Was nervt bei einer Lesung am meisten? Für Horst Prosch ist das aus der Sicht eines Autors glasklar: nicht sprudelndes Mineralwasser, nicht schlechte Beleuchtung, nein, ein Tisch, ein Stuhl, der wackelt, vielleicht sogar quietscht. „Grauenhaft”, sagt Prosch, steht auf und packt den grünen Stuhl, auf dem er eben noch gesessen ist.
Selbst ist der Autor. Humor hat er auch. Flugs ist der Stuhl umgedreht. Beine in die Höh'. Filzgleiter drauf. Ausgewackelt. Die kleine Performance ist ein Einweihungsakt. Der grüne Stuhl und der grüne Tisch dazu fungieren bei der LeseLust im Ansbacher Kunsthaus als geschreinerte Einladung zum Selberschreiben. Wer mag, darf sich hinsetzen und etwas zu Papier bringen oder in den Laptop tippen.
Eben darauf macht Prosch bei der LeseLust dann auch Lust. Am grünen Tisch spricht der Wolframs-Eschenbacher, der im Brotberuf Bilanzbuchhalter ist, vom Autorenleben und vom Glück des Schreibens. Er erklärt auch Handwerkliches, etwa, wie gute erste Sätze funktionieren. Mit eigenen Beispielen kann er das bestens illustrieren. An Auswahl mangelt es nicht. Die Stapel seiner Bücher haben längst eine stattliche Höhe erreicht.
Einen Aktenordner mit einem unveröffentlichten Typoskript hat er auch dabei. „Hinter.Unter.Ober.Tal” heißt der Roman über ein geplantes Familientreffen. Prosch erzählt anschaulich die Vorgeschichte aus den Perspektiven der Figuren. Das macht neugierig. Außerdem erinnert er an die ehemalige Ansbacher Autorengruppe, die Angela Baumann ins Leben gerufen hatte und zu der er gehörte. Er wirbt dafür, dass sich wieder eine formiert.