Komplett klimaneutral: Die Groninger & Co GmbH hat ihrem Ziel einen weiteren Baustein hinzugefügt. Das Unternehmen ist an die benachbarte Hackschnitzelanlage der DHB-Therm angeschlossen worden. Damit will man künftig kein CO₂ mehr freisetzen.
Wird warmes Wasser abgekühlt, kann man ihm dabei Wärme entziehen und gegebenenfalls die Temperatur bis zum Gefrierpunkt absenken. Umgekehrt entsteht beim Schmelzen des Eises eine natürliche Kühlung. Ergänzt man den Eisspeicher durch Wärmepumpen und eine Photovoltaikanlage für den Strom, hat man im Winter eine Heizung und im Sommer eine Klimaanlage. Volker Groninger, geschäftsführender Gesellschafter der Groninger & Co GmbH, erklärte den Gästen an diesem Energiepunkt sehr anschaulich, welche Technologien sein Unternehmen seit Jahren einsetzt, um das Ziel Klimaneutralität zu erreichen.
Anlass für den Rundgang, an dem auch der Schnelldorfer Gemeinderat samt Bürgermeister Tobias Strauß teilnahm, war der Festakt zum Anschluss des Unternehmens an die benachbarte Hackschnitzelanlage.
Groninger produziert seit 1980 Verpackungsmaschinen und beschäftigt weltweit über 1700 Mitarbeiter. Der Hauptsitz ist in Crailsheim. Seit 2001 ist das Unternehmen auch in Schnelldorf ansässig und wurde 2017 deutlich erweitert.
„Mein Bruder und ich haben mit 16 auch noch mit knatternden Mopeds in unserer Heimatstadt Langenburg Energie rausgeblasen“, berichtet Volker Groninger. Später habe er sich dann über den Sound seines Drei-Liter-Motors im Auto gefreut. Erst während des Studiums habe ihm ein Professor die Probleme des Treibhauseffekts und des Klimawandels klar gemacht. Als Geschäftsführer von Groninger sei er dann mit seinem Bruder Jens daran gegangen konsequent CO₂-Emissionen zu reduzieren.
Schnelldorf sei nun mit seinem Anschluss an die Hackschnitzelheizung der DHB-Therm vorangegangen und bilde somit die „Blaupause“ für das Werk in Crailsheim. Der gesamte Betrieb werde nun mit regenerativer Energie beheizt und gekühlt. Im Crailsheimer Werk wurde mehr in die Photovoltaik-Anlage investiert. Während Schnelldorf eine Höchstleistung von 325 kWp habe, komme man dort auf 1.811 kWp.
Angesichts der momentanen Weltlage seien die Investitionen der DHB-Therm seit 2020 ein „entscheidender Rettungsanker und technologischer Volltreffer“, urteilt Bürgermeister Tobias Strauß über das Konzept des Unternehmens. Dass neben 140 privaten Eigentümern nun auch Groninger angeschlossen sei, schreibe die Erfolgsgeschichte der Nahwärmeversorger fort. In Schnelldorf werde die Energiewende nicht nur diskutiert, sondern „ans Netz gebracht“. „Wir warten nicht auf andere, wir packen es selbst an“, fährt Strauß in seinem Beitrag fort.
Die Firma sei mit der jetzt erreichten Klimaneutralität ein Vorbild für die gesamte Region. Auch Christian Ahnesorg, verantwortlich für das Nachhaltigkeitsmanagement des Unternehmens, betonte, dass Nachhaltigkeit im Familienunternehmen Groninger kein kurzfristiger Trend, sondern Teil des Geschäftsmodells sei. Neben der energetischen Klimaneutralität bei Strom- und Wärmebezug zeige sich dieser Ansatz auch in regionalen Partnerschaften, Investitionen in langlebige Maschinen und energieeffizienten Prozessen.
Jürgen Dollinger, Geschäftsführer der DHB-Therm, bedankte sich für die schnelle und unbürokratische Zusammenarbeit mit dem Industriebetrieb und mit der Gemeinde. Die Fernwärme garantiere eine Unabhängigkeit, die angesichts der Kriege im Nahen Osten immer wichtiger werde.
„Wir haben unsere Klimaneutraliät nicht über Zertifikate von anderen Unternehmen erworben, sondern selber erreicht“, betonte Volker Groninger während des Rundgangs im Technikraum des Unternehmens. Die Steuerung der Anlagen sei von seinen Mitarbeitern so programmiert worden, dass das System selbst entscheide, welche Energiequelle momentan optimal eingesetzt werden könne. „Alle Pumpen reden miteinander“, ergänzte Jürgen Dollinger schmunzelnd.
Kritik äußerte der Geschäftsführer an den Netzbetreibern, weil deren Kapazität nicht ausreiche, um jederzeit überschüssige Energie des Betriebs aufzunehmen. Man habe aber deshalb zwei Pufferspeicher für Warmwasser installiert. Um die Zuschüsse in voller Höhe zu bekommen, musste der Betrieb seine Gas- oder Ölheizungen vollständig ausbauen. Dass der Fuhrpark noch größtenteils aus Verbrennern besteht, soll sich in Zukunft auch noch ändern. Eine Solartankstelle befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Betriebs. Auch Stromspeicher sind bereits angedacht. „Wir machen weiter“, versicherte Groninger den Gästen, die sich über weitere Details des Energiekonzeptes informierten.