Zweimal soll ein 23-Jähriger in den Hallen des Küchengeräteherstellers Electrolux in Rothenburg gezündelt haben, die zweite Aktion führte zu einem folgenschweren Großbrand. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Ansbach Anklage gegen den Tatverdächtigen erhoben – und äußert sich erstmals zum Motiv des Angeschuldigten.
Der 23-Jährige, der bei Electrolux beschäftigt war, soll nach Überzeugung der Ermittler am 18. und 20. Oktober jeweils mit Trockenspiritus ein Feuer in einer Lagerhalle auf dem Firmengelände gelegt haben. Das berichtet Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier, Sprecher der Ansbacher Staatsanwaltschaft, gegenüber der FLZ.
Während der erste Brand noch rasch von der Firmenfeuerwehr gelöscht wurde, wuchs sich der zweite zu einem Großfeuer aus. Über Stunden kämpften Einsatzkräfte gegen die Flammen. Der Sachschaden sei immer noch nicht endgültig beziffert, sagt Heinzlmeier. Er liege aber „deutlich über einer Million Euro”.
Der 23-Jährige, der im Januar festgenommen wurde, habe beide Taten umfassend eingeräumt, berichtet der Oberstaatsanwalt. Überführt hätten ihn die Ermittler letztlich über DNA-Spuren. Der Angeschuldigte sei bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten.
Bleibt die Frage, warum ein junger Angestellter in einem Großbetrieb gleich zweimal sprichwörtlich mit dem Feuer spielte. Dazu habe der 23-Jährige angegeben, es habe sich beim ersten Mal um eine „Kurzschlussreaktion” wegen privatem und beruflichem Stress gehandelt, gibt Heinzlmeier an.
Offenbar hatte er allerdings rasch das Gefühl, er könne im Nachhinein ertappt werden. Denn die zweite Tat habe er begangen, „um den Verdacht auf jemand anderen zu lenken”. An jenem Sonntag, als im Betrieb die Fertigung stillstand und der 23-Jährige keinen Dienst hatte, sei er im Anschluss an die Brandstiftung zu seinen Eltern gefahren, erklärt Heinzlmeier. Er habe wohl angenommen, nicht verdächtigt zu werden, wenn er für die zweite Tat ein Alibi geltend machen könnte.
Gebracht hat es nichts. Nimmt das Ansbacher Landgericht die Anklage an, dürfte dem 23-Jährigen in den nächsten Monaten der Prozess gemacht werden. Er sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft.
Konkret lautet die Anklage auf Brandstiftung in zwei Fällen. Kurioserweise ist dabei die erste Tat, also die weniger folgenreiche, als schwere Brandstiftung eingestuft. Das liege laut Heinzlmeier daran, dass über dem Tatort Seminarräume lagen, in welchen sich im Moment des Feuerlegens auch Menschen befanden.