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Veröffentlicht am 11.10.2024 10:00

Ansbacher Verein mit einem großen Herz für Vierbeiner

Aileen Schuler hatte schon immer ein Herz für Tiere. Nach einer erfolgreichen Unterstützungsaktion vor zehn Jahren beschloss sie, einen eigenen Verein zu gründen. Mit „Gemeinsam stark für Tiere“ erlebt sie die Licht- und Schattenseiten im Tierschutz. Mittlerweile zählt die Organisation 70 Mitglieder und kümmert sich aktuell um 34 Kleintiere.

Als vor zehn Jahren das Pferd ihrer Freundin erkrankte, reagierte Aileen Schuler schnell: Sie sammelte Spenden und verkaufte Dinge auf Flohmärkten, um Geld aufzutreiben. Und tatsächlich: Von den 20.000 Euro Tierarztkosten organisierte sie mit 16.000 Euro den größten Teil.

Angestachelt durch diesen Erfolg fragte sich die Ansbacherin aber: „Es gibt bestimmt mehr Menschen, die Hilfe für ihre Tiere brauchen. Wie kann ich denen helfen?“

Schuler hat eine eigene Philosophie, was den Tierschutz angeht, den sie in einem eigenen Verein umsetzen wollte. Sie möchte Tiere in den Familienverband aufnehmen, sie im Alltag mit Situationen wie dem Staubsauger, dem Hund oder dem Fernseher vertraut machen. Und so gründete sie im Oktober 2014 mit einigen Gleichgesinnten „Gemeinsam stark für Tiere“ als neues Angebot neben dem schon lange bestehenden Tierschutzverein Ansbach und Umgebung.

Zunächst hatte die heute 34-Jährige einen sehr speziellen Fokus auf Katzen: „Ich mochte sie schon immer. Meine Mutter fürchtete immer, dass ich auf dem Schulweg ein verletztes Kätzchen finde und mit nach Hause bringe.“ Seit 2019 nimmt der Verein auch Kaninchen auf.

Bugs Bunny hielt durch

Aktuell beherbergt er 23 Katzen und elf Kaninchen auf zehn Pflegestellen. Hauptsächlich sind es abgegebene Tiere, die Schuler aufnimmt. Der Kontakt erfolgt meist per E-Mail. Gelegentlich vermittelt auch der Tierarzt an Schuler. Manchmal sind es in der Corona-Zeit leichtfertig angeschaffte Tiere, die nun lästig sind. Doch den meisten fällt der Abschied schwer: „90 Prozent hängen an ihren Tieren und sie geben sie nur schweren Herzens auf.“

Ein solcher Fall war Bugs Bunny, ein Kaninchen aus der Oberpfalz. Der Partner war gestorben und auch Bugs Bunny schon im betagten Karnickel-Alter von fast zwölf Jahren. Der Besitzer wollte unbedingt, dass er seine vermeintlich letzten Wochen nicht allein verbringt, und brachte ihn nach Mittelfranken. „Bei euch hat er es gut“, sagte er bei der Abgabe.

Aus Wochen wurden Monate. Aus Monaten Jahre. Im stolzen Alter von 15 ist Bugs Bunny im Juli verstorben. Schuler hielt stets Kontakt zum früheren Eigentümer, schickte ihm Videos und Fotos. Bis zum Ende übernahm er alle Kosten.

Grundsätzlich versucht Schuler, alle Tiere aufzunehmen. Aber es muss passen: Ein erkranktes Tier kann sie nur beherbergen, wenn bereits andere mit derselben Erkrankung da sind. Tierschützer sind gut vernetzt, in diversen Chat-Gruppen tauschen sie sich aus: Vielleicht hat ja ein anderer Verein Platz und schon Wesen mit einem ähnlichen Leiden.

Die Aufgenommenen werden untersucht, aufgepäppelt und weitervermittelt. Dabei ist es Schuler wichtig, gründlich auf die Vierbeiner einzugehen: „Wir nehmen nicht so viele Tiere auf. Dafür kümmern wir uns intensiv um sie.“ Deswegen zieht der Verein gerade von Ansbach auf einen Hof in Borsbach bei Flachslanden um. „Wir brauchten mehr Platz und wollten mit den Tieren aus der Stadt raus“, erklärte Schuler.

Zur Neuvermittlung gehören Gespräche, Vorkontrollen und die Schutzgebühr. Dabei hat sie schon viel erlebt: „Manche wollen dann wegen der Gebühr verhandeln oder fragen einfach nur: Wann kann ich das Tier abholen?“ Doch Schuler möchte, dass es ihren Tieren gut geht und sie artgerecht gehalten werden. Ein Kaninchen vom vereinseigenen Außengelände in Käfighaltung zu geben, kommt nicht in Frage.

Ein Zuhause für Minnie

Auch ihre eigene Katze ist übrigens ein Findelkind. Minnie kam im Alter von zwei Wochen zu Aileen Schuler. „Sie war so groß wie ein Hamster.“ Mühsam und mit viel Liebe zog sie sie groß. Irgendwann beschloss Schuler: Minnie bleibt. Heute ist sie zwei Jahre alt und der „kleine Teufel“ im Zuhause von Schuler. „Sie springt von der Galerie im ersten Stock urplötzlich neben dich auf die Couch, sodass alle erschrecken. Und sie stibitzt ständig Sachen und bringt sie in ihre Verstecke. Dann greift sie einen am Ärmel und zeigt ganz stolz, was sie wieder erbeutet hat.“

Tiere versorgen, Gehege säubern, Futter besorgen, Tierarztfahrten, Spenden und Baumaterial abholen: Das Engagement kostet Kraft, Zeit und Geld. Schuler schätzt ihren Aufwand für den Verein auf fünf Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche. Dies macht sie neben ihrem Beruf als selbstständige Tiersitterin. Zeit für Urlaub bleibt da kaum.

Ohne ihre Helfer vom Verein könnte das nicht funktionieren. Insgesamt sind 70 Mitglieder organisiert. 15 davon sind aktiv. Sie leiten die Pflegestellen, machen Fahrten, aber auch mal Gelegenheitshilfen wie Kuchenbacken für Aktionstage. Um die vielen Aufgaben zu stemmen, ist der Verein immer auf der Suche nach weiteren Unterstützern. Schuler steckt viel Herzblut in ihre soziale Arbeit: „Hin und wieder hab ich schon mal schlaflose Nächte und weiß nicht, wie es weitergeht.“

Erst kürzlich musste sie mit Kaninchen Fluffy in die Tierklinik. Er hatte Verletzungen unbekannter Herkunft im Gesicht. Sie befürchtete, dass an einer Einschläferung kein Weg vorbeiführt. Doch Fluffy erholte sich, und als er sich zwei Tage später wieder munter putzte, entschädigte dies für vieles Leid, das sie sehen muss: „Solche Momente zeigen mir: Das ist es wert.“

Minnie, der „kleine Teufel“, fühlt sich auf dem Arm von Aileen Schuler richtig wohl. (Foto: Manuel Schuler)
Minnie, der „kleine Teufel“, fühlt sich auf dem Arm von Aileen Schuler richtig wohl. (Foto: Manuel Schuler)
Minnie, der „kleine Teufel“, fühlt sich auf dem Arm von Aileen Schuler richtig wohl. (Foto: Manuel Schuler)
Fluffy geht es nach seiner Verletzung wieder besser. Solche Momente zeigen Aileen Schuler, dass sich ihr Einsatz auszahlt. (Foto: Aileen Schuler)
Fluffy geht es nach seiner Verletzung wieder besser. Solche Momente zeigen Aileen Schuler, dass sich ihr Einsatz auszahlt. (Foto: Aileen Schuler)
Fluffy geht es nach seiner Verletzung wieder besser. Solche Momente zeigen Aileen Schuler, dass sich ihr Einsatz auszahlt. (Foto: Aileen Schuler)
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