Aktuelle Jugendthemen, ein bisschen Energiepolitik und die Forderung nach einem verpflichtenden sozialen Jahr. Die Veranstaltung „Roasted“ der Kreisjugendringe Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen fühlte sechs Direktkandidaten im Stimmkreis Ansbach-Süd/Weißenburg-Gunzenhausen auf den Zahn.
„Roasted“, der englische Begriff steht dafür, etwas zu braten oder zu grillen. Vor einer Woche war der Stimmkreis Ansbach-Nord dran, nun landeten die Bewerber aus dem Süden auf dem Grillrost von Moderatorin Miriam Zöllich im Altmühlsee-Informationszentrum (AIZ) in Muhr am See, also in der Mitte der beiden Gebiete, die zum Stimmkreis gehören.
Gut zwei Dutzend Besucher waren vor Ort und in der Spitze waren es noch einmal so viele, die die Podiumsdiskussion live im Internet verfolgten. Die Verantwortlichen der Kreisjugendringe hatten sich sicher mehr erhofft.
Mit Helmut Schnotz (CSU), Wolfgang Hauber (Freie Wähler), Philipp Hörber (Grüne), Harald Dösel (SPD), Dr. Thomas Kestler (FDP) und Nadja Gschwendtner (Linke) stellten sich fünf Männer und eine Frau den Fragen von Miriam Zöllich und aus dem Kreis der Zuhörenden. Auswahlkriterium für die Kreisjugendringe war, ob die Partei in der Region in einem Jugendhilfeausschuss vertreten ist.
Jeder Bewerber hatte insgesamt 15 Minuten Redezeit. Nach zwei Stunden hatten alle zumindest noch ein paar Sekunden übrig. Eine straffere Vorgabe hätte die Diskussion sicherlich schneller gemacht.
Zum Einstieg ging es um die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre, die seit einiger Zeit unter dem Schlagwort „Vote 16“ die Runde macht. Für Thomas Kestler macht das Wahlalter ab 16 zwar Sinn. Doch persönlich sehe er das Thema ambivalent und kann es sich allenfalls auf kommunale Ebene vorstellen. Das sieht Wolfgang Hauber, der einzige der Runde, der bereits im Landtag sitzt, ähnlich: „Gerade im kommunalen Bereich werden die Entscheidungen getroffen, die die Jugendlichen direkt betreffen.“
Für Harald Dösel, der selbst Lehrer in Triesdorf ist, ist klar: „Wir können nicht das Wahlalter herabsenken und den Unterricht so lassen, wie er ist.“ Die jungen Menschen müssten viel besser auf die Wahlentscheidung vorbereitet werden. Die Frage, ob man wirklich das Wahlrecht an die politische Bildung knüpfen dürfe, warf hingegen Nadja Gschwendtner auf. „Muss man dann vorher einen Test machen?“
Philipp Hörber findet die Absenkung „auf jeden Fall vernünftig und richtig“. Und Helmut Schnotz ist die Diskussion derzeit zu simpel gehalten. „Es gibt in der Gesellschaft Rechten und Pflichten. Was ist mit der Strafmündigkeit? Was ist mit dem Führerschein?“ Er hätte hier gern ein Gesamtpaket.
Harald Dösel brachte die Debatte immer wieder auf das Thema Bildung und kritisierte das dreigliedrige Schulsystem in Bayern. „Es gibt viele Bildungsverlierer schon an der Grundschule.“ Während ihm Hörber beipflichtete, äußerten sich die Vertreter der beiden Regierungsparteien in Bayern erwartungsgemäß anders. Hauber befand mit Blick auf Bildungstests, das dreigliedrige Schulsystem habe sich „bestens bewährt“. Und Schnotz verwies auf ganzheitliche Lernkonzepte, die die Grundschule in seiner Heimatgemeinde Bechhofen umsetzt – im jetzigen Bildungssystem. „Das geht.“
„Wir fallen in den Rankings kontinuierlich zurück“, gab hingegen Kestler zu bedenken. „Wir müssen darauf achten, dass das Leistungsniveau wieder steigt.“
Auf die Frage, wie man man die Bürger im Stimmkreis direkt an der Energiewende beteiligen könnte, schlug Grünen-Kandidat Hörber vor, allen, die in Sichtweite zu einem Windrad wohnen, vergünstigten Strom anzubieten. Dann partizipierten auch jene, die sich nicht in ein Bürgerwindrad mit einem Anteil einkaufen können. Auch SPD-Mann Dösel findet das eine tolle Idee. Mecklenburg-Vorpommern habe solch eine Regelung schon.
Kestler, der früher bei den Grünen war und wegen deren Energiepolitik zur FDP wechselte, meinte hingegen: „Wir machen uns extrem verletzlich durch die Fixierung auf die erneuerbaren Energien.“ Er wünscht sich Atomkraftwerke zurück und löste mit seiner Aussage, es handle sich um die günstigste Form der Stromerzeugung bei Hörber einen Lachanfall aus. Er verwies auf die Steuergelder, die in Bau und Entsorgung fließen.
Ein verpflichtendes soziales Jahr ist nach Meinung Hörbers eine gute Sache. Für junge Menschen bringe es eine Erweiterung des Blickfelds, und die Gesellschaft profitiere ebenfalls. Auch Schnotz konnte der Idee etwas abgewinnen. Gschwendtner gab zu bedenken, dass dies gerade in der Pflege „für beide Seiten unangenehm werden könnte“, wenn der Dienstleistende eigentlich gar nicht in diesem Bereich arbeiten wolle.
Seit dem Aussetzen der Wehrpflicht stünde eine entsprechende Forderung im Wahlprogramm der Freien Wähler, erklärte indes Wolfgang Hauber. Man könne auch darüber nachdenken, die Zeiten beispielsweise bei Feuerwehr oder Technischem Hilfswerk abzuleisten.
Harald Dösel sagt zwar, dass ihm der Zivildienst gut getan habe, dennoch „bin ich gegen einen Zwangsdienst“. Damit fand er sich auf Linie mit Thomas Kestler. „Aus liberaler Warte sträubt sich etwas in mir.“
Unter anderem ging es in der zweistündigen Debatte, die weiterhin auf www.roasted2023.de im Internet abrufbar ist, auch um die Frage von lebenslangem Lernen, außerschulische Bildung, Jugendarbeit und ihre Finanzierung oder die Frage, ob Bayern einen Beauftragten für queere Menschen braucht, also für alle, die nicht dem klassischen Familienbild entsprechen.