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Veröffentlicht am 14.10.2025 17:10

Anklage in Ansbach: Einbrecher soll Schlafenden wegen Bank-PIN ermordet haben

Musste ein 66-Jähriger in Ansbach sterben, weil er die PIN für sein Bankkonto nicht sofort preisgeben wollte? Davon geht die Staatsanwaltschaft Ansbach aus. Sie hat deshalb nun Anklage gegen einen 47-Jährigen wegen Mordes erhoben. Hinter dem Fall verbergen sich Abgründe.

Dem Angeschuldigten werfen die Strafermittler vor, in der Nacht am 5. März in die Wohnung des 66-Jährigen in der Büttenstraße eingedrungen zu sein. Bargeld, Uhren, eine Kette, ein Handy und eine Bankkarte habe sich der Einbrecher geschnappt, womöglich während das Opfer im Raum schlief. So schildert Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier den Inhalt der Anklage.

Der Einbrecher kehrte in die Büttenstraße zurück

Als der 47-Jährige dann versucht habe, mit der Karte Geld abzuheben, scheiterte er am Sicherheitscode. „Er kehrte deshalb in die Wohnung zurück und setzte massive Gewalt ein, um die PIN zu erfahren”, sagt Heinzlmeier. Massive Gewalt – das heißt konkret: heftige Schläge mit den Fäusten und Fußtritte gegen den nichtsahnenden Schlafenden. Ärzte attestierten dem Opfer später schwere Kopf- und Gesichtsverletzungen. So schwer, dass der 66-Jährige wohl über Stunden bewusstlos im Bett gelegen haben dürfte. Erst gegen 13 Uhr konnte sich der Mann am Fenster gegenüber einem Nachbarn bemerkbar machen. Der rief die Polizei.

Währenddessen soll der 47-Jährige das Konto seines Opfers geplündert haben: Ein „hoher dreistelliger Betrag” wurde laut Heinzlmeier abgebucht.

Die Staatsanwaltschaft geht von Mord aus Habgier aus

Der 66-Jährige kam ins Krankenhaus – wo die Geschichte die nächste tragische Wendung nahm: Infolge einer „verletzungsbedingten Verwirrung“, so erklärt es der Oberstaatsanwalt, verließ der Mann die Klinik. Im Umfeld der Einrichtung stürzte er und starb an seinen Verletzungen in Zusammenhang mit einer Unterkühlung. Weil das Versterben und die Prügelorgie zusammenhängen, plädiert die Staatsanwaltschaft auf Mord aus Habgier. Zur Anklage hinzu kommen räuberische Erpressung mit Todesfolge, Einbruch, Diebstahl und Computerbetrug (wegen der Kontoplünderung).

„Der Angeschuldigte musste damit rechnen, dass der 66-Jährige versterben könnte”, sagt Heinzlmeier. „Zumal er ihn alleine nachts in der Wohnung liegen hat lassen.”

Zusammenhang mit weiteren Raubüberfällen in Ansbach

Der Tatverdächtige sitzt seit März in Untersuchungshaft. Er hat sich laut Staatsanwaltschaft bislang nicht zum Fall geäußert. „Ich gehe davon aus, dass es ein sehr aufwendiger Prozess wird”, sagt Heinzlmeier. Es gebe Indizien, DNA-Spuren, Handydaten, Zeugenaussagen, aber eben keine Äußerung des 47-Jährigen. Laut den Ermittlern stecke dieser in finanziellen Schwierigkeiten. Eine Abhängigkeit – Alkohol, Drogen, Spielsucht – verneine der Mann.

„Aber die Ermittlungen zeigen, dass er bereit ist, auch für kleine Beträge schwere Straftaten zu begehen, insofern ist das ein rundes Bild”, sagt Heinzlmeier. Damit meint der Oberstaatsanwalt drei weitere Raubüberfälle in Ansbach, für die der 47-Jährige nun angeklagt ist. Schon am 18. Januar soll der Mann am Bahnhofsplatz einen Gaststättenbesucher angegriffen und um 35 Euro gebracht haben. Am 23. Februar soll er dann am Parkplatz hinter dem Bahnhof erneut einen Lokalbesucher angegriffen haben, blieb aber ohne Beute. Wenige Stunden später traf es dann am Hohenzollernring den nächsten Mann, der gerade eine Gaststätte verlassen hatte. Ihm soll der 47-Jährige Geldbeutel und Handy geraubt haben.

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Es traf wohl die Lokalbekanntschaften

Laut Heinzlmeier verkehrte der 47-Jährige selbst immer wieder in den Gaststätten, vor denen er seine Opfer überfiel. Demnach sei auch der verstorbene 66-Jährige eine flüchtige Bekanntschaft aus einem Lokal gewesen.

Mit einem Prozess sei wohl im Laufe der nächsten Monate zu rechnen. Die Anklage ist zur Schwurgerichtskammer am Landgericht Ansbach erhoben.

In einer Wohnung in der Büttenstraße prügelte ein Einbrecher im März brutal auf einen Schlafenden ein. (Archivbild: Johannes Hirschlach)
In einer Wohnung in der Büttenstraße prügelte ein Einbrecher im März brutal auf einen Schlafenden ein. (Archivbild: Johannes Hirschlach)
In einer Wohnung in der Büttenstraße prügelte ein Einbrecher im März brutal auf einen Schlafenden ein. (Archivbild: Johannes Hirschlach)

Johannes Hirschlach
Johannes Hirschlach
Redakteur für Digitales
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