Auf ihr gemütliches Bett ist Celina T. (Name geändert) besonders stolz. Sie nennt es das „Herzstück” ihrer Mietwohnung. Das erste eigene Zuhause ist für die 25-Jährige, die an einer neuropsychiatrischen Erkrankung leidet, ein Lichtblick. Um Möbel finanzieren zu können, hofft sie auf eine Spende aus der Aktion FLZ-Leser helfen.
Als sie sechs Jahre alt war, trat bei Celina T. zum ersten Mal das Tourette-Syndrom auf. Sie spuckte auf den Boden, rief derbe Ausdrücke und litt immer wieder unter Zuckungen ihres Körpers. „Ich wurde in der Schule gemobbt”, schildert die junge Frau die Auswirkungen. Auch zu Hause bekam sie nicht den Rückhalt, den sie sich gewünscht hätte.
Das Tourette-Syndrom äußert sich durch Tics - unwillkürliche Bewegungen, Laute oder sprachliche Äußerungen. Betroffene haben keinen Einfluss auf dieses Verhalten. Die richtige Diagnose bekam Celina T. erst mit acht. Hinter ihr lagen zwei Jahre, in denen das kleine Mädchen überall nur angeeckt war, nirgendwo Verständnis für ihr scheinbar unmögliches Verhalten gefunden hatte.
Als Jugendliche verbrachte sie viel Zeit in Jugendschutz-Einrichtungen, weil es daheim nicht rund lief. Das Verhältnis zur Mutter ist bis heute wechselhaft. Ihren leiblichen Papa kennt sie nicht, der Stiefvater verstarb vor zwei Jahren. „Es war schon ein schwieriger Weg für mich”, sagt sie. Über die schlechten Erinnerungen, über verbale und körperliche Gewalt, denkt sie nicht gern nach. „Ich habe vieles aus der Vergangenheit verdrängt.”
Heute treten die Tics vor allem dann auf, wenn Celina T. unter emotionalem Stress steht. „Dann bricht das Tourette richtig krass aus und dann habe ich extreme Tic-Attacken.” Sie schreit dann oder wirft ihren Kopf nach hinten, „so dass es knackst”, beschreibt sie. „Das tut auch weh.” Wegen ihrer Erkrankung ist die 25-Jährige, die außerdem an Depressionen und einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet, in Behandlung. Unter anderem war sie stationär in einer Fachklinik untergebracht. „Ich habe dort drei Monate sehr intensiv an mir gearbeitet.” Außerdem bekommt sie starke Medikamente. „Das unterdrückt die Tics.”
Allerdings ist der Erfolg nicht so durchschlagend wie erhofft. Deshalb kann die junge Frau, die nach der Förderschule am Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (bfz) den Hauptschulabschluss nachgeholt hat, ihren Lebensunterhalt nicht selbst finanzieren. „Ich habe versucht, normal zu arbeiten, aber es geht einfach gerade nicht. Es macht mich so traurig, dass ich nicht kann.” Drei verschiedene Jobs hat sie in den letzten Monaten ausprobiert, unter anderem im Verkauf und in der Gastronomie. Es ging nie lange gut - wegen der Tics, aber auch wegen ihrer sonstigen psychischen Verfassung. Helfen könnte eine Psychotherapie; die Krankenkasse würde diese auch bewilligen. Aber die Wartezeiten liegen aktuell bei zwei Jahren aufwärts.
Momentan ist Celina T. krankgeschrieben. Gar nichts tun, das will sie aber nicht. Deshalb engagiert sie sich ehrenamtlich in der Tourette-Gesellschaft Deutschland. „Da helfe ich manchmal anderen Tourettis”, erzählt sie. Bevor sie einen neuen Versuch starten kann, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, steht ein Aufenthalt in einer Tagesklinik an. In der Zukunft würde sie gern ihren Führerschein machen und sich für eine Ausbildung im kreativen Bereich bewerben - vielleicht als Raumausstatterin, denn Inneneinrichtung interessiert sie. „Oder etwas Soziales, das finde ich auch gut.”
Im Umgang mit Behörden und bei finanziellen Angelegenheiten wird sie von einem gesetzlichen Betreuer unterstützt, außerdem erhält sie eine Eingliederungshilfe über den Bezirk Mittelfranken. Im Rahmen dieses persönlichen Budgets, das Menschen mit psychischen Erkrankungen beantragen können, arbeitet sie mit Sozialpädagogin Jana Schallenmüller an der Bewältigung ihres Alltags. Gemeinsam erstellen sie Haushaltspläne oder Einkaufszettel. Auch wenn sie sich überfordert fühlt und Rat braucht, ruft sie ihre Betreuerin an.
Bis April war Celina T. im Betreuten Einzelwohnen untergebracht, jetzt lebt sie zur Miete. Bei der Finanzierung ihrer Möbel braucht sie finanzielle Unterstützung. Und eine Mikrowelle wäre ein großer Wunsch. Ihr Nest hat sich die junge Frau, so gut es geht, gemütlich eingerichtet. „Ich bin froh, dass ich die Wohnung bekommen habe”, sagt sie überglücklich. „Ich fühle mich hier endlich mal zu Hause.”
Mit Ihrer Spende will der Verein „FLZ-Leser helfen“ Bürger unterstützen, die in Not geraten sind. Das geht ganzjährig. Den gewählten Betrag überweisen Sie auf folgendes Konto:
Auf Wunsch werden Spendenbescheinigungen ausgestellt. Wer über fünf Euro spendet, wird in der Fränkischen Landeszeitung namentlich genannt. Vermerken Sie bitte auf der Überweisung, wenn Sie anonym bleiben möchten. Möglich sind auch gezielte Spenden für einzelne Fälle, Sachspenden werden jedoch nicht angenommen.