Ein Mensch stirbt, und andere Menschen vermissen ihn. Auch sie möchte der Hospizverein Ansbach im Blick haben. Sechs ausgebildete Trauerbegleiter des Vereins widmen sich mit mehreren Angeboten den Hinterbliebenen. Deren Trauer nehmen die ehrenamtlich engagierten Frauen und Männer ganz unterschiedlich wahr.
Seit 2016 besteht die Trauerbegleitung beim Hospizverein – in Einzelarbeit und in der Gruppe, wie Katharina Hochreuther zurückblickt. „Erst war ich ganz alleine, aber dann haben sich Gott sei Dank noch ein paar gefunden“, bemerkt sie lächelnd. Nach und nach wurden es mehr. Trauernde zu begleiten, „wird immer wichtiger“, bemerkt ihre Kollegin Angelika Escher.
Reinhard Bär sieht dies im Wandel der Gesellschaft begründet. „Früher haben der Nachbar oder die Familie viel erfüllt, was heutzutage nicht mehr so passiert.“ Es gibt immer mehr Alleinstehende, wie Wolfgang Mack zu bedenken gibt.
Übrigens trauerten Hinterbliebene natürlich nicht nur um andere Menschen, sondern etwa auch um Vierbeiner. Nichtsdestoweniger sei es das Schlimmste, einen nahestehenden Menschen zu verlieren.
„Außen herum dreht sich die Welt ganz schnell wieder weiter, und für denjenigen bleibt die Welt halt einmal eine Zeit lang stehen“, sagt Angelika Escher. Irgendwann kapiere es das Umfeld oft gar nicht mehr, dass jemand noch so festhänge.
In der Gruppenarbeit erlebte es Katharina Hochreuther häufig, dass Trauernde nach zwei oder drei Jahren kommen und erst dann richtig merken, wie sehr sie noch in ihrem Schmerz leben. „Am Anfang funktioniert man nur, wenn so etwas passiert, und überlebt.“ Die Realität zuzulassen, dass dies nun endgültig ist, komme oft ganz spät.
Für manche dauere die Trauer kürzer, für andere sehr lange, führt Maria Mederer aus. „Ich habe eine 94-Jährige, die trauert heute noch“ – nach Jahrzehnten. Die Corona-Pandemie spielte Angelika Eschers Ansicht nach eine große Rolle. Das Abschiednehmen sei ein völlig anderes gewesen – oder manchmal gar nicht möglich gewesen. Zum Teil habe nicht einmal eine würdevolle Bestattung stattfinden können.
Gut gemeinte Sprüche wie „Des wird scho wieder“ sollte man im Gespräch mit Trauernden auf jeden Fall vermeiden. Dies ist Katharina Hochreuther wichtig. „Wenn man Sterbende begleitet, hat man gleichzeitig die Angehörigen“, merkt Gabriele Metzger an. Bei ihnen sei die Not fast größer als bei denen, die gehen.
Zu sechst sind die Trauerbegleiter des Hospizvereins seit September. „Weil wir jetzt mehr Leute sind, haben wir gedacht, wir möchten aktiver auf die Leute zugehen“, findet Wolfgang Mack. Über Einzelgespräche und Trauergruppen hinaus gingen 2022 die Angebote Trauerbank und Trauerspaziergang los.
Die Trauerbank findet meist jeden zweiten Mittwoch im Monat von 14 bis 15 Uhr wechselweise am Wald- und am Stadtfriedhof statt, das nächste Mal am 14. Juni auf dem Stadtfriedhof. Wer mag, kann hier auf einer Bank mit Trauerbegleitern sprechen. Ein Schild weist auf das Angebot hin. „Man kann diesen Personen auch vom Stammtisch berichten“, erzählt Maria Mederer.
Der Trauerspaziergang ist das nächste Mal am Mittwoch, 12. Juli, 14 bis 15 Uhr, im Hofgarten (Treffpunkt Eingang Zitrushaus). Dieser enthält Texte, um Impulse zu geben, und man bleibt immer wieder stehen, wie Angelika Escher schildert. Beim Laufen sei es oft einfacher zu reden, hebt Reinhard Bär hervor. „Man muss sich nicht ansehen, man kann gehen, man kann laufen“, macht Maria Mederer deutlich.
Neu ist seit diesem März ein Trauerstammtisch, der jeden dritten Mittwoch im Monat um 17.30 Uhr im Café Alte Residenzapotheke vonstattengeht. Ausnahme ist der August, in dem dieser ausfällt.
Der Stammtisch entstand aus den Trauergruppen. Diese umfassen acht Termine. Die Mitglieder hätten es zuletzt stets bedauert, als die Gruppen geendet hätten, erinnert sich Katharina Hochreuther. Dies habe sie auf die Idee des Stammtischs gebracht, den andere Hospizvereine ebenso anböten. Austauschen können sich hier auch Menschen, die nicht in einer Gruppe waren.
Wer Interesse an den Angeboten oder daran hat, sich als Trauerbegleiter zu engagieren, wendet sich an die Einsatzleiterin und Koordinatorin Annette Lederer-Heer vom Hospizverein. Die Telefonnummer ist 0170/9 21 58 80,die E-Mail-Adresse buero@hospizverein-ansbach.de.