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Veröffentlicht am 12.03.2024 07:00

Arbeitsmarkt im Landkreis Neustadt baut auf Geflüchtete

In vielen Branchen herrscht Arbeitskräftemangel. Thomas Dippold von der Agentur für Arbeit sieht in der Zuwanderung eine große Chance, diese Lücken zu schließen. (Archivfoto: Patrick Lauer)
In vielen Branchen herrscht Arbeitskräftemangel. Thomas Dippold von der Agentur für Arbeit sieht in der Zuwanderung eine große Chance, diese Lücken zu schließen. (Archivfoto: Patrick Lauer)
In vielen Branchen herrscht Arbeitskräftemangel. Thomas Dippold von der Agentur für Arbeit sieht in der Zuwanderung eine große Chance, diese Lücken zu schließen. (Archivfoto: Patrick Lauer)

„Der Landkreis NEA streitet sich mit dem Landkreis Erlangen-Höchstadt, wer im Agenturbezirk Fürth der beste ist“, sagte Thomas Dippold. Der Vorsitzende der Geschäftsführung bei der Agentur für Arbeit Fürth erklärte den Bürgermeistern in deren Dienstversammlung die aktuellen Arbeitsmarkt-Tendenzen. Klar wurde: Geflüchtete spielen eine Schlüsselrolle.

Der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, er ist ein „wirtschaftsstarker“ Landkreis, betonte Dippold, obwohl die Zahl der Arbeitslosen leicht gestiegen ist. „Fast jeder dritte Arbeitslose hat eine andere Staatsbürgerschaft.“ Für Dippold ist klar: Viele haben noch Defizite bei der Sprache und auch eine schlechte oder gar keine Qualifikation. „Aber das können wir ändern.“

Zuwanderung ist notwendig für den Arbeitsmarkt

Eine Entwicklung ist jedenfalls jetzt schon klar zu sehen: Die Zahl der Beschäftigten bei Menschen mit Migrationshintergrund steigt und steigt, während sie bei den Deutschen stagniert, so Dippold. Das gelte vor allem für Menschen, die aus dem Nicht-EU-Ausland in den Landkreis kommen.

„Und wir müssen davon ausgehen, dass sich das so fortsetzen wird.“ Das sei mit Blick auf die Gesamtsituation auch wichtig: „Aus unserer Sicht gibt es eine Notwendigkeit, dass wir auf Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern zurückgreifen müssen, wir sehen darin ein großes Potenzial.“ Der Bedarf ist in vielen Bereichen sichtbar, ob in der Pflege, im Einzelhandel oder im Bausektor.

Die Hoffnung liegt auf dem „Job-Turbo“ des Bundes. Ziel sei es demnach, Geflüchtete deutlich schneller in Arbeit zu bringen. Vorher ein Crashkurs Deutsch, dann schon der Arbeitsstart – und währenddessen sollen die Sprachkenntnisse weiter optimiert werden. „Wir appellieren an alle Arbeitgeber, zu schauen, wo Geflüchtete zu beschäftigen sind. Das bringt einen selbst weiter und man leistet seinen Beitrag“, warb Thomas Dippold.


Wir haben einen Trend zur Akademisierung – leider

Thomas Dippold

Ein Faktor, der auf längere Sicht für den Wohlstand im Lande sorgt, sind die jungen Menschen. Diese Zahlen im Landkreis seien stabil, allerdings bleiben weiterhin Ausbildungsstellen unbesetzt. Fachkräftemangel ist da so ein Stichwort – und exakt an dieser Stelle sei man künftig auch auf Zuwanderung in den Arbeitsmarkt angewiesen.

„Liegt es daran, dass Jugendliche nicht da sind oder eher studieren?“, wollte der Diespecker Bürgermeister Dr. Christian von Dobschütz wissen. „Wir haben einen Trend zur Akademisierung – leider“, antwortete Thomas Dippold, dem das durchaus Sorgenfalten bereitet. Aber auch die demografische Entwicklung spiele mit hinein. Das sei letztlich eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit.

Aus- und Weiterbildung muss weiter gefördert werden

Darin liegen auch die Aufgaben der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter. Man berate Jugendliche, Studienanfänger und Hochschulabsolventen. „Wir sind zur Neutralität verpflichtet, sagen aber auch klar, dass nicht jeder studieren muss“, so Dippold. Auch Ratschläge für Arbeitslose, Unternehmer und Berufsrückkehrer seien Teil der Aufgabe.

Einer der Hauptpunkte aber bleibt die Förderung der Aus- und Weiterbildung von Arbeitslosen und Beschäftigten. „Wir fördern Qualität und nehmen da richtig Geld in die Hand.“ Denn es zeigt sich: Wer erst länger arbeitslos ist, hat es immer schwerer, in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Auch wenn es noch Baustellen gibt, sagte Dippold nochmals: Der Landkreis gehört in Sachen Arbeitslosigkeit weiterhin zu den besten – Vollbeschäftigung.

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