Gibt es in Bruckberg heimatlose Turmfalken? Nach einer Baumfällung im Petersdorfer Weg haben sich Anwohner bei der FLZ gemeldet und auf ein Nest in dem gefällten Baum hingewiesen. Das Landratsamt prüft nun die Angelegenheit.
Der Baum sei ohne Rücksicht auf die Vögel gefällt worden, beklagen Anwohner. Ihre Vermutung: Die Turmfalken hatten dort ein Nest – wahrscheinlich mit Jungtieren. „Eine Überprüfung, ob das Nest verlassen war oder nicht, hat nie stattgefunden.“
Bürgermeisterin Ursula Weiß teilt mit, dass es sich bei dem Grundstück, auf dem der Baum gefällt wurde, um eine private Fläche handelt. „Wir haben in der Gemeinde keine Baumschutzverordnung, so dass ich keine Handhabe gehabt hätte“, macht die Rathauschefin deutlich. „Es war außerdem Gefahr im Verzug, da es sich um einen dürren Baum gehandelt hat und unterhalb davon ein Mehrfamilienhaus mit vielen parkenden Autos steht.“
Ursula Weiß sagt, dass das Nest früher von Elstern bewohnt wurde und mittlerweile verlassen ist. „Die Falken sitzen auf dem Nebenbaum zur Aussicht und brüten in der Nähe unserer Kirche oder gar an der Kirche.“
Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt in Ansbach hat die Situation vor Ort begutachtet und Informationen eingeholt, bestätigt Pressesprecher Fabian Hähnlein auf FLZ-Anfrage. „Der Sachverhalt wird derzeit rechtlich geprüft.“
Gefällt werden darf in Privatgärten beispielsweise dann, wenn bei einem beschädigten Baum Gefahren für die Verkehrssicherheit drohen. Kompliziert wird die Angelegenheit, wenn in dem betreffenden Baum ein Tier lebt, das unter strengem Schutz steht. In solchen Fällen können bei einer Fällung „artenschutzrechtliche Verbotstatbestände berührt sein“.
Unter Umständen müsse der Verantwortliche mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. „Es ist jedenfalls ratsam“, so Hähnlein, „die Untere Naturschutzbehörde zu Rate zu ziehen, bevor in Lebensstätten wildlebender Tiere eingegriffen wird“.
Im vorliegenden Fall sei das Nest beim Fällen zerstört worden, der Verbleib sei ungeklärt. Es habe sich um ein Elsternnest gehandelt, erklärt auch Hähnlein. Allerdings würden verlassene Nester von Krähen, Tauben oder Elstern manchmal von Turmfalken genutzt, da diese keine eigenen Behausungen bauen. Ebenso nisteten sie aber auch in Nischen an Gebäuden. „Ein Turmfalkenpärchen wurde unmittelbar vor dem Eingriff auf dem gefällten Baum bei der Paarung beobachtet.“ Welche Schlüsse das Landratsamt daraus zieht, bleibt abzuwarten.
Nervige Baustellen, fehlende Verkehrsschilder oder eben ein gefällter Baum – die Leserinnen und Leser kommen mit vielen Anliegen auf uns zu. Wir wägen ab, ob ein Thema für die Öffentlichkeit interessant ist und recherchieren dann.
Wichtig ist uns, dass es fair zugeht, das heißt: Eine Bürgermeisterin, der etwas vorgeworfen wird, darf sich dazu äußern. Nicht immer lässt sich ein Sachverhalt vollständig klären, so auch in diesem Fall: Aussage steht gegen Aussage.
Leider ist es wenig erfolgversprechend, sich in Bruckberg auf die Lauer zu legen, um herauszufinden, ob dort ein heimatloses Turmfalkenpaar umherstreift. Deshalb haben wir entschieden, die unterschiedlichen Meinungen auch ohne finales Ergebnis gegenüberzustellen.
Sollten die Ermittlungen in ein Gerichtsverfahren münden, können wir objektiv über das Ergebnis berichten.