man jede Faser spinnen“, sagt sie.

Damit das alles noch besser geht, hat ihr Mann ein Spinnfutteral aus dem leichten Holz des Blauglockenbaumes entwickelt, um Fuseln zu vermeiden. Darin befindet sich die geschorene Wolle. „Wie in einem Auto“, lacht Sibylle Haager, legt sie ihren Arm auf und kann noch entspannter arbeiten. Das hat er auch patentieren lassen. Ein kleines Spinnrad mit einer Spieluhr darin regte die Fantasie ihres Ehemanns an, darauf einen Text zu schreiben. Zur Melodie von „Old Spinning Wheel“ seiner Spieluhr schrieb er: „Unser øltes Spinnrad in der Stub’n.“

Mehrere Versionen wurden aufgenommen

Mehrere Versionen davon nahm er in einem Fürther Tonstudio auf, und stellte sie auf seine Website, wo der im westlichen Landkreis engagierte Prädikant – also Laienprediger – und Blasmusiker bereits zahlreiche Lieder von sich stehen hat.

Er sang schon bei „Choralle“ mit und nahm auch am „Gnadenlos Grand Prix“ auf der Fürther Freiheit teil. „Ich bin nicht weit gekommen“, lacht er. Er hatte – nach eigenen Angaben – die falsche Begleitung dabei. Mit der Hofbräuhaus-Version von „Old Spinning Wheel“ könnte Gerhard Haager allerdings mehr Erfolg haben, wobei er mit antiquiertem Tonfall jedes „a“ zu einem „o“ werden lässt: „Mit Staub bedeckt und vergess’n, wie des Bild von unserm ølten Herrn, des einzige Andenken ølter Zeit betracht‘ ich ja so gern.“ Refrain: „Unser øltes Spinnrad in der Stub‘n, es spinnt Träume aus der Vergøngenheit. Von strømmen Buäm und den recht feschen Dirndln vom ur‘gen Wirt und der guät‘n ølt‘n Zeit.“

Bei vielen Gelegenheiten würde das Lied sicherlich viele Menschen zum Lachen bringen. „Ich würde diese Version natürlich am liebsten im Hofbräuhaus singen“, sagt er. Wer sie hören will, kann im Netz nach „Haagy 100“ suchen. Dort sind auch anspruchsvolle, kritische und gefühlvolle Lieder zu erleben; alle mit Bildern untermalt.


Von Anita Dlugoß
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