Ein Misstrauensvotum gegen Vorstand Dr. Gerhard Sontheimer hat es im Verwaltungsrat von ANregiomed nicht gegeben. Stattdessen wurde Dr. Christoph Hammer angeprangert, weil dieser öffentlich die Ablösung Sontheimers verlangt hatte.
Hammer hat in den vergangenen Wochen mehrfach geäußert, dass das Problem von ANregiomed nicht in Dinkelsbühl und Rothenburg liegt. In Ansbach werde das größte Defizit eingefahren. In Ansbach sei die Stimmung im Personal am schlechtesten. Der Dinkelsbühler Oberbürgermeister forderte, sich von Vorstand Dr. Gerhard Sontheimer zu trennen, um ein Zeichen an die Belegschaft zu senden. Der OB glaubt, dass dieser die beiden kleinen Standorte schließen oder zumindest deutlich schwächen will.
Die nicht öffentliche Sitzung des Verwaltungsrates lief schon gut sechs Stunden, als Hammers Äußerungen zur Sprache kamen, war zu erfahren. Der Ton der Aussprache soll sehr scharf und aggressiv gewesen sein. Man warf Hammer vor, dass er eine Grenze überschritten habe.
Vor allem die Verbandsräte der Stadt Ansbach fühlten sich nach FLZ-Informationen düpiert und griffen den Dinkelsbühler an, weil dieser mit seinen Aussagen die Geheimhaltung der nicht öffentlichen Sitzungen verletzt habe. Verwaltungsratsvorsitzender Dr. Jürgen Ludwig lässt prüfen, ob Hammer dafür eine Rüge erteilt werden kann.
Der Dinkelsbühler OB hat sich das eine Zeit lang angehört. Doch dann reichte es ihm. Er lasse sich nicht wie einen Schulbuben behandeln, soll er gesagt und sich mit dem Hinweis auf einen weiteren Termin verabschiedet haben.
Der Verwaltungsrat hat danach noch mehr als zwei Stunden weiter getagt. Zwar gab es auch Kritik an Sontheimers Führungsstil, aber ohne einen Plan B in der Hinterhand mache ein solcher Schritt derzeit keinen Sinn, so die klare Mehrheitsmeinung.
Dr. Gerhard Sontheimer ist seit März 2018 Vorstand von ANregiomed. Er war damals bewusst als Sanierer geholt worden. Seinen Vertrag hat der Verwaltungsrat im Februar 2022 sogar vorzeitig um weitere fünf Jahre verlängert. Auch Christoph Hammer soll damals zugestimmt haben.
Dass es allerhöchste Zeit zu handeln ist, ist auch den Verwaltungsräten klar. Das Defizit im kommenden Jahr wird nach ersten vorgelegten Zahlen noch wachsen. Nach 28 Millionen Euro Minus in diesem Jahr stehen 30 bis 35 Millionen Euro Minus für nächstes Jahr im Raum. Hintergrund ist, dass die Erlöse deutlich weniger steigen als die Mehrkosten durch Inflation und Tariferhöhungen. Noch sind das nur Eckdaten, der Wirtschaftsplan für 2024 wird erst im Dezember ausführlich beraten.
„Es wird Einschnitte geben müssen“, war ein Satz, der in den Hintergrundgesprächen mit unserer Redaktion immer wieder fiel. Das Problem: Jeder hat andere Vorstellungen, was die richtigen Schritte sein sollen – und umsetzbar sind sie nur mit einer Zweidrittel-Mehrheit in dem zwölfköpfigen Gremium. Die einen sehen eine starke Zentralisierung als Lösung, die anderen eher die Stärkung der beiden kleinen Häuser.
Spannend wird in diesem Zusammenhang die Frage nach den Operationssälen sein. Zwölf davon gibt es im Klinikverbund. Wegen neuer Vorschriften muss ANregiomed in die OPs investieren. Geschieht das an einem Standort nicht oder in zu geringem Maße ist das eine deutliche Vorentscheidung für die Zukunft des jeweiligen Hauses. Entschieden ist da aber noch nichts.
Konkret vergeben hat der Verwaltungsrat in der jüngsten Sitzung die nächsten Arbeiten für den laufenden Neubau am Klinikum in Ansbach. Das Ausschreibungspaket hat ein Volumen von 10,4 Millionen Euro, erklärte ANregiomed auf FLZ-Anfrage.
Zudem brachte der Verwaltungsrat den Umzug der MVZ-Praxen von der Ansbacher Straße 13 in Rothenburg auf das Klinikgelände auf den Weg. Die Gesamtkosten hierfür sind mit gut einer Million Euro veranschlagt. Man rechnet bei ANregiomed aber mit zusätzlichen „Nebenkosten in Höhe von knapp 30 Prozent der Gesamtsumme“. Auch die „Umbaukosten für die zukünftige OP-Landschaft“ komme noch hinzu, teilte ANregiomed mit. Die Möglichkeit weiterer Kostensenkungen werde geprüft. Der Umzug soll nächstes Jahr erfolgen.
Der ebenfalls geplante Umzug des MVZ Dinkelsbühl („Ärztehaus Südhang“) an die dortige Klinik bedarf „weiterer, detaillierter Vorbereitungen, unter anderem der exakten Definition von Prozessen und Arbeitsabläufen“, erklärte ANregiomed.
Für ANregiomed-Vorstand Sontheimer sind die geplanten Umzüge wichtige Schritte zur Herstellung einer ambulanten Infrastruktur. „Im Hinblick auf die bevorstehende Krankenhausreform und die damit verbundene Ambulantisierung zahlreicher stationärer Leistungen entwickeln wir unsere Kliniken weiter zum ‚Gesundheitscampus‘, wo wir unseren Patientinnen und Patienten in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern sektorenübergreifende Behandlungskonzepte anbieten.“